Fitness-Studios: Zwischen verwaister Hantelbank und Training vor dem Rechner

Fitness-Studios : Zwischen verwaister Hantelbank und Training vor dem Rechner

Fitness-Studio-Betreiber setzen bislang auf digitales Training. Doch nicht alle kommen so glimpflich durch die Krise. Ob bei einem Lockerungs-Szenario die Fitness-Studios ganz oben auf der Liste stehen, ist sehr zweifelhaft. Das wissen auch die Studios in unserer Region.

Wann dürfen Fitness-Studios wieder öffnen? Die Frage stellen sich momentan wohl Studio-Betreiber wie auch die Besucher der Studios. Doch eine Antwort gibt es frühestens beim Treffen von Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch. Ob dann bei einem Lockerungs-Szenario die Fitness-Studios ganz oben auf der Liste stehen, ist sehr zweifelhaft. Das wissen auch die Studios in unserer Region.

Im Fitness-Bereich des Sportforum Alsdorf würde an einem normalen Nachmittag einiges los sein. Doch die Sportgeräte sind verwaist – Tristesse pur. Denn seit Beginn des zweiten Lockdowns am 2. November 2020 hat auch das Sportforum seine Pforten wieder schließen müssen. Ein Kraftakt für Manfred Stimpel, Manager des Fitness-Bereichs, und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese möchten auch weiterhin ihren Kunden die bestmöglichen Angebote für ein Training daheim anbieten.

„Gerade als Gesundheits-Sportanbieter spricht das Sportforum eine Klientel an, die mit ihrem Training zu einem großen Anteil medizinische Ziele verfolgen. Diese Mitglieder besuchen die Trainingseinrichtung nicht aus Spaß und als Freizeitbeschäftigung, sondern weil sie Schmerzen, Stress und Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und psychische Erschöpfungssymptome bekämpfen müssen oder auch ihr Gewicht reduzieren möchten“, weiß Stimpel.

Digital statt analog

Deshalb hat sich das Team mit den technischen und digitalen Möglichkeiten auseinandergesetzt, um ein adäquates und individuelles Programm anbieten zu können. Herausgekommen sind dabei etliche Livestream-Kurse, bei denen die Kunden „ihre“ Kurse zu den gewohnten Zeiten und mit den bekannten Übungsleitern erleben können. „Das war für alle Trainer erst einmal ziemlich aufregend,“ erzählt Manfred Stimpel. „Doch von der Nervösität war ihnen allen nichts mehr anzumerken, sobald der Stream gestartet war.“

Auch wurde sich im Team rege ausgetauscht und gegenseitig bestärkt. Stimpel lobt „mit welcher Professionalität, Lockerheit, Empathie und Natürlichkeit die Kurse von seinen Mitarbeitern abgehalten werden, die alles dafür geben, die Mitglieder auch zu Hause im Wohnzimmer zu motivieren.“ Des Weiteren gibt es ausgearbeitete, individuell zugeschnittene Trainingspläne sowie Trainingseinheiten und Workouts, die über die Internetseite des Sportforums abrufbar sind oder auch in einem Zoom-Training vermittelt werden.

Außerdem sind die Mitarbeiter täglich telefonisch für die Mitglieder erreichbar, um bei Fragen und Problemen Hilfestellungen zu leisten. „Wir versuchen nach wie vor einen intensiven persönlichen Kontakt durch Emails und Telefonate zu den Mitgliedern aufrecht zu erhalten, sie zu motivieren und für sie da zu sein. Trotzdem vermissen wohl alle – Mitarbeiter und Mitglieder gleichermaßen – den Umgang miteinander und die sozialen Kontakte, die digital einfach nicht ersetzbar sind“, schildert Stimpel seine Erfahrungen.

Perspektive und ein fairer Umgang

Das Problem nach erneut vier Monaten kompletter Schließung – zwei Monate waren es bereits im Frühjahr – ist, dass man nicht absehen kann, wann es wieder weitergeht. „Wir wünschen uns von den Politikern klare Perspektiven für die Zukunft und einen fairen Umgang mit den einzelnen Branchen“, stellt Christoph Heins, Geschäftsführer des Sportforum Alsdorf, die Forderung an die Politik. Weiter sagt er: „Mir erschließt sich in keinster Weise, dass Discounter Nonfood-Artikel verkaufen dürfen, wohingegen der Facheinzelhandel geschlossen bleiben muss. Ich empfinde es als Affront gegen die Mitbewerber, dass diese Artikel dann auch noch jede Woche in den Werbeprospekten beworben werden dürfen. Zudem sind die Hygienekonzepte und Abstandsregelungen bei uns im Racket- und Fitnessbereich um ein Vielfaches besser als in den Supermärkten.“

Grundsätzlich werden die Hygienekonzepte in der Sportbranche nicht nur eingehalten, sondern noch übertroffen. „Es sind zahlreiche Maßnahmen von der Desinfektion über die Registrierung der Mitglieder per Check-in-System mit unmittelbarer Kontaktverfolgung und Kontrolle der Luftqualität schon beim ersten Lockdown getroffen worden. Trotzdem wird es nicht als so wichtig erachtet, baldige Lockerungen in Betracht zu ziehen“, nennt Manfred Stimpel klare Fakten. Tatsache sei aber auch, dass man sich darauf einstellen müsse, mit dem Coronavirus in der Gesellschaft zu leben. Dazu gehöre insbesondere die gute Funktionsfähigkeit des Immunsystems, die nachweislich direkt mit dem körperlichen Zustand des einzelnen Menschen zusammenhänge. So komme man immer wieder zum Sport zurück.

Auch Gesundheits-Fitness kommt zu kurz

Klare Worte findet auch Ralf Schmitz, der aus Baesweiler stammt und dort bis vor kurzem ein Fitness-Studio betrieben hat, ehe er mit seinem Studio nach Übach umzog. Bereits nach dem ersten Lockdown hätten viele seiner Kunden über gesundheitliche Probleme in Folge des Trainingsausfalls geklagt, sagt er. Mittlerweile habe sich die Situation nochmals verschärft. Er kenne Mitglieder, die eigentlich nach einem Bandscheibenvorfall wieder bei guter Gesundheit waren. „Doch ohne regelmäßiges Training hatten sie einen Rückfall. Einer musste neulich erneut operiert werden“, sagt Schmitz. Er könnte diese Liste noch lange fortführen und betont: „Durch die Schließung verhindern wir keine Kranken, wir produzieren sie.“

„Aber Studios sehen heute ganz anders aus. Wir gehören zum Gesundheitsmarkt und sehen uns als systemrelevant“, so Schmitz. Daher will er weiterkämpfen. Viele Studios fürchten nun um ihre Zukunft. „Besonders für die kleinen inhabergeführten Studios wird es langsam eng“, sagt Schmitz. Während im ersten Lockdown noch eine gewisse Solidarität geherrscht habe, holt Schmitz nun täglich neue Kündigungen aus dem Briefkasten. „Unsere Mitglieder sind nicht mehr bereit zu zahlen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. Und das ist auch verständlich“, findet Schmitz.

 Jenny Klos schließt zum letzten Mal ihr Studio ab.
Jenny Klos schließt zum letzten Mal ihr Studio ab. Foto: mha/Günther von Fricken

Für Jenny Klos aus Alsdorf heißt es durch die Corona-Krise, neue Ideen zu entwickeln. Denn sie musste in der vorigen Woche ihr Fitness- und Tanz-Studio Jeneration in Alsdorf schließen. „Der Schwerpunkt lag auf Tanzangeboten, an denen rund 120 Kinder teilgenommen haben. Hinzu kam das Ernährungscoaching für Erwachsene in Kursform. Doch das musste ja alles ausfallen“, fasst sie die Probleme zusammen.

Miete, Steuern und andere Kosten blieben, die staatlichen Hilfen flossen nur langsam, und die Rücklagen ohne jegliche Einnahmen waren irgendwann aufgebraucht. Aus diesen Gründen musste sie sich für eine Schließung entscheiden. „Dabei lief alles nach dem ersten Lockdown zunächst wieder sehr gut an. Ich konnte sogar Kurse aufstocken, aber die finanzielle Erholung dauerte leider nur bis zum zweiten Lockdown“, berichtet Jenny Klos. Das Ganze hat die 35-Jährige mental bedrückt, sie schläft schlecht.

Doch aufzugeben, daran mag sie nicht denken. „Ich liebe meinen Job zu sehr, um das alles jetzt zu beenden. Und ich denke auch, die Leute werden sich wieder über Bewegung und Lebensgefühl freuen. Denn momentan fehlt die Bewegung, aber es fehlen ihnen auch die sozialen Kontakte zum Beispiel im Studio. Man kann einfach Bewegung vor dem Computer nicht mit einem Studio-Besuch vergleichen“, sagt sie. Aktuell ist sie auf der Suche nach einem Job im sportlichen Bereich. Sie bietet über Instagram kostenlose Angebote, um „die Menschen sportlich am Ball zu halten“ und hofft darauf, bald zumindest Einzel-Personal-Training starten zu können.