Würselen: Zwei Poller für 110.000 Euro

Würselen: Zwei Poller für 110.000 Euro

Noch ist es recht ruhig auf der neuen Würselener Ortsumgehung zwischen dem Gewerbegebiet Aachener Kreuz und dem Flugplatz Merzbrück.

Zwar ist schweres Gerät im Einsatz, um die letzten Arbeiten auszuführen, um etwa die letzten Meter Fahrbahn zu asphaltieren. Aber erst ab Juni sollen täglich bis zu 11.000 Autos auf der sogenannten Osttangente fahren, die die Städteregion seit dem Frühjahr 2009 für rund 11,5 Millionen Euro baut. Dann soll die 3,4 Kilometer lange K.34 eröffnet werden.

Bereits ab Freitag dürfen indes Radfahrer den neuen Radweg offiziell nutzen. Zur Hälfte wurde die 3,1 Kilometer lange und 260.000 Euro teure Strecke entlang der Osttangente neu angelegt, auf den restlichen 1,5 Kilometern werden die Radler über Wirtschaftswege geführt.

Hatte der Baubeginn vor zwei Jahren zu Unmut unter Radlern geführt, weil durch die Arbeiten ein Teilstück des Radwegenetzes gesperrt worden war und eine Umleitung um den Flugplatz erst nach Protest ausgeschildert wurde, stolpern zum Bauende nicht nur Politiker im städteregionalen Bauausschuss über zwei Poller, die an den Kreuzungen der K.34 mit der Kerstengasse und der Friedhofstraße in Würselen bald installiert werden. Ist es für Politik und Verwaltung unstrittig, dass die Wirtschaftswege von beiden Seiten abgesperrt werden muss, damit kein Auto-Schleichverkehr entstehen kann und die Radler ungestört sind, fällt bei den Kosten von 110.000 Euro so manchem aber die Kinnlade herunter.

Dabei schlägt im weitläufigen Feld allein der Anschluss an das Stromnetz mit 50.000 Euro zu Buche, wie der städteregionale Baudezernent Uwe Zink den Fachpolitikern erläuterte. Auf Wunsch der Stadt Würselen wird eine elektrisch betriebene Variante montiert. Per Knopfdruck verschwindet der Poller im Boden und fährt sensorgesteuert hoch, wenn der Traktor die Stelle passiert hat. Denn der landwirtschaftliche Verkehr darf die Wege weiterhin benutzen. Dabei betonte Zink, dass die Kosten alleine von der Stadt Würselen zu tragen sind.

„Bei dem Betrag habe ich auch geschluckt”, sagt Till von Hoegen, der seit 2009 Technischer Beigeordneter in Würselen ist. Und er verweist darauf, dass die Entscheidung von der Politik „nach einer intensiven Debatte” bereits 2005 gefällt worden sei. Warum es die Luxus-Variante sein muss? „Normale Steckpfosten haben sich nicht bewährt, weil sie oft zerstört oder einfach liegengelassen werden, wenn sie aus der Verankerung genommen wurden”, sagt von Hoegen: „Um den Schleichverkehr effektiv zu verhindern, sind die ausgewählten Poller die geeignete Maßnahme.” Und dass lässt sich die Stadt eben etwas kosten - gibt es die einfachen Steckpfosten inklusive Montage bereits für rund 2000 Euro.