Inklusives Wohnen in Brand: Zusammenleben auf Augenhöhe

Inklusives Wohnen in Brand : Zusammenleben auf Augenhöhe

In Aachen-Brand entsteht zurzeit ein „inklusives“ Wohnhaus, das Behinderte und Nichtbehinderte unter einem Dach vereint.

Noch stehen die Gerüste an dem Neubau in der Rombachstraße in Brand. Die Fenster sind schon eingebaut, aber der Putz fehlt. Und im Inneren muss auch noch einiges getan werden. In einem Jahr sollen aus den Fenstern neue Bewohner schauen – Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, Familien und Singles. Die konzeptionelle Ausgestaltung des inklusiven Wohnprojekts wurde wesentlich durch die beiden Vereine „Inklusiv Wohnen in Aachen“ (IWA) und „Tabea“ (Tagesbeschäftigung Aachen) vorangetrieben. Sie können fortan auch auf die Unterstützung des Netzwerks im Paritätischen bauen.

Der Paritätische – Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege – vereinigt in der Städteregion 113 Mitgliedsorganisationen, „die alle Felder der sozialen Arbeit abdecken, von der Kita in Elterninitiative über den Frauennotruf bis hin zur Lebenshilfe und dem VKM“, wie Manuela Aye, Geschäftsführerin der Kreisgruppe Aachen des Paritätischen, erklärte.

„Gemeinsam stehen wir für Vielfalt und Toleranz“: IWA und Tabea versprechen sich von der Mitgliedschaft so einiges; Vernetzung, Informationen, Fortbildung, Beratung, Vereinsentwicklung, Unterstützung bei Förderanträgen, Kooperationen. „Auch haben wir im Zuge der Antragsstellung auf Mitgliedschaft noch einmal intensiv unsere Konzepte überdacht“, berichtete Katharina von Gallwitz, Vorsitzende von Tabea. „Auch das hat uns weitergebracht.“

Das erste inklusive Wohnhaus in Aachen, in dem Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf zusammen in zwei Wohngemeinschaften leben und die Hausgemeinschaft zusätzlich durch Mieter im Obergeschoss ergänzt wird, soll so auch nicht das letzte Projekt der beiden Vereine sein. „Wir engagieren uns auch in der Büchel-Entwicklung und stoßen bei der Städtischen Entwicklungsgesellschaft Sega auf offene Ohren“, sagte Marita Holper, Vorsitzende von IWA und stellvertretende Vorsitzende bei Tabea. Für IWA-Vorstandsmitglied Dennis Bando war klar: „Die Nachfrage ist so hoch – wir müssen auch an anderen Stellen weitermachen.“

Das Wohnhaus in Brand könnte dann eine Art Blaupause werden. Ein Zuhause von 19 Menschen in zwei WGs:. Fünf beziehungsweise sechs Menschen mit Unterstützungsbedarf in unterschiedlicher Ausprägung werden mit je vier Studierenden zusammenleben. Die Studierenden – möglichst von allen Aachener Hochschulen und ganz verschiedenen Studienrichtungen – bekommen einen günstigen Mietpreis nach dem Prinzip „Wohnen für Hilfe“. „Das bedeutet in diesem Fall gemeinsame Freizeitgestaltung: kochen, ein Picknick im Wald, ein Ausflug zum Tivoli, ein Filmabend – was gut funktionierende WGs schon mal gemeinsam unternehmen. Der ganze Bereich Pflege ist explizit ausgeschlossen. Wir wollen ein Zusammenleben auf Augenhöhe“, erläuterte Holper. Für die nötige Versorgung der Bewohner mit Unterstützungsbedarf ist Fachpersonal zuständig. Das Haus wird mit einer 24-Stunden-Betreuung versorgt.

Im zweiten Obergeschoss entstehen zudem sechs Mietwohnungen, die auf dem freien Markt vergeben werden – „allerdings an Menschen, die Lust auf Inklusion haben“, wie Bando ergänzte. „Und eine Wohnung möchten die Vereine anmieten, um Inklusion auch mit der Nachbarschaft zu leben. Dafür suchen wir noch Sponsoren“, sagte Holper.

Die Wohnplätze für Menschen mit Unterstützungsbedarf sind schon vergeben, die jungen Menschen bereiten sich bereits intensiv in einer monatlichen Wohnschule auf den Auszug aus dem Elternhaus und auf ihr Zusammenleben vor. Die Studierenden und die Mieter „für obendrüber“ werden erst später gesucht und erfolgreich gefunden, wovon von Gallwitz fest überzeugt ist: „Unser Vorbild in Köln läuft gut.“

Aye freute sich auf jeden Fall über den Zuwachs im Paritätischen: „Das ist ein äußerst innovatives Konzept für Aachen. IWA und Tabea bringen dem Paritätischen neue Ideen und ganz viel Schwung.“

www.inklusiv-wohnen.ac

[http://]tabea-aachen.de