Heinsberg: Zurück in die Zukunft: Heinsberger fährt eine Zeitmaschine

Heinsberg: Zurück in die Zukunft: Heinsberger fährt eine Zeitmaschine

An diese Szene erinnert sich Michael Hoffacker noch genau. Marty McFly, Nebel, der DeLorean, die Zeitmaschine des verrückten Professors Doc Brown. „Ich konnte nur eines denken: wow!“, sagt Hoffacker. Das war in den 80ern, im Kino. Der Film „Zurück in die Zukunft“ und das Auto, ein DMC-12 ließen Hoffacker nicht mehr los.

Er ging immer wieder in die Vorstellungen des Films. „Bestimmt 50 Mal“, sagt er. Es entstand so etwas wie eine innige Liebe — und die ist noch nicht gerostet.

Michael Hoffacker fährt heute selber eine Zeitmaschine. Zumindest sieht sein Auto so aus. Er hat einen DMC-12 zum DeLorean aus dem Film umgebaut — mit ganz viel Liebe zum Detail. Das bringt Hoff-acker eine Menge Anerkennung ein: „Wenn ich zu einem Oldtimertreffen fahre, können da die tollsten Autos stehen. Aber der DeLorean stellt alles in den Schatten. Um den bildet sich sofort eine Menschentraube“, sagt er.

Die Geschichte, wie Michael Hoffacker zu seinem DeLorean kam, ist ziemlich lang. Die Kurzversion geht so: Er suchte einen DMC-12 mit schwarzem Interieur, Schaltgetriebe und Tankklappe in der Motorhaube. Nachdem er sich Hunderte Fahrzeuge angeschaut hatte, fand er den passenden Wagen im Netz, inseriert von einem Amerikaner aus Chicago.

Nach einigem Hin und Her kaufte er den Wagen und ließ ihn im Überseecontainer nach Europa verschiffen. Gesehen hatte er ihn nur auf Bildern und im Video-Chat. Hoffacker bezahlte und wartete. Ein paar Wochen später stand Hoffacker auf einem Hof in Rotterdam vor seinem Auto: „Da ist mein Lebenstraum wahr geworden. Und das Auto ist auch noch direkt angesprungen.“

Seit dreieinhalb Jahren hat er sein Traumauto nun. Zunächst aber ohne all das „Zurück in die Zukunft“-Zubehör. „Jeder hat mich gefragt, wo denn der Flux-Kompensator ist“, sagt Hoffacker.

Also begann Hoffacker damit, alles einzubauen, was man laut Film für eine Zeitreise braucht: Time Circuid Device, Plutonium-Behälter, Flux-Kompensator, Düsenaufbau für das Heck, Wecker, Kompass, Knöpfe, blinkende Lämpchen und jede Menge Kabel. Alles ohne ein einziges Loch in sein geliebtes Autos zu bohren.

„Das Auto gehört so umgebaut“, sagt Hoffacker. Viele Einzelteile hat er selber gebastelt, den Rest von Bekannten anfertigen lassen. Denn eine Bauanleitung gibt es nicht. Die kleine Gemeinde der Zeitmaschinenbauer — laut Hoffacker gibt es in Deutschland vier — studiert jede Szene in den Filmen und baut alles so originalgetreu wie möglich nach.

Eigentlich sieht Hoffackers Auto jetzt schon aus, als könne man damit auf Zeitreise gehen. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch: Zum Beispiel die Raketen für die Fahrzeugseite. Die liegen noch in Hoffackers Garage.

Wie viele Stunden er schon in den Umbau gesteckt hat, kann Hoffacker nicht sagen. Nur so viel: Seit etwa eineinhalb Jahren bastelt er in jeder freien Minute daran, dem Film-Auto so nah wie möglich zu kommen.

Bis auf die Zeitreiseutensilien ist der DeLorean aber noch im Originalzustand. Der Stahlrahmen und die Edelstahlkarosserie haben schon 35 Jahre auf dem Buckel, seien aber in tadellosem Zustand. Nur eines hat Hoffacker verändert: den Auspuff. „Das Original hat sich angehört, wie zwei Krups-Kaffeemaschinen“, sagt er.

Durch seine Hollywood-Hauptrolle ist der DeLorean zwar sehr bekannt geworden. Viele Exemplare gibt es aber nicht. Der Firmengründer John DeLorean war eigentlich Manager bei GM in den USA. Nach einigen Unstimmigkeiten mit dem Autokonzern packte er seine Sachen und begann in Nordirland damit, seinen eigenen Sportwagen zu bauen, den DMC-12.

Die 12 sollte dafür stehen, dass das Auto nur 12.000 Dollar kosten sollte. Tatsächlich liefen die ersten Autos 1981 vom Band, aber bereits 1983 war nach 8600 Fahrzeugen schon wieder Schluss. Und die Sache mit dem niedrigen Preis klappte nicht. In den USA mussten Käufer 25 000 Dollar für den Flügeltürer hinblättern.

Noch heute gilt: Wer einen DeLorean fährt, der muss das Auto lieben — mit all seinen Macken. Der Motor sei mit 132 PS unterdimensioniert, außerdem sei das Handling schlecht, die Türen gingen nicht richtig hoch und bei starken Bremsmanövern müsse das Glück auch ein wenig mitspielen, sagt Hoffacker. Trotzdem beschleunigt die V6-Maschine das 1,25 Tonnen schwere Auto in zehn Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde.

Bleibt noch die Frage, wohin Michael Hoffacker denn mit seiner Zeitmaschine reisen würde, wenn das möglich wäre. „Interessante Frage“, sagt Hoffacker. Immer, wenn sie ihm gestellt werde, frage er, ob die Leute in Physik nicht richtig aufgepasst hätten.

Nun gut. Und wenn es doch möglich wäre? „Dann würde ich in die 50er Jahre reisen. Nachkriegszeit, alles war kaputt, alle haben gemeinsam angepackt. Das würde mich interessieren“, sagt er. Die Zukunft finde er dagegen gar nicht so spannend.

Wenn schon nicht in die Zukunft, dann zieht es ihn aber immer wieder in das Land, in dem „Zurück in die Zukunft“ spielt. Hoffacker reist regelmäßig in die USA. Vielleicht irgendwann für immer. In die Vereinigten Staaten zu ziehen, das sei einer seiner großen Träume.

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