Geilenkirchen: Zugspitz Ultratrail: Über Stock und über Stein

Geilenkirchen : Zugspitz Ultratrail: Über Stock und über Stein

Christian ist leidenschaftlicher Langstreckenläufer. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem der Aachener nicht auf einem Wettkampf irgendwo in Deutschland zu finden ist. Angefangen beim kleinen Volkslauf über den Halbmarathon bis hin zum Marathon — er nimmt, was kommt.

Das Bändchen vom Berlin-Marathon möchte Christian Mohr anbehalten, bis es von selbst abfällt. „Es erinnert mich an diese grandiose Erfahrung und daran, dass ich trotz Schmerzen nicht aufgegeben habe.“ Seine Füße stecken in knallbunten Laufschuhen, eine grün-gelb leuchtende Laufbrille trägt er lässig in den kurzen Haaren. Sein Sportoutfit zeigt: Heute stehen noch ein paar Trainingseinheiten an.

Denn: Jetzt sucht Christian die nächste Herausforderung. Im kommenden Jahr will er den Zugspitz Ultratrail bewältigen. 62,8 Kilometer auf und um den höchsten Berg Deutschlands. 2923 Höhenmeter rauf und 3285 Höhenmeter runter. Von Leutasch-Weidach in Österreich nach Grainau in Bayern.

30 Kilogramm abgenommen

„Ich weiß bereits, dass ich einen Marathon schaffe. Jetzt brauche ich etwas anderes“, sagt der 23-Jährige. Er habe sich keine bestimmte Zeit vorgenommen. Auch nicht, die Strecke krampfhaft durchzulaufen. Sein einziges Ziel ist: es zu schaffen. „Es ist schwer, sich hier im Aachener Wald auf einen alpinen Trail vorzubereiten. Es gibt ja kaum Berge.“ Er versuche deshalb, sein Training so oft es geht in die Eifel zu verlegen. Doch der logistische Aufwand sei enorm. „Ich stelle dann mein Auto in der Nähe von Roetgen ab und laufe die knapp 30 Kilometer zurück — doch dann muss ich ja irgendwie mein Auto wieder holen.“ Runden um den Sportplatz zu laufen komme höchstens für Geschwindigkeitstrainings infrage.

Christian ist groß und durchtrainiert. Unter dem engen Laufshirt zeichnen sich seine Muskeln ab. Doch er war nicht immer so drahtig. Vor vier Jahren noch wog er 112 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,90 Meter. „Da war ich wirklich dick“, sagt er. „Ich habe zwar regelmäßig in der Woche Handball gespielt, doch das Konditionstraining habe ich immer gehasst. Da war ich mit Abstand der Schlechteste.“ Außerdem habe er kein bisschen auf seine Ernährung geachtet.

Als er sich dann nach dem Abitur beim Land NRW bewerben wollte, war klar, dass er abnehmen muss. Mit dem Laufen anzufangen war da das Naheliegendste. Der Firmenlauf am Hangeweiher wurde zur ersten Herausforderung. „Meine Zeit war gut — da hab ich Blut geleckt.“ Sein Ehrgeiz war geweckt. „Ich habe aber schnell festgestellt, dass mir lange Strecken mehr liegen. Unter sieben Kilometern würde ich mir mittlerweile keine Laufschuhe mehr anziehen.“ Seitdem hat er rund 30 Kilogramm abgenommen.

Halbe Sachen macht Christian nicht. Aufgeben kennt er nicht. „Wenn du nicht kurz davor bist zu kotzen, hast du nicht alles gegeben“, sagt er. Nach ersten Erfahrungen beim Halbmarathon stand im Sommer 2015 dann der erste Marathon in Frankfurt auf dem Programm, bei dem gleichzeitig auch die Deutschen Marathonmeisterschaften ausgetragen werden. Nach drei Stunden und 30 Minuten lief er ins Ziel. Mit seiner Zeit gehörte er zu den Besten 40 seiner Altersklasse in Deutschland.

Bald schon hatte er das nächstes Ziel vor Augen: der Berlin-Marathon. Ein Traum für viele Läufer. Der Wettkampf gehört neben den Veranstaltungen in New York, Paris und London zu den größten und renommiertesten Marathonläufen der Welt. Der Zieleinlauf liegt direkt am Brandenburger Tor. Christian fieberte dem Tag entgegen, trainierte verbissen. Doch zwei Wochen vorher verletzte er sich am Knie. Aus dem Traum wurde ein Alptraum. „Alles stand fest: die Anmeldung, die Flüge, die Unterkunft — ich hab wirklich geheult.“ Er ging trotzdem an den Start, biss die Zähne zusammen und kämpfte sich bis ins Ziel. In persönlicher Bestzeit.

Respekt davor, bergab zu laufen

„Man muss ein Stück weit besessen von dem Ziel sein, auf das man hinarbeitet — dann kann man fast alles schaffen“, sagt Christian. Respekt habe er beim Zugspitz Ultratrail vor allem vor dem Gepäck, das die Läufer verpflichtend dabei haben müssen, vor dem Wetter — und davor, bergab zu laufen. „Stabilisationstraining ist vor allem wichtig, damit man nicht umknickt“, sagt er. Deshalb trainiert er auch speziell, auf dem Vorderfuß zu laufen. An die Strecke tastet er sich langsam heran. Sein Trainingsplan ist jedenfalls schon jetzt straff — ein Jahr im Voraus.