Heinsberg/Wassenberg: Zeugin hörte „schlimme Schreie“, die sie nie vergisst

Heinsberg/Wassenberg: Zeugin hörte „schlimme Schreie“, die sie nie vergisst

Die Vernehmung von zwei Zeuginnen stand im Mittelpunkt des fünften Verhandlungstages im Prozess gegen fünf mutmaßliche rechte Schläger und einen Vater, der seinem Sohn geholfen haben soll.

Am Freitag ging es um die Attacke gegen mehrere Flüchtlinge im Januar 2015 am Wassenberger Busbahnhof.

Alle Angeklagten waren dieses Mal erschienen, dafür fehlte eine dritte Zeugin, die ins Amtsgericht geladen war. Sie muss jetzt wegen ihres unentschuldigten Fernbleibens vom Prozess ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro (ersatzweise drei Tage Ordnungshaft) und die Kosten ihres Fernbleibens zahlen.

Ferner soll sie zum nächsten Termin am kommenden Montag, 4. April, polizeilich vorgeführt werden. Ein vierter Zeuge, der 16-jährige Bruder eines Angeklagten und zugleich Sohn des beschuldigten Vaters, verweigerte seine Aussage.

„Es waren schlimme Schreie, Hilferufe“, begann die erste Zeugin, eine 59-jährige Verkäuferin aus einem Getränkemarkt nahe des Busbahnhofs, ihre Schilderung. Sie sei mit ihrer Kollegin zum Rauchen vor dem Markt verabredet gewesen.

Als sie auf dem Weg nach draußen gewesen sei, hätte ihre Kollegin, wieder auf dem Weg ins Geschäft, ihr signalisiert, dass draußen etwas Schlimmes geschehe. Sie habe die Kollegin beauftragt, Polizei und Rettungsdienst zu verständigen und sei dann nach draußen gelaufen.

Drei Mal habe sie den Täter aufgefordert, aufzuhören. „Beim dritten Mal bin ich dann losgeflitzt!“ Als sie ihn gerade habe greifen wollen, sei er weggelaufen. „Es waren schreckliche Schreie, die Sie nicht vergessen“, sagte Brigitte T. der Richterin und den beiden Schöffen.

Es habe sich um einen Täter gehandelt, in einer weißen, glänzenden, sogenannten Bomberjacke, erklärte die Zeugin. Dieser habe einen am Boden liegenden Mann heftig gegen das Bein getreten. „Es war ein wildes Treten, ein besessenes Treten“, schilderte sie ihre Beobachtungen.

Schon einige Tage zuvor habe sie jemanden in genau dieser Jacke gesehen, der mit einem Baseballschläger einem Fahrradfahrer hinterhergelaufen sei.

Das Gesicht des Täters habe sie jedoch nicht gesehen, da er eine Kapuze getragen habe, so die 59-Jährige weiter. Gefragt, ob sie einen der Beklagten im Saal kenne, erklärte sie, zwei davon zu kennen, allerdings lediglich als Kunden im Geschäft.

In diesen beiden Punkten stimmten die Aussagen der beiden Verkäuferinnen überein, in vielen anderen allerdings nicht.

Charlene Z. (27), die inzwischen in Bad Oeynhausen lebt, betonte, dass ihre Kollegin als Erste hinausgelaufen sei, allerdings nur bis an die Hecke und nicht hindurch bis zum Tatort.

Von der Eingangstür aus habe sie einen großen Tumult gesehen, ein Gerangel von mehreren Menschen. Sechs bis acht müssten es gewesen sein, meinte sie. Die Hauptperson war aber auch für sie ein Täter mit einer schneeweißen Jacke.

Genau habe sie den Angriff hinter der Hecke nicht sehen können. Es habe jedoch für sie so ausgesehen, als habe dieser Täter auf eine am Boden liegende Person eingetreten. Der Attackierte habe seinen „Schmerz ausgeschrien“.

Die Person mit der weißen Jacke sei sehr aktiv gewesen, so die Zeugin weiter. Wie schon ihrer Kollegin zuvor legte die Richterin auch ihr zwei Fotos von in Frage kommenden Jacken vor. „Nein“, so auch diese Zeugin zu den dunklen und weiß-gemusterten Jacken auf den Fotos. „Die Jacke war komplett schneeweiß.“

Nach kurzer Zeit habe sich der Tumult dann aufgelöst, so Charlene Z. Dass es ausschließlich Männer gewesen seien, habe sie aufgrund der allesamt tiefen Stimmen vermutet. Auch seien alle gleich groß gewesen. „Aber ich habe alle immer nur von hinten gesehen.“

Weiter geht es im Prozess bereits am Montag, 4. April, dann am 8., 11. und 18. April jeweils um 9.30 Uhr sowie am 25. April um 11 Uhr.

(anna)
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