Würselen: Eichenprozessionsspinner breitet sich rasant aus

Eichenprozessionsspinner : Gefährliche Raupe breitet sich in Würselen rasant aus

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich im Würselener Stadtgebiet aus. Die Verwaltung ruft die Bevölkerung dringend dazu auf, die Nähe zu Stieleichen meiden.

Bei dem Insekt mit dem unnötig umständlichen Namen handelt es sich um eine Art aus der Ordnung der Schmetterlinge. Laien würden es wohl als Motte bezeichnen, denn es ist nachtaktiv und recht hässlich. Eine Gefahr ist das Tier aber vor seiner Verwandlung zum Schmetterling: Die Brennhaare der Raupe können gesundheitliche Probleme auslösen, vor allen Dingen Reizungen der Atemwege und allergische Reaktionen der Haut.

Wie mehrfach berichtet, schlägt sich Würselens Stadtverwaltung schon seit einigen Tagen mit dem Eichenprozessionsspinner herum. Vor genau einer Woche wurde ein großflächiger Befall von Stieleichen auf dem Friedhof St. Sebastian festgestellt, der daraufhin gesperrt werden musste. Am Dienstag dieser Woche teilte das Rathaus mit, dass das Insekt beseitigt werden konnte, das Thema schien erledigt. Tags darauf zeigte sich allerdings, dass das Problem doch deutlich größer ist als angenommen und auch deutlich größer als aus vorangegangenen Jahren bekannt: Sowohl an Stieleichen im Stadtgarten als auch auf dem Friedhof Morsbach wurden Raupen entdeckt. Die Konsequenz: Der Friedhof musste teilweise geschlossen werden, im Stadtgarten wurden betroffene Bereiche mit Flatterband abgesperrt.

Die Stadtverwaltung wirkte am Mittwoch erkennbar darum bemüht, einerseits keine Panik zu schüren, andererseits aber die vorhandenen Informationen möglichst breit zu streuen. Die neuen Funde führten dazu, dass die beiden Baumpfleger der Stadt den lieben, langen Mittwoch mit dem Fernglas durchs Stadtgebiet zogen, um die Stieleichen (auch Deutsche Eichen genannt) zu kontrollieren. Alle anderen Verwaltungsmitarbeiter, die dem Bereich der Gartenpflege zuzurechnen sind, wurden sensibilisiert, die Augen offen zu halten. Fündig wurde einer von ihnen später in der Tat auf dem Spielplatz Tellebenden, auch er ist bis auf Weiteres geschlossen.

Entwarnung für die Kirmes

Entwarnung konnte indes für Linden-Neusen gegeben werden, das mit Blick auf die Kirmes am Wochenende und den zu erwartenden Menschenauflauf als einer der ersten Orte kontrolliert worden war. Die dortigen Stieleichen präsentierten sich dem Besuch von der Stadt in tadellos eichenprozessionsspinnerfreiem Zustand.

Gnädigerweise beschränkt sich der Eichenprozessionsspinner mit seiner Aktivität auf genau diesen Baum, andere Eichen interessieren ihn nicht. Dennoch sagte Stadtsprecher Schaffrath am frühen Nachmittag: „Heute werden die Kollegen mit Sicherheit nicht mehr fertig.“ Es war auch gar nicht klar, wie viele Stieleichen es in Würselen überhaupt gibt, denn es wird kein Baumkataster geführt. Am Mittwochnachmittag – Stand: 15 Uhr – waren jedenfalls 32 Stieleichen mit Raupenbefall ausgemacht worden. Nicht eingerechnet sind die 25 Exemplare vom Friedhof St. Sebastian, die ja mittlerweile durch den Schädlingsbekämpfer befreit worden sind. Er wird den Viechern nun auch im Stadtgarten, auf dem Morsbacher Friedhof und am Spielplatz Tellebenden zu Leibe rücken. „Wegen des großflächigen Befalls kann die Beseitigung aber dauern“, so Schaffrath.

Dass die getroffenen Maßnahmen nicht übertrieben sind, kann man übrigens in Mülheim an der Ruhr aus ganz aktueller Erfahrung heraus bestätigen. Wie die Deutsche Presse-Agentur just am Mittwoch meldete, klagten dort im Rahmen eines Sportfests neun Kinder über Kreislaufbeschwerden, Atemnot und Hautreizungen. Sie ahnen, wer als Übeltäter ausgemacht wurde: der Eichenprozessionsspinner.

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