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Aachen: Zugabe statt Abgabe

Aachen : Zugabe statt Abgabe

„Eine zwiespältige Bilanz” nennen die Verantwortlichen des Arbeitsamts Aachen ihre am Donnerstag präsentierte Statistik zum Ausbildungsmarkt.

„Die Situation ist nicht total entspannt. Aber wir werden es bis zum Ende des Jahres schaffen, die noch suchenden Bewerber mit einem Angebot zu bedienen”, sagt Leiterin Gabriele Hilger.

Und fügt - rückblickend auf die erheblichen Anstrengungen, die zur Einwerbung von Lehrstellen vonnöten waren - ein zweites Aber hinzu: „Irgendwann muss das Ganze mal in einen vernünftigen Prozess reinrollen.” Bewegung in die Wirtschaft bringen, das können die Vermittler nicht.

4508 Ausbildungsstellen wurden dem Arbeitsamt vom 1. Oktober 2002 bis zum Stichtag, dem 30. September dieses Jahres, gemeldet - 18 Prozent weniger als im Vorjahr. „Keine sehr erfreuliche Bilanz”, nennt das Arbeitsamtsleiterin Gabriele Hilger.

Tröstlich sei da nur, dass es Anfang des Jahres „ganz düster” ausgesehen habe - mit einem Minus von doppelter Größe. Dank einer „intensiven Kooperation aller Akteure auf dem Ausbildungsmarkt” habe man eine „kontinuierliche Aufwärtsbewegung” erreichen können.

Einer dieser wichtigen Partner ist die Industrie und Handelskammer. Deren Geschäftsführer Heinz Gehlen zeigt sich dann auch gleich „entspannt wie bei noch keiner Besprechung zu diesem Thema in diesem Jahr”.

Denn: Der Ausbildungsmarkt habe sich „wirklich entspannt”. Und Arend Katterbach, Geschäftsführer des zweiten wichtigen Arbeitsamt-Partners, der Handwerkskammer Aachen, pflichtet ihm bei.

Zwar könne er „noch nicht konkret sagen”, wie viele Lehrverträge abgeschlossen wurden, da aufgrund der späten Ferien die Verträge auch spät an die Kammern gingen.

Doch die Situation sei „nicht so dramatisch wie zu Anfang des Jahres”. Wenngleich es noch viel zu tun gebe. So hätten etwa die „zahlreichen neuen Ausbildungsordnungen viele Betriebe verunsichert”. Hier sei „noch Beratungsarbeit zu leisten”.

Wie viele junge Menschen suchen denn nun noch eine Lehrstelle? Laut Arbeitsamtsstatistik sind dies 164. Und diesen stehen 314 offene Stellen gegenüber. Dann ist der Markt also in Ordnung? Dann müssen die Bewerber „nur” Abstriche bei ihren Berufswünschen machen?

Kann ja nicht jeder - wie derzeit beliebt - Büro-, Einzelhandels-, Industriekaufmann, -frau oder Friseur werden... Nein, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Denn die 164 Bewerber sind die, die das Arbeitsamt bislang nicht vermitteln konnte. Ans Arbeitsamt wandten sich zwecks Vermittlung im Jahreszeitraum insgesamt 5368 Jugendliche.

Das sind wiederum 860 mehr, als es gemeldete Ausbildungsstellen gab. Subtrahiert man von diesen die 164 noch Suchenden, dann bleiben 696. Und wo sind die in der Statistik geblieben? Herausgefallen sind sie.

Manche studierten, manche besuchten weiterführende Schulen, manche hätten auf Eigeninitiative eine Ausbildung gefunden - erklären die Arbeitsamtsvertreter. Das lasse sich nicht nachvollziehen, es gebe schließlich keine Meldepflicht, sagt Amtsleiterin Hilger. Und das sei auch gut so.

Und dennoch bleibt es eine Krux: Denn niemand weiß, wie viele Jugendliche tatsächlich eine Ausbildung suchen, wie viele den Gang zum Arbeitsamt aufgegeben haben.

IHK-Geschäftsführer Gehlen weiß dafür, was nun, wo die Zahlen veröffentlicht sind - passiert: „Jetzt kommt der politische Showdown um diese Angelegenheit.” Oder: Kommt die Ausbildungsabgabe?

In Aachen jedenfalls kommt die Ausbildungszugabe: Wer einem der 164 vom Arbeitsamt bislang nicht vermittelten Jugendlichen eine Lehrstelle bietet, erhält 1500 Euro aus dem Etat für marktpolitische Maßnahmen.