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Aachen: Zentis plant Revolution im Yoghurt-Topf

Aachen : Zentis plant Revolution im Yoghurt-Topf

Zwei Jahre dauerten die Entwicklungsarbeiten. Rund zwölf Millionen Euro wurden investiert, und im Frühsommer sollen die ersten Produkte in den Regalen des Handels stehen.

Wenn Zentis- Geschäftsführer Karl-Heinz Johnen von den neuen Fruchtzubereitungen seines Hauses spricht, gerät er ins Schwärmen: „Unsere Entwicklung wird den Markt für Frucht-Yoghurt revolutionieren, weil sie dem Wunsch nach natürlichen Lebensmitteln entspricht”, hofft er.

Gemeint sind zwei Innovationen - „Fresh Fruits” und die „Ultra Fruits” -, die einen viel größeren Fruchtgenuß bieten sollen. Beide Produkte bestehen zu 75 Prozent aus Fruchtstücken, die durch eine neue und schonendere Verfahrenstechnik haltbar gemacht werden. Die Fruchtmasse wird abfüllfertig an die Molkereien geliefert.

In den Gefäßen wird die Fruchtzubereitung durch eine neutralisierende Schicht vom Yoghurt getrennt und erst zum Verzehr gemischt. Die thermisch unbehandelte „Fresh Fruits”-Zubereitung ist 14 Tage haltbar, bei den „Ultra Fruit” sind es 30 Tage.

Mit einer Jahresproduktion von 7500 Tonnen Fruchtzubereitung will Produktionsgeschäftsführer Dietmar Otte auf zwei Fertigungslinien jetzt an den Start gehen. Das ist angesichts einer Gesamtproduktion von 190.000 Jahrestonnen allein in Aachen noch recht bescheiden. Die Innovation, mit der „neue Aroma-Maßstäbe bei Molkereiprodukten” gesetzt werden soll, kann Zentis dem erklärten Ziel näher bringen, in fünf Jahren weltweit Marktführer bei Fruchtzubereitungen zu werden.

Eine zusätzlicher wichtiger Baustein dafür sei die weitere Internationalisierung des Geschäfts, erläutert Johnen in einem Gespräch. Seit 1995 werden Fruchtzubereitungen im polnischen Zelków und seit dem 1. Januar 2000 auch in Drégelypalánk in Ungarn produziert.

Den Sprung über den Atlantik wagte Zentis im vergangenen Jahr: Seit Oktober produziert das Unternehmen in Plymouth, im US-Bundesstaat Indiana, mit zunächst 70 Mitarbeitern auf zwei Linien Fruchtzubereitungen für die Molkereibranche. In diesem Jahr kommen für eine Fertigung von 15.000 bis 20.000 Tonnen noch zwei Fertigungsstraßen hinzu.

„Mit rund 110 Mitarbeitern wird die Zentis Food Solution Northamerica LCC dann in fünf Jahren 45.000 bis 50.000 Jahrestonnen liefern”, erwartet Johnen. Das ist in etwa die Produktionsmenge des polnischen Werks. Die Investitionssumme beziffert der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Stephan Jansen mit rund 24 Millionen Euro.

„Ohne das Werk in Polen wäre der Einstieg im US-Markt nicht möglich gewesen”, erläutert Jansen. Die Gewinne des Werks in Zelków wurden in den letzten Jahren thesauriert und in das US-Werk gesteckt, das auf Wachstum ausgelegt ist.

Denn nach Johnens Beobachtung kommen die Amerikaner erst jetzt richtig auf den Yoghurt-Geschmack: Während der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr in Europa bei zwölf Kilogramm liegt, verzehren die Amerikaner erst 3,5 Kilogramm. „Die Kombination von Milch und Frucht ist weltweit auf der Überholspur und verspricht ein langfristiges Wachstum”, freut sich Johnen.

Für das Stammwerk in Aachen habe sich die Internationalisierung nicht nachteilig ausgewirkt. Im Gegenteil: Aachen sei als Zentrale für die Bereiche Forschung und Entwicklung, Verfahrenstechnik und Controlling gestärkt worden.

Zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf das Industriegeschäft mit Fruchtzubereitung, zehn Prozent machen die Süßwaren aus, wo Zentis mit Marzipan Platz zwei in Deutschland belegt.

Auch bei der Konfitüre kann Zentis einen Rekord aufweisen: Als Aldi-Lieferant sind die Aachener bereits Deutschland größter Hersteller von Bio-Konfitüre.