Aachen/Gießen: Wo die Forscher im „Krieg der Käfer“ gewinnen wollen

Aachen/Gießen: Wo die Forscher im „Krieg der Käfer“ gewinnen wollen

Im „Krieg der Käfer“ kann der Mensch nur gewinnen. Wenn asiatische Marienkäfer unsere heimischen Artgenosen bekämpfen, dann setzen sie eine Art biologischen Kampfstoff ein — und der könnte sogar Malaria- und Tuberkoloseerreger töten.

Für diese Forschung in der Welt der Insekten entsteht in Gießen ein neues Zentrum für Insektenbiotechnologie. Unter der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlichökonomischer Exzellenz (LOEWE) wird für dort für insgesamt 66 Millionen Euro von Land und Bund dort gebaut — und dann eben geforscht.

Das Zentrum bündelt die Kompetenzen des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME, der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen, wobei die maßgeblischen Wegbereiter in Aachen sitzen: Das hiesige Fraunhofer IME hat große erfahrung in der Isolation von Wirkstoffen aus anderen Systemen, Aachens Leiter Professor Rainer Fischer wird auch in Gießen Verantwortung tragen, eine Zusammenarbeit zwischen Gießen und Aachen ist geplant.

„Wir am Fraunhofer IME sehen in dem neuen LOEWE-Zentrum eine ideale Ergänzung unserer Forschungsaktivitäten an der Schnittstelle der Molekularbiologie und angewandten Ökologie“, erklärt Fischer. Die Insektenbiotechnologie nutzt Insekten beziehungsweise ihre Organe, Zellen und Moleküle um neue Wirkstoffe für therapeutische oder diagnostische Zwecke zu gewinnen. Für die Wissenschaftler bieten die vielseitigen Organismen einen reichhaltigen Fundus, in dem sie gezielt neue Wirkstoffe entdecken und für vielfältige Einsatzzwecke modifizieren können.

Die Disziplin eröffnet für Human- und Tiermedizin sowie für den Agrar- und Ernährungssektor vielversprechende Möglichkeiten: So sollen etwa neue Enzyme und Aromastoffe aus Insekten in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Zudem entwickeln die Forscher in Gießen Methoden für die umweltschonende Bekämpfung von Insektenarten, die große wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft verursachen oder Krankheiten wie Malaria und Dengue übertragen. Global betrachtet, heißt es von Fraunhofer-Seite, gelten Insekten mit über einer Million bekannter Arten als die erfolgreichste Organismengruppe. Ihre biologische Vielfalt spiegele sich in Artenreichtum und auf Molekülebene wider. Die Marienkäfer sind ein gutes Beispiel.

(tka)
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