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Landgraaf: „Wir wollen Marktführer in Deutschland werden”

Landgraaf : „Wir wollen Marktführer in Deutschland werden”

Die Euregio als Ideenschmiede: der Deutsche Gründerpreis liefert den Beweis.

Der Gründer der in Landgraaf ansässigen Internetapotheke DocMorris, Ralf Däinghaus, gewann den Preis in der Kategorie „Visionär”; die Aachener Puron AG, die Technologie zur Wasseraufarbeitung vertreibt, war in der Kategorie „Konzept” nominiert.

Die AZ-Redakteure Hermann-Josef Delonge und Peter Sellung sprachen am Mittwoch mit Däinghaus und dem Puron-Vorstand Klaus Voßenkaul.

Nein, als Visionär sieht sich Ralf Däinghaus nun wirklich nicht, auch wenn ihm der Gründerpreis just in dieser Kategorie verliehen wurde.

Viel lieber spricht er davon, eine Idee handwerklich gut umgesetzt zu haben. Und diese Idee ist der Versand von Medikamenten, die die Kunden bei seiner Firma 0800DocMorris per Internet bestellen können.

Dass damit ein Unternehmen in Deutschland geehrt wird, das sich wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den Niederlanden, genauer: in Landgraaf, ansiedeln musste, ist für Däinghaus kein Widerspruch: „Wir haben bewiesen, dass wir unsere Geschäftsidee gegen alle Widerstände durchgesetzt haben und dass wir damit etwas verändert haben. Genau das hat die Jury überzeugt.”

Seit Juni 2000 ist DocMorris am Markt und hat sich seitdem vielen Anfeindungen ausgesetzt gesehen. Am Europäischen Gerichtshof ist derzeit eine Klage des Apothekerverbands gegen den Versandhandel von Arzneien anhängig. Denn trotz des nationalen Verbots macht die Internetapotheke ihr größtes Geschäft mit deutschen Kunden.

Das Urteil wird in den nächsten Monaten erwartet; schon jetzt deutet alles darauf hin, dass die Klage abgewiesen und der grenzüberschreitende Versandhandel erlaubt wird.

Für Däinghaus eine Bestätigung seines Konzepts. Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und die Krankenkassen haben sich immer für den Internethandel von Arzneien ausgesprochen. Sie versprechen sich Einsparungen in Milliardenhöhe.

Der Union hingegen geht das zu weit. Sprengstoff für die Konsensgespräche zur Gesundheitsreform? Däinghaus ist optimistisch: „Auch in der Union gibt es Politiker, die den Vorteil erkannt haben. Wir sind kostengünstig und diskret - und wir sind in der Lage, alle Sicherheitsstandards einzuhalten.”

Der 36-Jährige geht davon aus, dass es einen Konsens zwischen Regierung und Union in Sachen Gesundheit geben wird - und dass der Versandhandel von Medikamenten auch national erlaubt wird.

Und wenn nicht? „Dann wird es die paradoxe Situation geben, dass der Europäische Gerichtshof den internationalen Handel erlaubt. Wir könnten dann so weiter arbeiten wie bisher. Die deutschen Politiker müssten dann allerdings die Verantwortung für diese Wettbewerbsverzerrung übernehmen.”

Ein Umzug nach Deutschland, mit dem das Unternehmen liebäugelt, wäre damit allerdings vom Tisch.

160 Mitarbeiter sind derzeit bei DocMorris beschäftigt. Im vergangenen Jahr machte die Firma einen Umsatz von 25 Millionen Euro, der sich laut Däinghaus in diesem Jahr verdoppeln soll. Tendenz steigend: Mit Medikamenten werden in Deutschland jährlich rund 30 Milliarden Euro umgesetzt.

Däinghaus sagt dem Versandhandel ein Potenzial von bis zu acht Prozent dieses Umsatzes voraus. „In diesem Segment wollen wir in spätestens zehn Jahren in Deutschland Marktführer sein.” Das nennt man wohl eine Erfolgsstory.