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Jülicher Unternehmen gewinnt „AC2-Innovationspreis“: „Wir wollen den Wandel aktiv gestalten“

Jülicher Unternehmen gewinnt „AC2-Innovationspreis“ : „Wir wollen den Wandel aktiv gestalten“

Die Nproxx Jülich GmbH hat Hochdruckspeicher aus Carbonfasern zur gasförmigen Wasserstoffspeicherung entwickelt. Dafür wurde das Unternehmen jetzt mit dem „AC2-Innovationspreis Region Aachen 2020“ ausgezeichnet.

Nachdem die jährliche AC2-Preisverleihung, die normalerweise im Krönungssaal des Aachener Rathauses stattfindet, aufgrund der Corona-Beschränkungen mehrfach verschoben werden musste, stand jetzt der Sieger des „AC2-Innovationspreis Region Aachen“ im digitalen Rampenlicht. „Die Mobilität der Zukunft hat begonnen und unsere Region ist ganz vorne mit dabei“, sagte Rainer vor dem Esche, Geschäftsführer der Nproxx Jülich GmbH, die für die Entwicklung von Hochdruckspeichern aus Carbonfasern zur gasförmigen Wasserstoffspeicherung ausgezeichnet wurde.

Der Preis wird von der Stadt Aachen, der StädteRegion Aachen und den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg ausgelobt. Die Koordination des gesamten Prozesses erfolgt durch die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer mbH (Agit). „Die Region steht im Zuge der Energiewende und des Ausstiegs aus der Kohleförderung vor einem tiefgreifenden Wandel. Nproxx möchte helfen, diesen Wandel positiv im Sinne von Innovation und Klimaschutz aktiv zu gestalten“, führte der Landrat des Kreises Euskirchen und diesjähriger Juryvorsitzender, Markus Ramers, in seiner Laudatio aus. „Wir verstehen uns als Teil der innovationsstarken Technologieregion Aachen“, betonte vor dem Esche im Rahmen der Online-Veranstaltung am Dienstagabend.

Nproxx wurde 2018 als Spin-off des in Jülich ansässigen Technologieunternehmens ETC gegründet und ist ein führendes Unternehmen für die Speicherung von Wasserstoff: Rund 50 Spezialisten arbeiten hier an leichten, hochfesten, aus Carbonfasern hergestellten Druckbehältern, die zu Zwecken von Speicherung und Transport sowie als Tanks in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. „Aktuell bauen wir unsere Fertigungskapazitäten aus, um die wachsende Nachfrage zu bedienen“, so der Geschäftsführer. Eine Bustankstelle im Rheinland nutze bereits ein Speichersystem von Nproxx, um Busse mit Wasserstoff zu betanken. „Innerhalb von zehn Minuten ist der Bus vollgetankt und verfügt dann über eine Reichweite von 350 Kilometern. Dabei erzeugt er nur eine einzige Emission: Wasser.“

Gründerpreis an Mindmotiv

Im Rahmen der AC2-Preisverleihung, moderiert von Bernd Büttgens, wurden auch die Gewinner von „AC2 – der Gründungswettbewerb“ und „AC2 – die Wachstumsinitiative“ vor zahlreichen Online-Teilnehmern gekürt. Den mit 10.000 Euro dotierten Gründerpreis gewann die Mindmotiv GmbH, hinter der Florian Göbe, Philip Mayer, Norbert Wiechowski und Norman Hansen stehen. Das Spin-off der RWTH Aachen ist spezialisiert auf das Testen und die Qualitätssicherung eingebetteter Systeme, beispielsweise in Industrieanlagen oder Medizinprodukten. 2019 erhielten die Aachener bereits den „RWTH Spin-off award“.

Den zweiten Platz (7.500 Euro) konnte sich die FibreCoat GmbH sichern. Das Gründerteam vertreibt Hochleistungsverbundfasern, die durch eine patentierte Technologie hergestellt werden. Seit Oktober läuft die Produktion von ersten Mustern, noch bis Ende des Jahres sollen erste Serien für den Einsatz im Bau- und Automobilbereich an den Start gehen.

Den dritten Platz (5000 Euro) belegte Gründerin Sylvia Carola Schuster mit Projektitekt: Mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung unterstützt sie jetzt Architektur- und Planungsbüros bei komplexen Bauprojekten durch eine Verbesserung der Büro- und Planungsabläufe, indem sie digitale Werkzeuge und Methoden des Projektmanagements einsetzt.

Wachstumspreis an Fibrothelium

Bei den Wachstumsplänen lag die Fibrothelium GmbH mit Geschäftsführer Marius Köpf ganz vorne: Der erste Preis und damit 5.000 Euro gingen an das junge Unternehmen im Triwo Technopark Aachen, das sich auf die Herstellung von Proteinlösungen aus natürlicher Seide spezialisiert hat. Die erklärte Mission: das enorme Potenzial der Seide zu nutzen und daraus innovative, resorbierbare Implantate herzustellen. Das patentierte Verfahren soll jetzt verstärkt in die Anwendung überführt werden.

Mit dem zweiten Platz (2500 Euro) wurde die Fahrschule Cornelia Schiefer GmbH ausgezeichnet. 2011 von Cornelia Schiefer und Shirin Hadji-Abbassi gegründet, ist der Schwerpunkt des Unternehmens die Fahrausbildung für Menschen mit Behinderung. Die mittlerweile größte inklusive Fahrschule in NRW beschäftigt 22 Mitarbeiter in sechs Filialen. Ihre AC2-Wachstumspläne: weitere Standorte, eigene Ausbildung und ein Handicap-Motorradführerschein in der Klasse A. Den dritten Platz (1000 Euro) in der Wachstumsinitiative belegten die strahlenden Gewinner Rolf und Christiane Reinartz, die vor genau einer Woche mit dem Café Erftgold in Bad Münstereifel ihr zweites Geschäft eröffneten. Das neue Konzept: „Genuss in jede Richtung“.