25 Jahre Tema AG: „Wir können das“, heißt die Devise

25 Jahre Tema AG : „Wir können das“, heißt die Devise

Es dürfte nicht viele Unternehmen in der Region geben, in denen mehr Fremdsprachen gesprochen werden als bei der Tema AG, nämlich 25: Arabisch, Bulgarisch und Niederländisch. Japanisch, Portugiesisch und Schwedisch. Russisch? Chinesisch und Koreanisch? Geht auch.

Die Bandbreite der Qualifikationen der Mitarbeiter ist so vielfältig wie das Leistungsspektrum: Ingenieure und Werber, Grafiker und Naturwissenschaftler, Betriebswirte und Informatiker, Journalisten und Fotografen entwickeln in der Aachener Zentrale Webauftritte, betreuen Messepräsentationen, organisieren Fachkongresse oder zeigen ihren Kunden, was sich mit neuen Technologien wie Augmented Reality oder Virtual Reality so alles machen lässt.

Günter Bleimann-Gather hat Mathematik und Physik studiert, „was nicht so ganz typisch ist für eine Marketinglaufbahn“, sagt er schmunzelnd. Schon während des Studiums an der Aachener RWTH und dem CERN in Genf interessierte sich der promovierte Mathematiker für Informatik – „ein Fach, das es so eigentlich noch gar nicht gab“. Nach der Promotion startete Bleimann-Gather seine Karriere beim Aachener Softwarehaus GEI. Anfangs waren es nur ein paar Fachartikel, aber „schwubbdiwubb war ich zu 100 Prozent für Marketing zuständig.“

Nach zehn Jahren und einer Zwischenstation bei der Aachener Parsytec wagte Bleimann-Gather 1994 den Sprung in die Selbstständigkeit. Der Dachboden seines Hauses an der Aachener Junckerstraße wurde erster Firmensitz. „Ich habe einfach unten ein Schild an unsere Tür gepappt: Tema“, erinnert sich Bleimann-Gather, der mit der Namensschöpfung aus Technologie und Marketing vorgab, in welche Richtung die Reise gehen sollte. Nämlich „das Wissen um Innovationen und Märkte so fassen, dass es in den richtigen Köpfen das meiste bewirkt“, wie es heute im Internetauftritt des Unternehmens heißt.

Peking, Chicago, Paris

Tema sollte schnell Tempo aufnehmen. Noch im Gründungsjahr stellte Bleimann-Gather mit dem Kongress „Zukunft aus Aachen“ eine vielbeachtete Präsentation der heimischen Hightech-Szene auf die Beine. Erster Großkunde des jungen Start-ups war ein US-Konzern, der auf den europäischen Markt drängte und eine internationale Marketingagentur suchte. International? „Das können wir“, sagte Bleimann-Gather selbstbewusst und heuerte erst einmal englisch- und französischsprachige Mitarbeiter an.

Bald platzte das Haus aus allen Nähten, Bleimann-Gather und seine Leute zogen um in die Theaterstraße. Die Zahl der Aufträge und Projekte wuchs und wuchs. Als ein Kunde fragte, ob Tema ihn auch in China vertreten könne, sagte Bleimann-Gather wieder: „Natürlich können wir das“. So haben die Aachener schon seit 2002 eine Repräsentanz in Peking, neben Vertretungen in Chicago, Paris, Berlin, Dortmund und Stuttgart. „Das Internationale ist bei uns ganz tief verwurzelt“, sagt Bleimann-Gather „Gerade in den wirtschaftlich bedeutenden Volumenmärkten sind wir mit Mitarbeitern vertreten, die dort groß geworden sind und die Kultur kennen.“

Tema übersetze die Botschaften und Stärken eines Unternehmens so, dass sie auf einem Messestand in Shanghai oder Chengdu verstanden werden. In zahlreichen Ländern von Russland über Japan bis China erscheinen heute Fachpublikationen aus dem Haus Tema.

Wie schwierig ist es in Zeiten des Fachkräftemangels, gute Köpfe ins Unternehmen zu holen? „Der Standort Aachen mit seiner Nähe zu Belgien und den Niederlanden ist für uns genauso wichtig wie die Nähe zur RWTH“, sagt Bleimann-Gather. Nachwuchs aus aller Welt komme nicht selten direkt von den Hochschulen, oder es sind Lebenspartner von Doktoranden, die an der Aachener Uni arbeiten. „Man kann in Aachen aus dem technischen Wissen und den vielen Kulturen schöpfen.“ Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre es was? „Einen Flughafen“, antwortet der Tema-Chef. Was aber nicht ganz ernst gemeint ist.

Wie geht es weiter? „Unser Ziel ist auf jeden Fall, weiter zu expandieren“, sagt Bleimann-Gather. Mit neuen Kunden und mit neuen Ideen. So entstand etwa die erfolgreiche Jobbörse „Nacht der Unternehmen“, die Hochschulabsolventen mit regionalen mittelständischen Arbeitgebern aus der Euregio zusammenbringt und mittlerweile seit zehn Jahren auch in Stuttgart erfolgreich läuft. Oder in Kooperation mit der RWTH ein Verein, um im Bereich Virtual Reality Kunden zu gewinnen und sich auszutauschen.

Oder sie entwickeln, mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums ein Lernprogramm für Menschen, die nach einem Schlaganfall einen Teil ihres Sprachvermögens verloren haben. Damit kann der Patient auf einem Tablet-Computer selbstständig üben, eine Sprachsoftware erkennt die Antworten und korrigiert, falls nötig. So kann die Technik die Arbeit der Logopäden unterstützen, der die Fortschritte des Patienten online verfolgen kann. „Bei unserer Gründung gab es noch kein Internet“, sagt Bleimann-Gather. „Mein Mobiltelefon hatte 30 Zentimeter Höhe.“ In den Anfangsjahren der Tema AG war Marketing ganz und gar analog.

70 Prozent sind digital

Heute, 25 Jahre später, spielen sich 70 Prozent der Unternehmensaktivitäten in der digitalen Welt ab – Tendenz steigend. „Nicht wenige Kunden sagen: Gedruckte Informationen interessieren uns nicht. Wir wollen sehen, was auf Internetforen, in Blogs oder auf Social-Media-Kanälen passiert.“ Der direkte Austausch zwischen Menschen bleibe wichtig, ist der Tema-Chef überzeugt. „Messen wird es wohl auch in 100 Jahren noch geben.“ Die Kommunikation und Organisation rund um diese Veranstaltungen aber läuft digital ab.

Was macht Tema in 25 Jahren? „Die Themen Bionik und Lebenswissenschaften könnten gut der nächste große Hype werden“, vermutet Bleimann-Gather. Durch Film, 3D und Virtual Reality tauchten die Menschen immer tiefer in imaginäre Welten ein. „Und wer weiß“, wagt der Tema-Chef eine Vision, „vielleicht beamt uns in Zukunft ein kleiner Chip im Kopf dorthin.“

Eine spannende Vorstellung. Nicht nur für Marketing-Experten.

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