Interview mit Medienhaus-Geschäftsführer Andreas Müller: „Wir haben viel mehr als Zeitungen zu bieten“

Interview mit Medienhaus-Geschäftsführer Andreas Müller : „Wir haben viel mehr als Zeitungen zu bieten“

Die Zeitungsverlag Aachen GmbH heißt nun Medienhaus Aachen GmbH. Geschäftsführer Andreas Müller erklärt, was dahinter steckt und wie sich das Unternehmen neu aufstellt.

50 Jahre alt wäre die Zeitungsverlag Aachen GmbH im kommenden Jahr geworden. Doch diesen Geburtstag wird der Verlag, in dem die „Aachener Zeitung“ und die „Aachener Nachrichten“ mit ihren Lokalausgaben erscheinen, nicht mehr erleben. Denn kurz vor Weihnachten wurde aus der Zeitungsverlag Aachen GmbH die Medienhaus Aachen GmbH. Über die Hintergründe dieser Umfirmierung spricht Geschäftsführer Andreas Müller im Interview.

Aus der Zeitungsverlag Aachen GmbH wird die Medienhaus Aachen GmbH. Was bedeutet das?

Andreas Müller: Wir haben unserer Firma einen neuen Namen gegeben. Einen Namen, in dem sich der Zweck des Unternehmens wiederfindet. Als die Zeitungsverlag Aachen GmbH durch die Eigentümer der damaligen Aachener Volkszeitung gegründet wurde, da gab es nur ein Geschäftsfeld – die Zeitungen. Mittlerweile steht unser Unternehmen jedoch für viele andere Medien und mediennahe Dienstleistungen. Neben den Tageszeitungen verlegen wir erfolgreiche Anzeigenblätter und Magazine. Wir sind an den lokalen Radiosendern beteiligt. Wir organisieren Veranstaltungen aller Art. Wir stellen Briefe und Pakete zu. Hinzu kommen attraktive digitale Angebote wie unsere Nachrichtenportale oder das Gutschein-Portal „Oecher Deal“. Alles das haben wir bereits vor einigen Jahren unter der Dachmarke Medienhaus Aachen zusammengefasst.

Und warum ist es nicht bei der Dachmarke geblieben?

Müller: Immer häufiger ist es seit Schaffung der Dachmarke vorgekommen, dass unsere Kunden die Dachmarke mit der Zeitungsverlag Aachen GmbH gleichgesetzt haben. Als wir vor gut einem Jahr begonnen haben, eine neue Unternehmensstruktur zu planen, haben wir auch die Frage der Änderung des Unternehmensnamens diskutiert. Wir waren uns schnell einig: Wenn wir deutlich mehr als Zeitungen zu bieten haben, dann sollten wir das auch mit einem neuen Firmennamen deutlich machen.

Was haben Sie außer dem Firmennamen der Zeitungsverlag Aachen GmbH noch geändert?

Müller: Wir haben eine Reihe von kleineren Tochterfirmen aufgelöst. Damit wollten wir uns unter anderem Verwaltungskosten sparen und interne Aufwände reduzieren. Wir haben dazu Gesellschaften, die ähnliche Tätigkeitsfelder haben, miteinander verschmolzen und teilweise unter einem neuen Namen zusammengeführt. Es wird noch einige Monate dauern, bis diese Prozesse abgeschlossen sind.

Auf diesem Weg werden Firmen wie die Servicecenter Zeitungsverlag Aachen GmbH, die ZVA Digital GmbH, die Mediateam Euregio GmbH oder die Print’n’Press Verlag GmbH verschwinden – und neue Firmen entstehen. Der gesamte Verkauf von Werbeleistungen ist künftig in der Medienhaus Aachen Sales & Service GmbH gebündelt, der Kundendienst der Tageszeitungen in der Medienhaus Aachen Dialog GmbH. Und die Erstellung unserer journalistischen Inhalte für die verschiedenen Produkte findet zum größten Teil in der Medienhaus Aachen Content GmbH statt. Damit machen wir deutlich, dass diese Firmen zusammengehören.

„Wir setzen zunehmend auch auf digitale Angebote. Sie sind unsere Zukunft“: Andreas Müller, Geschäftsführer des Medienhauses ­Aachen. Foto: Medienhaus Aachen/HARALD KROEMER

Was ändert sich für die Kunden?

Müller: Nur der Name des Partnerunternehmens, der Absender in der Kommunikation. Alle mit der Zeitungsverlag Aachen GmbH geschlossenen Vereinbarungen gelten auch für die Medienhaus Aachen GmbH. Es wurde nur der Name geändert. Das war kein großer juristischer Akt.

Beerdigen wir mit der Umbenennung nun unser Zeitungsgeschäft?

Müller: Nein. Keinesfalls. Zeitungen sind wichtige Medien. Sie werden immer zum Angebot eines Medienhauses gehören. Gedruckte Zeitungen sind allerdings eine Mediengattung, die immer weniger von den Menschen nachgefragt wird. Unsere Druckauflagen gehen stetig zurück. Deshalb setzen wir zunehmend auch auf digitale Angebote. Sie sind unsere Zukunft. In Summe erreichen wir mit unseren Medien heute mehr Menschen als je zuvor. Eben nur nicht mehr allein mit Print-Medien.

Dennoch bekennen wir uns ausdrücklich auch weiter zu Print-Medien. Die Druckerei und der dazugehörige Versandraum nebst unserer Zustellorganisationen für gedruckte Tageszeitungen und Anzeigenblätter werden weiterhin wichtige Säulen unseres Medienhauses sein. Wir werden in diesem Bereich im kommenden Jahr sogar noch einmal mehrere Millionen Euro in eine neue Versandlinie investieren, um technisch auf dem neuesten Stand zu sein.

In Zeiten, in denen überall vom Untergang der gedruckten Zeitung die Rede ist, klingt das nach einem eindeutigen Bekenntnis zur gedruckten Zeitung …

Müller: Ja, das ist es auch. Dennoch sollte man nicht das größte Problem der gedruckten Zeitung ausblenden: die Zustellung. Die Zustellung bereitet uns immer größere Sorgen. In einigen Regionen haben wir in den vergangenen Monaten die Geduld unserer Kunden durch Ausfälle übermäßig strapaziert. Die Kosten in der Zeitungszustellung steigen rasant. Zum einen durch gesetzliche Vorgaben. Zum anderen dadurch, dass durch rückläufige Auflagenzahlen die Stückkosten in der Zustellung steigen. Wenn das so weiter geht, werden wir auch in unserer Region die flächendeckende Zeitungszustellung nicht mehr garantieren können. Es wird zudem immer schwieriger, Menschen zu finden, die bei Wind, Wetter und Dunkelheit dafür sorgen, dass die Zeitung pünktlich im Briefkasten steckt.

Was unternimmt das Medienhaus Aachen, um in der digitalen Welt zukunftsfähig zu sein?

Müller: Für uns ist es letztendlich egal, ob wir die Menschen über Print-Produkte oder Digital-Angebote erreichen. Die Basis unseres Hauses ist der Journalismus. Wir leben davon, dass wir in einer zunehmend komplexer werdenden Welt unseren Kunden durch verlässliche Informationen Orientierung bieten. Und wir wissen, dass die Menschen auch im Internet bereit sind, für journalistische Beiträge zu bezahlen, wenn diese Beiträge sauber recherchiert und handwerklich solide aufgearbeitet ihr Informationsbedürfnis befriedigen.

Wir haben dazu unsere Redaktionsstrukturen im gesamten Medienhaus neu aufgearbeitet. Seit mehreren Jahren sind wir dabei, unsere Mitarbeiter für die Zukunft fit zu machen. Aktuell bauen wir neue Datenbanken auf, die uns helfen werden, sehr genau zu erkennen, welche Informationen von unseren Kunden gewünscht werden. So können wir ihnen dann auf ihre Bedürfnisse maßgeschneiderte Angebote unterbreiten.

Aus der Zeitungsverlag Aachen GmbH wurde nun die Medienhaus Aachen GmbH. Es soll aber nicht nur beim neuen Namen bleiben …

Müller: Nein, denn wir beginnen im kommenden Jahr auch mit dem Bau eines neuen Medienhauses. Auf dem Parkplatz vor dem heutigen Verlagsgebäude werden wir ein neues Gebäude errichten, welches unseren Journalisten, Kaufleuten und Technikern modernste Arbeitsbedingungen bieten wird. Wir haben lange überlegt, ob wir das alte, schon etwas in die Jahre gekommene Verlagshaus in der Dresdener Straße sanieren oder besser einen Neubau errichten. Sowohl wirtschaftlich als auch strategisch erwies sich der Neubau als die bessere Lösung.

Wo soll das Unternehmen Medienhaus Aachen in zehn Jahren stehen?

Müller: Da, wo es in den vergangenen Jahrzehnten auch gestanden hat. Ganz nah bei den Menschen in der Region Aachen-Heinsberg-Düren. Als täglicher Begleiter. Als Lieferant verlässlicher Informationen. Als eine Einrichtung, die die Menschen zusammenbringt, um unser freiheitlich-demokratisches System zu stärken.