Veranstaltung in Aachen: Wie Inklusion im Betrieb klappt

Veranstaltung in Aachen : Wie Inklusion im Betrieb klappt

Bei einer Informationsveranstaltung für Arbeitgeber ging es darum, wie Inklusion im Unternehmen funktionieren kann. Eine Erkenntnis lautete: „Es gibt keinen Arbeitsplatz, für es nicht den passenden Schwerbehinderten gibt.“

„Es muss passen – mit oder ohne Behinderung.“ Dieser Satz von Christoph Bayer, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, machte deutlich, worum es geht. Zweifelsohne können Menschen mit Schwerbehinderung demnach in nahezu allen Bereichen beruflich tätig sein. Aber wichtig ist, dass sie die für sie passende Stelle finden. Und ist das der Fall, steht einer guten Zusammenarbeit nichts im Wege.

Das zumindest meint auch Michael Drouven, Geschäftsführer von Drouven Printen in Aachen. Er berichtet beim Forum „Inklusion auf dem Arbeitsmarkt“ im Aachener Tivoli von seinen Erfahrungen. „Am Anfang mag es hier und da problematisch sein“, sagte er. Aber wer dem gehandicapten neuen Mitarbeiter unter die Arme greife, bekomme schließlich ein besonders treues neues Mitglied der Belegschaft.

Das kann auch Susanne Bielen, Geschäftsführerin des Erkelenzer Arbeitsbekleidungsexperten Adolf Jungfleisch, nur bestätigen, auch wenn sie selbst nicht nur positive Erfahrungen gemacht hat. „Wir hatten einen Mitarbeiter mit einer Krebserkrankung für unseren Vertriebsinnendienst eingestellt“, erzählte sie. Dann habe sich aber gezeigt, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen war. „Dabei hatte er Qualitäten, die für eine andere Stelle wunderbar gepasst hätten. Wenn es eine entsprechende Vernetzung gäbe, hätte ich ihn gleich weitervermitteln können.

Mit dem zunehmendem Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt werden offenbar auch die Chancen für Menschen mit einer Schwerbehinderung deutlich besser. Doch bislang nutzen längst nicht alle Arbeitgeber diese Option. Ganz unproblematisch ist es offenbar auch nicht, einen Menschen mit Handicap einzustellen. „Das Thema ist sehr komplex“, sagt Susanne Bielen. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Um Arbeitgebern die Möglichkeit zu geben, sich ausführlich mit der Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung zu beschäftigen, hatte das Unternehmens-Netzwerk Inklusion erstmals zu einem Forum eingeladen.

Die Unternehmensvertreter konnten sich an vier Thementischen  über alle Fragen rund um um die Inklusion in Betrieben informieren. Die Agentur für Arbeit Aachen-Düren, das Inklusionsamt, die BAG Selbsthilfe und das Unternehmensnetzwerk Inklusion standen Rede und Antwort. „Und die Fragen der Unternehmer kamen sofort“, sagt Sebastian Schmitz von der Arbeitsagentur.

„Die Sinnhaftigkeit steht nicht in Frage“, meinte Richard Nürnberger, Vorsitzender des Vorstandes der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation. „Wir müssen mit positiven Beispielen Mut machen.“ Und der Moderator der Podiumsdiskussion selbst ist ein solch positives Beispiel. Rainer Schmidt wurde ohne Unterarme und mit einem verkürzten Bein geboren und ging als Moderator ganz selbstverständlich mit seinen Beeinträchtigungen um.

Viele Menschen mit Schwerbehinderung verfügen über einen qualifizierten Berufsabschluss oder ein abgeschlossenes Studium. Sie sind also interessante Kandidaten für viele Unternehmen. Und das sehen offensichtlich auch die Unternehmer so. „Es gibt keinen Arbeitsplatz, für den es nicht auch den passenden Schwerbehinderten gibt“: Auch diesen Mut machenden Satz gaben die Experten den Unternehmern mit auf den Weg. Die wiederum wünschen sich eine möglichst engmaschige Betreuung, wenn sie Menschen mit Behinderung einzustellen.