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Düsseldorf: Wie „der Mohr” Esser an die Millionen kam

Düsseldorf : Wie „der Mohr” Esser an die Millionen kam

Freundlich, milde und fast belustigt wirkt der Chef der Deutschen Bank, als er mit seiner Aussage im Mannesmann-Prozess beginnt.

„Ich weiß nicht, wo hier ein strafrechtliches Problem liegen soll”, sagt Josef Ackermann am Anfang seiner fast 40-minütigen Stellungnahme. Sie wird zur Abrechnung mit den Staatsanwälten.

Mannesmann-Chef Klaus Esser und sein Team hätten für einen einmaligen Erfolg in der deutschen Wirtschaftsgeschichte eine außerordentliche Prämie verdient, sagt Ackermann über den umstrittenen Millionenregen, der ihn auf die Anklagebank gebracht hat.

Boni aus Hongkong

Dies sei im Interesse des Unternehmens gewesen, im Vergleich zu dessen Wertsteigerung angemessen und auch international üblich. So zahle die Deutsche Bank weltweit jährlich Boni von rund drei Milliarden Euro. Der Vorschlag für die Esser-Prämie von 30 Millionen DM sei vom Hauptaktionär gekommen, der künftige Eigentümer Vodafone sei einverstanden gewesen.

„Hätten wir Esser nach monatelangem Einsatz bis an den Rand der Erschöpfung sagen sollen: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?”, fragt der Schweizer.

Binnen fünf Jahren seit dem Eintritt von Klaus Esser in den Vorstand habe sich der Börsenwert von Mannesmann verzehnfacht. Wenn ein Abteilungsleiter für ein außerplanmäßiges Plus von 152.000 Euro eine Prämie von 1000 Euro erhalte, hätte Esser eine Milliarde bekommen müssen, rechnet Ackermann vor.

Zum Zeitpunkt des Amtsantritts Essers als Vorstandschef Mitte 1999 hatte der Mannesmann-Unternehmenswert bei 52 Milliarden Euro gelegen. Vodafone zahlte bei der Übernahme gut ein halbes Jahr später 188 Milliarden Euro in Aktien.

Bei Mannesmann habe es auch keinen Aktien-Optionsplan gegeben, der das Management am Kurserfolg beteiligt hätte. Auch die Millionenzahlung an Aufsichtsratschef Joachim Funk sei berechtigt gewesen, weil dieser den Wandel vom Montan- zum Dienstleistungskonzern eingeleitet habe.

Eine Ablehnung des Prämienvorschlags durch Mannesmann-Hauptaktionär Hutchison Whampoa, Hongkong, wäre schließlich wie ein Misstrauensvotum gegen Esser verstanden worden. Zur eigenen Rolle sagt Ackermann schließlich: „Ich habe mich nicht bereichert. Ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen verhalten und davon überhaupt keinen Vorteil gehabt.”

Auch Esser griff die Staatsanwälte in seiner mehrstündigen Aussage scharf an. Ihre Vorwürfe seien eine „Verleumdung” und „Beleidigung”. Er habe seine eigenen Interessen in den Gesprächen mit Vodafone-Chef Chris Gent nie zur Sprache gebracht. Daher sei es besonders boshaft und ein Zerrbild, wenn die Staatsanwaltschaft behaupte, er habe seine persönlichen Interessen an die erste Stelle gestellt.

Die Ankläger hätten mit aller Macht für ihre Geschichte der Käuflichkeit gekämpft, sagte Esser. Nachdem das Gericht die Vorwürfe gegen ihn zusammengestrichen habe, habe „das Kartenhaus der Anklage etwas Unwirkliches bekommen. Es steht nicht mehr”, sagte Esser, der nur noch der Beihilfe zur Untreue beschuldigt wird. Der frühere Mannesmann-Chef hatte bei seinem Ausscheiden insgesamt mehr als 60 Millionen DM erhalten.

Zwickels Kompromisse

Alt-Gewerkschafter Klaus Zwickel, der wie Ackermann im Aufsichtsrat saß, äußerte Unverständnis über die Anklage: „Nach 50 Jahren Arbeit habe ich mir vieles vorstellen können, aber niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte. Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse geschlossen, aber ich war nie käuflich.”

Alle Entscheidungen des Aufsichtsrates, an denen er beteiligt war, seien nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt gewesen, beteuert der Ex-IG-Metall-Chef.