Autozulieferer im Wandel: Wie der Conti-Chef Kündigungen vermeiden will

Autozulieferer im Wandel : Wie der Conti-Chef Kündigungen vermeiden will

Der Abschied vom Verbrennungsmotor wirbelt die Autoindustrie durcheinander. Mittelfristig fallen viele Jobs weg – auch bei Continental stehen wohl bald schwierige Entscheidungen an. Zugleich will der Konzern in andere Technologien investieren.

Continental wird wegen der schwachen Autokonjunktur und nachlassenden Nachfrage nach Verbrenner-Technologie mittelfristig wohl nicht um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen. Einen solchen Schritt könne man „als letztes Mittel nicht ausschließen“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Dienstag am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. Eine genaue „Zielzahl“ zu möglicherweise betroffenen Werken oder Mitarbeitern lasse sich derzeit aber noch nicht nennen.

Die konjunkturelle Entwicklung sei kritisch. „Wir schlittern nicht in die Krise hinein, sondern befinden uns mittendrin. Es hilft nicht mehr, die Dinge schönzureden“, betonte der Manager. Priorität habe nun eine verantwortungsvolle Planung, betonte Degenhart: „Wir werden alle Hebel ziehen, um unsere Belegschaft zu schützen.“

Der Konzern aus Hannover strebt einen Teilbörsengang oder - als „Plan B“ – eventuell auch eine komplette Auslagerung seiner Antriebssparte an. Sie soll dann Vitesco heißen. Die klassische Technologie für Verbrenner habe es immer schwerer, während Komponenten etwa für die Elektromobilität an Bedeutung gewönnen. Daher versuche man, mehr Kollegen in die Richtung weiter zu qualifizieren, erklärte Degenhart.

Elmar Degenhart, Continental-Vorstandsvorsitzender, bei einer Pressekonferenz seines Unternehmens auf der Automesse IAA in Frankfurt. Foto: dpa/Thomas Frey

„Für Vitesco sehen wir den Bereich Elektrifizierung als Chance“, sagte er. Der Schwerpunkt liege zunehmend auf Elektronik, Sensorik und Software, immer weniger auf Mechanik und Hydraulik. Man habe die Möglichkeit, mehr an Produktwert zu verkaufen als auf der Verbrennerseite.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Teilbörsengang sei ein positives wirtschaftliches Umfeld 2020: „Vitesco unter Wert zu verkaufen, würde keinen Sinn machen.“ Ein Komplettverkauf müsste zudem von der Hauptversammlung im Frühjahr 2020 abgesegnet werden.

Conti werde die Verselbstständigung von Vitesco weiter vorantreiben. „Wir wollen zudem bis Ende des Jahres Klarheit haben, wie unser Produktivitäts-Verbesserungsprogramm aussehen wird – auch im Interesse unserer Mitarbeiter.“ Klar sei: „Wenn Wettbewerbsprobleme existieren, werden wir mit Segmenten oder Standorten konsequenter umgehen als in den letzten Jahren, als wir es uns vielleicht leisten konnten, den einen oder anderen mit durchzufüttern.“

Auf der IAA stellte Continental eine neue Klimastrategie vor. Der Dax-Konzern will in seinen Werken bis 2040 CO2-neutral produzieren. „Die Mobilität der Zukunft muss klimafreundlich, wirtschaftlich und sozial sein“, erklärte Degenhart. Eine ausgeglichene CO2-Bilanz sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von Vorteil. Als Zwischenschritt will Conti an seinen Standorten bis Ende kommenden Jahres ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen einsetzen.

Der fahrerlose, elektrisch angetriebene Kleinbus Cube („Continental Urban Mobility Experience“) von Continental. Foto: dpa/Christophe Gateau

Eine CO2-Neutralität der ganzen Autobranche sei bis zum Jahr 2050 möglich, schätzte der Conti-Chef – dafür müsse es aber auch mehr Unterstützung aus der Politik geben. Derzeit seien die Energiepreise und Unternehmenssteuern vielfach zu hoch.

Der Konzern präsentiert in diesem Jahr unter anderem ein neues Antriebssystem für Elektroautos, das Gewicht und Kosten drücken soll. Außerdem entwickelten die Hannoveraner einen sogenannten Nahbereichsradarsensor – dieser soll Unfälle vermeiden, die etwa beim Abbiegen geschehen. In manchen Städten hatte sich zuletzt die Zahl tödlicher Kollisionen abbiegender Lkw mit Radfahrern erhöht.

(dpa)
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