Euregionale Initiative „Hyperegio“: Wenige wagen den Schritt über die Grenze

Euregionale Initiative „Hyperegio“: Wenige wagen den Schritt über die Grenze

Aachen und das limburgische Geleen liegen gerade mal 30 Autominuten voneinander entfernt. „Trotzdem ist die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden nach wie vor eine Barriere in den Köpfen“, sagt Dr. Lothar Mahnke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur Agit mbH.

Das gelte vor allem für die Wirtschaft: „Während der Schritt über die Grenze im Einkaufs- und Freizeitverhalten wunderbar gelingt, stellen wir immer wieder fest, dass viele Unternehmen gar nicht wissen, welches Potenzial es jenseits der Ländergrenzen gibt.“ Da schaue man eher viele hundert Kilometer entfernt nach Süddeutschland, als mal eben über die Grenze ins Nachbarland.

Mit der Initiative „Hyperegio – EarlyTech“ soll sich das ändern: Kleine und mittlere Unternehmen aus der Euregio Maas-Rhein erhalten noch bis Jahresende eine finanzielle Unterstützung, damit sie das vorhandene Wissen jenseits der Grenzen besser nutzen können und im Nachbarland den passenden Know-how-Partner für ein Technologievorhaben finden.

Gleich zwei Gutscheine in Höhe von je 3000 Euro hat die Agit, die die Projektleitung innehat, jetzt an die Unternehmen TFI Aachen GmbH und DynChem GbR übergeben.

Beide möchten gemeinsam mit dem niederländischen Wissensgeber BraidSec die Grundlagen für die Entwicklung neuer Produkte aus Kohlefaser-Verbundmaterialien legen. „Für uns war das Programm die Initialzündung“, sagen Dirk Prinz und Pieter Bertier, Gründer des Aachener Start-ups DynChem, das Laborgeräte zur Untersuchung des Fließverhaltens von Flüssigkeiten in porösen Materialien herstellt.

Mit dem Innovationsgutschein wollen sie ein Projekt in Angriff nehmen, das sie aus Kapazitätsgründen sonst verschoben hätten. Ihre Idee: einen Hochdruck-Behälter zur Aufnahme von Gesteinsproben aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff zu entwickeln. „Mit der innovativen Bauweise, die einen Einsatz bildgebender Verfahren ermöglicht, könnten wir eine ganz neue Qualität der Analyse erreichen.“

Das Interesse an diesem Behälter sei vorhanden: „Wir haben schon verschiedene Anfragen erhalten.“ In einem ersten Schritt wolle man jetzt zusammen mit BraidSec die Möglichkeiten ausloten – bis Jahresende werde man dann in der Lage sein, den Kunden ein konkretes Angebot zu machen.

Know-how nutzen

Auch die TFI Aachen GmbH will das Know-how des niederländischen Spezialisten für Faserverbundwerkstoffe nutzen: Ein neues, flexibles Bauteil soll – für den Einsatz in einer sogenannten Tuftingmaschine – ausgelegt, analysiert und optimiert werden. „Das Vorhaben hat großes Potenzial für den Maschinenbau insgesamt, ist aber auch mit Risiken verbunden“, berichtet Dirk Hanuschik, Teamleiter bei der TFI Aachen.

Der Gutschein sei eine willkommene Anschubfinanzierung: „Wenn wir die Innovation in die Industrie bekommen und die Kunden überzeugen wollen, muss eine gewisse Hemmschwelle überwunden werden.“ Das neue Bauteil könne zwar den Wartungsaufwand der Maschinen grundlegend verringern, das bedeute aber auch, dass die Maschinen zunächst umgebaut werden müssten. „Wir müssen garantieren können, dass das funktioniert“, so Hanuschik.

Die Aachener Firmen hatten bereits im Vorfeld Kontakt zu Adam Kot, Geschäftsführer von BraidSec.  „Aber gerade dieses persönliche Netzwerk über die Grenze hinweg sei bei vielen Unternehmen der Region eben nicht vorhanden“, meint Ralf Meyer, Abteilungsleiter der Agit. „Was die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Grenzregion angeht, sind die Chancen bei weitem nicht ausgeschöpft.“

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