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Aachen: Weltweit gewachsen aus lokalen Wurzeln: die Kisters AG

Aachen : Weltweit gewachsen aus lokalen Wurzeln: die Kisters AG

Es geht locker zu im Hause Kisters. Professionell, aber locker. Der Eindruck verfestigt sich an diesem Nachmittag im Stammhaus an der Charlottenburger Allee in Aachen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Kisters AG ein Familienbetrieb im besten Sinne ist.

Tatsächlich arbeiten drei Söhne des Firmengründers Heinz Kisters mit im Unternehmen: Neben Vorstandschef Klaus, 46 Jahre alt, noch Hanns (43), ebenfalls im Vorstand, und der 38-jährige Bernd. Alle verwurzelt in Aachen, Studium an der RWTH inklusive.

Auch ihr Vater hatte hier studiert - Bauingenieur, Fachrichtung Wasserwirtschaft - und 1963 ein Ingenieurbüro für Wasserbau und Wasserwirtschaft gegründet. Ab Mitte/Ende der 80er Jahre stiegen dann die Brüder ein. Nicht nur deshalb veränderte sich die Ausrichtung des Unternehmens. Die Zukunft lag - und liegt - in Software-Lösungen für einen immer komplexeren Markt, der sich vor allem mit dem intelligenten Management von Daten befasst.

Auf drei Beinen

Wer begreifen will, wie das mittlerweile weltweit engagierte Aachener Unternehmen sein Geld verdient, der muss etwas Zeit mitbringen. Auch hier können die Aktivitäten nur in Auszügen dargestellt werden. Die klassische Ingenieursarbeit auf den Gebieten des Wasserbaus, mit denen der Firmengründer vor 45 Jahren begann, macht mittlerweile nur noch rund fünf Prozent des Umsatzes und des Geschäfts aus.

Die Abteilung IT-Hardware unter Federführung von Hanns Kisters liegt bei 35 Prozent. Das Unternehmen bietet hier Komplettlösungen inklusive Beratung, Service und Schulung. Scanner, Plotter, Drucker, Laminatoren, CAD-Lösungen: Kisters sagt, was sinnvoll ist, und sorgt dafür, dass das Personal auch damit umgehen kann.

Das Kerngeschäft der Aachener Ingenieure ist jedoch die Umweltinformatik. Wenn Klaus Kisters beschreiben soll, was das ganz konkret bedeutet, greift er gerne auf einen Bereich zurück, den schon sein Vater beackert hat: den Hochwasserschutz. Also: In der Hochwasserzentrale des Bundes in Mainz werden bundesweit die Wasserstände der Flüsse gesammelt.

Kisters liefert die Software, um diese Daten zu sammeln, zu verwalten und sie - nachdem Hydrologen daraus ihre Schlüsse gezogen und Prognosen erstellt haben - an die relevanten Stellen weiterzuleiten. „Zeitreihenmanagement” nennt das der Fachmann - und der Laie versteht in erster Linie Bahnhof. Für Klaus Kisters ist das die Kernkompetenz seines Unternehmens.

Wobei eine Zeitreihe, so seine geduldige Erklärung, eine zeitabhängige Folge so genannter Datenpunkte ist, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen abgerufen, abgespeichert und für weitere Bearbeitungen verfügbar gehalten werden. Sie sind damit Grundlage für weit reichende Entscheidungen und Prognosen - nicht nur im Hochwasserschutz.

Ein gigantischer Markt ist da natürlich der Energiesektor, auf dem Kisters seit dem Beginn der Deregulierung, also der Liberalisierung der Markte Ende der 90er Jahre, aktiv ist. Auch hier nur ein Beispiel von vielen Einsatzfeldern: Der Stromanbieter misst regelmäßig den Verbrauch und damit den Bedarf etwa eines großen, gewerblichen Abnehmers. So stellt er fest, wieviel Energie er bereitstellen muss. Kisters macht es ihm durch passgenaue Software-Lösungen einfacher.

Heute ist das Kisters Zeitreihenmanagement über 500 Mal in allen Kontinenten im Einsatz, zu etwa gleichen Teilen in der Hydrologie und Wasserwirtschaft und im Energiemanagement. Es geht dabei um Verbrauchsabrechungen, Absatz- und Preisprognosen, die Vernetzung dezentraler Energieanlagen, Luftqualität, Gewässergüte, Grundwasserbeobachtung: das Leistungsangebot ist äußerst breit gefächert und, darauf legt Kisters wert, auf die konkreten Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten.

Die weltweite Expansion kam damit ganz natürlich: Das Unternehmen hat sein Portfolio Stück für Stück erweitert. „Wir sind ganz organisch gewachsen”, umreißt der Vorstandschef, der mittlerweile die Hälfte des Jahres in der Welt unterwegs ist, die Strategie. Kernmärkte sind Europa, Nordamerika, und Australasien. Kisters kooperiert, steigt ein, übernimmt andere Unternehmen. „Konkurrenz sehen wir ganz sportlich”, sagt der Vorstandschef.

Auch das passt zum lockeren Ton im Hause Kisters.