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Düsseldorf: Weiteres Stühlerücken in WestLB-Chefetage: Auch Stein geht

Düsseldorf : Weiteres Stühlerücken in WestLB-Chefetage: Auch Stein geht

. Die infolge von Fehlspekulationen abermals in Turbulenzen geratene WestLB verliert binnen weniger Monate gleich zwei Vorstandsmitglieder. Kurzfristig zum Ende des Monats scheidet Robert Stein einvernehmlich aus dem Vorstand aus.

Das teilte die Düsseldorfer Bank am Dienstagabend überraschend mit. Der 45-Jährige wolle sich nach über dreijähriger Tätigkeit für die WestLB einer neuen beruflichen Herausforderung widmen, hieß es zur Begründung.

„Sein Ausscheiden hat nichts mit den Vorfällen im Eigenhandel zu tun”, sagte ein Banksprecher am Mittwoch. Stein, der im Vorstand schon seit längerem das Investmentbanking verantwortet, war von April 2006 bis Februar 2007 auch für den Eigenhandel zuständig.

Fehlspekulationen im Eigenhandel hatten die Bank in diesem Jahr in die Negativschlagzeilen gebracht. Die WestLB hatte die Verluste zuletzt auf insgesamt 243 Millionen Euro beziffert, die im ersten und zweiten Quartal 2007 verbucht würden.

Die Bank führte von dieser Summe 70 Millionen Euro auf Fehlspekulationen und Regelverstöße ehemaliger Aktienhändler zurück. Die anderen 173 Millionen Euro seien durch den Verkauf von Wertpapierpositionen entstanden, nachdem Handelsstrategien aus der Bank heraus an die Öffentlichkeit gelangt seien. Die Bank kündigte dabei an, weitere Positionen im Eigenhandel schrittweise abbauen zu wollen. Im Eigenhandel handelt die Bank mit Wertpapieren auf eigene Rechnung und damit auch auf eigenes Risiko.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen (CDU) hatte im Juni im Landtags-Finanzausschuss erklärt, die Frage nach weiteren personellen Konsequenzen aus den Fehlspekulationen komme nach seiner Ansicht zu früh. Darüber könne erst nach Vorlage des Berichts der Bankenaufsicht BaFin entschieden werden, der nicht vor August erwartet werde.

Das Land NRW ist direkt und indirekt mit 38 Prozent an der WestLB AG beteiligt. Die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen halten zusammen die Mehrheit. Neben der BaFin nimmt auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Vorgänge im Eigenhandel der WestLB unter die Lupe. Die Bank selbst hatte Anzeige erstattet.

Die Düsseldorfer Bank trennt sich außerdem von ihrem IT-Vorstand Klaus-Michael Geiger. Der Aufsichtsrat hatte Geiger, dessen Vertrag Ende 2007 ausläuft, auf der Sitzung im Juni nicht wieder bestellt. Damit sind in absehbarer Zeit gleich zwei der sieben Vorstandsposten unbesetzt. Ob deshalb nun zwei neue Bankmanager gesucht werden oder das WestLB-Führungsgremium verkleinert wird, war zunächst unklar.