1. Wirtschaft

Aachen: Vygon: Mit Silber Infektionen zu Leibe rücken

Aachen : Vygon: Mit Silber Infektionen zu Leibe rücken

Infektionen gehören beim Gebrauch von Kathetern zum medizinischen Alltag in den Krankenhäusern. Bei ohnehin geschwächten Patienten kann das häufig lebensbedrohende Folgen haben.

In zweijähriger Arbeit hat die Aachener Medizintechnik-Firma Vygon jetzt einen Katheter entwickelt und zur Markteinführung gebracht, der das Infektionsrisiko entscheidend verringern soll.

Das seit 1972 in Aachen ansässige französische Unternehmen erhofft sich insbesondere auch von diesem neuen Produkt eine Geschäftsausweitung und will den Personalbestand in diesem Jahr von 232 auf 250 Personen hochfahren.

In einem Gespräch erläuterten die Vygon-Geschäftsführer Walter Jerusalem und Helmut Knobloch die Eigenschaften des neuen Katheters, der auf der mikrobiellen Wirkung von Silber basiert: Standardkatheter, wie sie in der überwiegenden Zahl der Fälle heute eingesetzt werden, haben keinen Infektionsschutz.

Andere Katheter sind an der außen- oder Innenseite bakteriell beschichtet. Beim „Multicath Expert” hingegen sind Silberionen bereits in das Kunststoffgranulat eingearbeitet. Die Silberionen treten dann kontinuierlich aus dem Kathetermaterial aus und gewährleisten so für die gesamte Einsatzdauer einen gleichmäßigen Infektionsschutz.

Knobloch: „Gerade nach großen Eingriffen wie Bypass-Operationen belastet eine Infektion den Patienten enorm, so dass der deutlich höhere Preis für den Katheter als Vorsorge vertretbar und im Vergleich zur Behandlung solcher Infektionen mit Antibiotika auch kostengünstiger ist.”

Ebenso wie der Pharma-Markt ist auch der Sektor der medizinischen Hilfsprodukte von großen Konzernen beherrscht. Jerusalem: „Als mittelständischer Anbieter können wir mit unseren hochtechnisierten Produkten nur in Nischen mithalten. Massenartikel werden in Indien oder Malaysia konkurrenzlos billig produziert.”

Die Strategie scheint für Vygon aufzugehen. Obwohl das Unternehmen am Kathetermarkt in Deutschland nur einen Anteil von 3,2 Prozent hält, ist seine Position im Bereich der Pädiatrie (Kinderheilkunde) mit 30 Prozent und bei den arteriellen Kathetern mit 80 Prozent Anteil schon beachtlich.

Interne Strukturveränderung und eine Verbesserung der Synergie-Effekte in der weltweit operierenden Vygon-Gruppe mit Sitz in Ecouen bei Paris haben dazu geführt, dass die deutsche Tochter im letzten Jahr den Umsatz um 8,3 Prozent auf 28,1 Millionen Euro und das Ergebnis vor Steuern (Ebit) um 83 Prozent auf knapp zwei Millionen Euro hochschrauben konnte. Der Erfolg setzte sich im 1. Halbjahr 2002 mit einem Umsatzanstieg um zehn Prozent fort.

International erzielte die mittelständische französische Familien-AG mit 1300 Mitarbeitern einen Umsatz von 132 Millionen Euro und ein Ergebnis von 19,7 Millionen Euro.

Vygon hat weltweit über fünf Produktionsstandorte. Neben dem Stammwerk in Frankreich ist Aachen der einzige Standort, der sowohl über Produktion, Forschung und Entwicklung als auch über eigenständigen Vertrieb und Marketing verfügt.

Der Konzern praktiziere einen dezentralen Führungsstil und belasse viel unternehmerische Verantwortung bei den einzelnen Tochtergesellschaften, urteilt Jerusalem. Schon bald könnte die Dependance in Aachen der französischen Mutterfirma erneut Freude machen.

Kurz vor der Markteinführung steht ein Spezial-Katheter, der bei Bandscheibenvorfällen aufwändige operative Eingriffe überflüssig machen soll. Das ideale Produkt für einen zukunftsträchtigen Markt mit einer durchschlagenden Wirkung auch für die Bilanz.