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Essen/Köln: Von der Dönerbude zum Restaurant

Essen/Köln : Von der Dönerbude zum Restaurant

Aus manch einer Dönerbude ist ein gehobenes Restaurant geworden, aus der reinen Verkaufsstelle für Flugtickets ein Reisebüro mit Rundumservice - das Bild des türkischen Unternehmers in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt.

Neuen Erhebungen zufolge sind die rund 56.800 türkischen Selbstständigen in der Bundesrepublik unterdessen in rund hundert Branchen tätig. Zwar verdienen knapp 60 Prozent der türkischen Unternehmer ihr Geld weiter in Einzelhandel und Gstronomie, so das Zentrum für Türkeistudien (ZfT), Essen.

Allerdings schrumpften diese Sektoren in den vergangenen Jahren zugunsten des Dienstleistungssektor, in dem mittlerweile immerhin 22,2 Prozent der Selbstständigen aus der Türkei Fuß gefasst haben - drei Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

Mit deutlichem Abstand folgen das Handwerk (9,9 Prozent), der Großhandel (5,9), das verarbeitende Gewerbe (2,6) und schließlich die Baubranche, in der nur 2,1 Prozent der türkischen Unternehmer tätig sind. Laut ZfT bevorzugen türkische Selbstständige bei der Betriebsgründung zwar weiterhin Branchen mit vergleichsweise geringen Eintrittsbarrieren.

Allerdings gewinnen demnach auch unternehmerische Tätigkeiten an Attraktivität, für die besondere Zertifikate wie beispielsweise der deutsche Meisterbrief erforderlich sind.

Breiter Kundenstamm

Ferner stellten die Forscher eine wachsende Orientierung der türkischen Selbstständigen hin zu deutschen Kunden fest - zu einem Kundenstamm also, der für eine Expansion am Markt unverzichtbar ist.

„Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren völlig”, erläutert ZfT-Sprecher Dirk Hal. In vielen Wohnvierteln etwa habe der „Onkel Mehmet”-Laden auch für deutsche Kunden längst die Funktion des alten „Tante Emma”-Ladens übernommen.

„Nur wenn türkische Unternehmer auch deutsche Kunden ansprechen können, sind sie am Markt erfolgreich und können expandieren”, so die Forscher. Nur auf „ethnische Nischen” ausgerichtete Geschäftsfelder wie türkische Bestattungsunternehmen oder türkische Hochzeitsräume seien die Ausnahmen.

Nur knapp jedes fünfte türkische Unternehmen (18,7 Prozent) gab bei der Befragung an, sein Geld hauptsächlich mit türkischen Kunden zu verdienen. Rund jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) berichtete von einer in etwa ausgeglichenen Kundenstruktur zwischen deutschen und türkischen Kunden.

Überdies unterhalten derzeit 77 Prozent der türkischen Betriebe in der Bundesrepublik Geschäftsbeziehungen zu deutschen Lieferanten. Die Zahl der Arbeitsplätze in türkischen Unternehmen beziffern die Essener Experten mit rund 290.000.

Etwa 17 Prozent der Beschäftigten sind demnach Deutsche. Wegen fehlenden türkischen Fachpersonals sind Arbeitskräfte mit deutschem Pass nach Erkenntnissen des ZfT häufig im Marketing, in der Kundenberatung und in der Verwaltung türkischer Unternehmen tätig.

Allerdings ging die Konsumflaute der vergangenen Jahre auch an den türkischen Unternehmern nicht spurlos vorbei.

Zwischen 2000 und 2002 gingen Umsätze und Beschäftigtenzahl um rund zehn Prozent zurück, sagte der Direktor des Zentrums, Faruk Sen.