Düsseldorf: Vodafone eröffnet in Düsseldorf sein 5G-Lab

Düsseldorf: Vodafone eröffnet in Düsseldorf sein 5G-Lab

Tam Lien sitzt in seinem verglasten Führerhaus eines 300-Tonnen-Kranes. Behutsam lädt er einen tonnenschweren Container ab, in seinem Cockpit kann er auf Monitoren die filigrane Arbeit beobachten. Vorsichtig bugsiert er den Stahlkoloss an sein Ziel. Fertig. Tam Lien könnte sich nun auf einer anderen Baustelle einklinken.

Dabei trägt er feine Lack- statt Sicherheitsschuhe, er besitzt auch keinen Kranführerschein. Tam Lien ist nicht einmal auf einer Baustelle. Er sitzt im 5G Lab von Vodafone, das an diesem Tag eröffnet wird. Tam Lien ist also in Düsseldorf, während er den Container zu Demonstrationszwecken auf dem Aldenhoven Testing Center (ATC) absetzt. Er ist kein Kranführer, vielmehr leitet der Ingenieur die Innovations-Abteilung des Telekommunikationsunternehmens.

Willkommen in der neuen 5G-Welt. Foto: dpa

Tam Lien tüftelt an der digitalen Zukunft, mit fast kindlicher Begeisterung demonstriert er immer wieder, wie er in weiter Ferne die Container ablädt. Wenn er beim ATC das Tagwerk vollendet hat — das bietet die Zukunft — könnte er sich in ein anderes Kranführerhaus einloggen und zum Beispiel auf einer Baustelle in Tauberbischofsheim arbeiten. Das wäre ein Gegenmittel zum Fachkräftemangel, vermutet Tam Lien.

Die Basis dafür ist das Netz der Zukunft, 5G ist der Stoff, aus dem die Träume der Ingenieure sind und der die „Industrie 4.0“ möglich machen soll. Das neue Netz wird Latenzzeiten von rund einer Millisekunde haben, ist so schnell wie das menschliche Nervensystem. Für den Datenaustausch in Echtzeit sind extrem hohe Bandbreiten nötig, 5G ermöglicht mehrere Gigabit pro Sekunde. Stand heute. Das Netz, so lautet das Versprechen, ist garantiert schwankungsfrei, weil es lernt, welche Anforderungen die unterschiedlichen Anwendungen erfordern.

Noch muss der Bund die Lizenzen an die Anbieter für Milliarden verkaufen, geforscht wird an der fünften Mobilfunkgeneration schon lange. In Düsseldorf bei Vodafone ist das neue Netz im 5G Lab bereits erlebbar. „Es macht den Roboter bald zum Alltagshelfer und unser Auto zum Chauffeur“, sagt Hannes Ametsreiter, der Vodafone-Chef in Deutschland, bevor ein Roboterarm den roten Knopf zur Eröffnung symbolisch drückt. Das neue Netz — das ist unstrittig — wird die Welt verändern, vielleicht sogar auf den Kopf stellen.

Die nächste Mobilfunkgeneration lässt Menschen und Roboter auf eine neue völlig Art interagieren. Roboter werden das erlernte Wissen in Echtzeit mit anderen Avataren teilen — auch über hunderte Kilometer Entfernung. Roboter bekommen mit 5G einen „siebten Sinn“. Sie lernen zu fühlen und zu tasten. Das Zeitalter des „taktilen Internets“ beginnt. Die ferngesteuerten Roboter sind lernfähig wie kleine Kinder, aber sie lernen bedeutend schneller.

Mit der neuen Technologie können Autos in 60 Kilometer gesteuert, Arbeiten mit einem 30 Meter hohen Kran in einer anderen Stadt wetterunabhängig verrichtet werden. Die nächste Verbindungsgeneration lässt Roboter mit dem Menschen agieren und zu Alltagshelfern werden, sagt Ametsreiter.

Sein neues Labor öffnet an diesem Tag für ein paar Stunden die sonst so verschlossenen Türen und lässt den Blick in die Zukunft zu. In der revolutionieren die lernfähigen Roboter ganze Industriezweige und Dienstleistungsbranchen wie zum Beispiel die Pflege. Fast drei Millionen Menschen sind derzeit bundesweit pflegebedürftig, beim Personal herrscht eklatanter Notstand. Roboter können im Alltag helfen. Sie können Getränke reichen, die Spülmaschine starten, die Haustüre auf- und abschließen.

Im Ernstfall kann ein weit entfernter Arzt durch einen Monitor im Roboter zugeschaltet werden. Ausgestattet mit einem taktilen Handschuh kann er die Bewegungen eines Roboters in Echtzeit steuern. Er kann mit seiner Hilfe ein EKG anlegen, er kann den Roboter losschicken, um Aspirin in der Hausapotheke zu holen. Unter Laborbedingungen funktioniert das schon. Im Alltag sollen später so Menschenleben gerettet werden, sagt Professor Sami Haddadin, einer der führenden Forscher im Bereich Robotics.

Beispiel Mobilität: Rund 430 Millionen Fahrgäste nutzen jährlich ein Taxi oder einen Mietwagen. Über Nacht sind viele Einsatzfahrzeuge nicht im Einsatz. Mit 5G könnten sie in Zukunft nach der letzten Fahrt zurück zur Einsatzzentrale gesteuert werden. Schon jetzt demonstriert Vodafone, wie ein Fahrzeug in 60 Kilometer Entfernung gesteuert wird.

Beispiel Industrieanwendung: Maschinen können in Echtzeit Daten austauschen und mit den Menschen interagieren. Im 5G Lab lässt Vodafone an diesem Tag einen kleinen Roboter in der Fertigungshalle des e.Go in Aachen losfahren, der auf Zuruf benötigte Materialien zum Arbeitsplatz bringen soll. Der Roboter lernt schnell, und betriebsinterne Daten bleiben auf dem Unternehmensgelände.

Nur für ein paar Stunden ist das Labor an diesem Tag in Düsseldorf geöffnet, bis wieder hinter verschlossenen Türen geforscht wird. Tam Lien lädt für das geladene Publikum begeistert immer noch Container in Aldenhoven ab. Wenn man sich in einem Jahr erneut treffen würde, sagt er, könne er auch Bagger fahren...

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