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Aachen: Verband BME: „Früher ein Abwickler, heute ein Kostenmanager”

Aachen : Verband BME: „Früher ein Abwickler, heute ein Kostenmanager”

Er steht für ein enormes wirtschaftliches Potenzial: der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). All das, was Unternehmen benötigen, damit sie Produkte für ihre Kunden fertigen können, geht in der Regel über den Schreibtisch der betrieblichen „Beschaffer”.

Und die sind auch in der Region mit einer schlagkräftigen Mannschaft „ehrenamtlicher Idealisten”, wie diese gern betonen, im BME vertreten. Angeführt von Hardy Creutz (48), verantwortlich für den Einkauf bei der Stolberger Energie- und Wasser-Versorgung (EWV), kümmert sich der Verband in seinem Zuständigkeitsbereich, der dem Bezirk der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK) entspricht, um rund 150 Mitglieder. Darunter befinden sich auch namhafte Adressen der regionalen Wirtschaft wie Lindt & Sprüngli und Zentis oder die Stolberger Familienunternehmen Dalli und Prym. Aber auch die RWTH und deren Klinikum stehen in der BME-Mitgliedskartei.

Nach Angaben von Creutz und seinem Vorstandskollegen Joachim Hasse (64) sorgen die BME-Firmen von Heinsberg bis in die Eifel für Umsätze in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Bei solchen Volumina sei es schon wichtig, stets auf der Höhe der Zeit zu sein und alle möglichen Fallstricke zu kennen, um in den Verhandlungen mit den Lieferanten stets mithalten zu können.

„Früher”, sagt Hardy Creutz, „war der Einkäufer ein Abwickler. Heute ist er ein Kostenmanager, der möglichst frühzeitig in die Produktentwicklung einbezogen werden sollte.” Kostentransparenz, Preiskalkulation, Qualitätsvereinbarungen, rechtliche Konsequenzen - all das sind Faktoren, die es im täglichen Geschäft zu beachten gilt. Dazu bietet der BME seinen Mitgliedern eine Fülle von Informationen, Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Betriebsbesichtigungen an, ein eng geknüpftes Netzwerk zum Erfahrungs- und Wissensaustausch. Schließlich brauche „nicht jeder das Rad neu zu erfinden”, fügt Hasse an. Der Einkauf sei in produzierenden Unternehmen „eine der größten Erfolgskomponenten”.

Der BME Region Aachen hat sein Netzwerk auch über die Grenzen hinweg geknüpft. Mit den Kollegen aus den Niederlanden und Belgien gibt es regelmäßige gemeinsame Treffen, zum Beispiel beim nächsten Euregio-Einkäuferkongress am 23. Oktober in der Universität Maastricht.

Überhaupt setzt der Aachener Regionalverband intensiv auf Kontakte zu den lokalen Hochschulen. Dabei nehmen etwa Studenten der Fachhochschule Aachen gerne die Gelegenheit wahr, Erfahrungen mit und in der industriellen Praxis zu sammeln. Manche Bachelor-Arbeit ist bereits über BME-Kontakte zustande gekommen. Solche Verbindungen, davon ist Hardy Creutz überzeugt, erhöhten durchaus die Karrierechancen spürbar. „Dabei profitieren aber auch wir von den jungen Leuten”, sagt er, etwa im Umgang mit neuen Medien.

Der Aachener BME-Regionalverband, der im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, möchte sich gerne weiteren Mitgliedern öffnen. Um den Nachwuchs kümmert sich eigens die Gruppe „Young Professionals”. Neben Firmen werden auch Einzelmitglieder aufgenommen.