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25 Prozent ab Freitag: US-Strafzölle treffen Lambertz

25 Prozent ab Freitag : US-Strafzölle treffen Lambertz

Der Aachener Gebäckhersteller blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft, denn der Hunger nach Süßem ist ungestillt. Netto-Umsatz von 626 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/2019.

Der 18. Oktober ist für Hermann Bühlbecker kein gutes Datum. Ab dann erheben die USA Strafzölle auf den Import vieler europäischer Produkte. Betroffen sind zum Beispiel Olivenöl, Wein und Fisch – aber auch Gebäck aus Deutschland. 25 Prozent Strafzoll kommen nun auf jede Aachener Printe, jeden Dresdener Stollen, der in einem US-Supermarkt verkauft wird.

„Das trifft uns als mittelständisches Unternehmen hart“, sagt der Alleingesellschafter der Lambertz-Gruppe anlässlich der Jahrespressekonferenz in Düsseldorf. Die Welthandelsorganisation hatte die US-Regierung berechtigt, die Zölle zu erheben, weil Airbus jahrelang rechtswidrige Subventionen von der EU erhalten hatte.

Dabei kommen traditionelle Spezialitäten sowie Ganzjahresartikel unter der Marke „Made in Germany“ beim amerikanischen Konsumenten gut an – Tendenz steigend. Lambertz USA machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 28 Millionen Euro (2017: 26,8 Millionen Euro). Zugleich konnten große US-Handelspartner wie Wal Mart gewonnen werden, die die deutschen Süßwaren vertreiben. Umso schwerer treffen die Strafzölle das Aachener Traditions- und Familienunternehmen.

Mit einer kurzfristigen Einigung zwischen EU und USA rechnet der Firmeninhaber nicht. „Ich gehe davon aus, dass ab Montag jeder Container mit 25 Prozent Strafzöllen belegt wird. Und das bezahlt Lambertz.“ Die Verträge mit den US-Handelspartnern seien fix, erst in den nächsten Verhandlungsrunden könne der Zollzuschlag eingepreist werden. „Mittelfristig führt das zu Nachteilen für den US-Verbraucher“, sagte Bühlbecker.

Auf den Brexit vorbereitet

Vorbereitet ist der Weltmarktführer von Hebst-/Weihnachtsgebäck, zu dem mehr als 20 Unternehmen gehören, auf den nahenden Brexit. „Wir haben uns bemüht, viele Waren vor dem Brexit-Datum Ende Oktober auf die Insel zu liefern“, sagte Vertriebschef Ralf Fritzsche. Unternehmenschef Bühlbecker gibt sich gelassen. „Die Welt dreht sich weiter.“ Er rechne in Großbritannien mit einem Umsatzrückgang von zehn bis 20 Prozent. Bühlbecker: „Unsere Produkte gelten auf der Insel sowieso schon als Spezialität.“

Angst um die Zukunft seiner etwa 4000 Mitarbeiter macht sich der Unternehmer nicht. So erzielte die Lambertz-Gruppe, zu der neben dem Stammhaus in Aachen (Lambertz/Kinkartz) auch die Marken Weiss Lebkuchen in Neu-Ulm, Haeberlein-Metzger in Nürnberg und Dr. Quendt (Stollen) in Dresden gehören, im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Netto-Gesamtumsatz von 626 Millionen Euro. „Dabei war der Herbst ungewöhnlich warm, was die Nachfrage nach Süßem eher gebremst hat“, betonte Bühlbecker. 2017 wies die Bilanz noch 666 Millionen Euro aus. „Die Differenz geht auf Veränderungen in unserer Distribution zurück. Nach alter Berechnung hätten wir sogar eine Million mehr Umsatz gemacht.“

Ins Geschäftsjahr 2019/2020 blickt Bühlbecker ebenfalls optimistisch. Das Geschäft mit Weihnachtsbäckereien sei gut angelaufen. Laut einer aktuellen Statistik isst jeder Bundesbürger im Durchschnitt jährlich ein Kilo Printen, Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck.

Das Aachener Traditionsunternehmen macht dennoch fast 60 Prozent seiner Umsätze mit Ganzjahres-Artikeln. Die Exportquote liegt bei 24 Prozent. Exportiert wird in 60 Länder, nicht nur innerhalb Europas, sondern auch nach Mittel- und Südamerika, Südafrika, China und in den Nahen Osten.

Deutscher Marktführer ist die Lambertz-Gruppe inzwischen im Bio-Segment. „Die Kombination aus Gesundheit und Genuss kommt beim Konsumenten an“, sagte Bühlbecker.

In puncto Produktentwicklungen folgt das Unternehmen dem Trend nach To-Go-Angeboten und Miniformaten. Dass dies im Widerspruch stehe zu nachhaltigem Produzieren  gibt Bühlbecker zu. „Kleinere Portionen bedeuten natürlich mehr Verpackungen. Wir achten zwar darauf, dass zum Beispiel unsere Folien recycelt werden. Aber wir müssen auch den Produktschutz und die Hygiene sicherstellen.“