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Aachen: Unternehmen in der Region so zuversichtlich wie zuletzt 2011

Aachen : Unternehmen in der Region so zuversichtlich wie zuletzt 2011

In Deutschland zieht sich die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl so lange hin wie nie zuvor. In den USA regiert seit mehr als einem Jahr mit Donald Trump ein Präsident, dessen „America First“-Politik laut Experten nicht nur der Wirtschaft in seinem eigenen Land Schaden zufügen könnte. Und auch die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union für die deutsche Wirtschaft sind noch längst nicht absehbar.

Doch die Unternehmen in unserer Region zeigen sich davon unbeeindruckt und gehen laut der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen mit einer so positiven Geschäftserwartung ins neue Jahr wie zuletzt 2011.

„Die Wirtschaft in der Region Aachen legt noch eine Schippe drauf“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer gestern bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. Die IHK hat im Dezember 290 Unternehmen aus der Region Aachen-Düren-Heinsberg mit rund 26 900 Beschäftigten befragt. 54 Prozent der Betriebe bewerteten ihre derzeitige Geschäftslage als positiv — das sind noch einmal drei Prozent mehr als bei der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2017. Nur neun Prozent der Unternehmen waren unzufrieden.

Die Branchen

Hier ragt besonders der Dienstleistungsbereich hervor. Die schon im Herbst sehr gute Situation hat sich noch einmal deutlich verbessert: 62 Prozent der Betriebe melden gute Geschäfte, nur sechs Prozent sind unzufrieden — dies ist seit der Jahrtausendwende die zweithöchste Lagebewertung des Dienstleistungssektors. Übertroffen wird das nur noch von den Ergebnissen aus dem Baugewerbe: Hier bewerten 69 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als positiv, kein einziger Betrieb ist unzufrieden.

Auch im Handel hat sich die Lage laut Bayer weiter verbessert — auch wenn die Unterschiede zwischen Groß- und Einzelhandel massiv sind. Während im Großhandel die Hälfte aller Befragten die gegenwärtige Situation als positiv bewertet, tut dies im Einzelhandel nur ein Drittel der Betriebe. Auch in der Industrie hat sich die Geschäftslage noch einmal verbessert — hier sorgt die gute Konjunktur für steigende Umsätze und eine Auslastung der Produktionskapazitäten von 83 Prozent.

Die Aussichten

30 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk rechnen damit, dass sich ihre Geschäfte in den kommenden Monaten verbessern. Nur sechs Prozent gehen vom Gegenteil aus. „Damit steigen die Erwartungen auf den höchsten Wert seit 2011“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Bayer. Er prognostiziert: „Dem Boom-Jahr 2017 wird das nächste Hoch folgen.“

Die Probleme

Das Dauerbrennerthema ist und bleibt weiterhin der Fachkräftemangel, der vom Hotel- und Gaststättengewerbe bis zum Baugewerbe nahezu alle Branchen betrifft. 61 Prozent der befragten Unternehmen sehen in ihm das größte Konjunkturrisiko — das ist laut IHK zum fünften Mal in Folge ein neuer Rekordwert. Zum Vergleich: 2010 sahen nur 20 Prozent der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als das zentrale Problem an.

Bayer: „Der Fachkräftemangel ist mittlerweile so eminent, dass Unternehmen teilweise Aufträge nicht mehr annehmen können.“ Ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Mangel an qualifiziertem Personal ist für Bayer die Ausbildung. So würden Unternehmen selbst dafür sorgen, dass es mehr Fachkräfte gibt und diese durch die Ausbildung in der Regel auch für eine gewisse Zeit an sich binden.

Dass sich die Regierungsbildung in Deutschland derzeit so lange hinzieht, scheint die Unternehmen hingegen nicht zu stören. Im Gegenteil: „Von der aktuell geschäftsführenden Regierung sind keine großen Vorhaben zu erwarten, welche die Wirtschaft aktuell gefährden könnten“, sagte Bayer. „Das bedeutet erst einmal Planungssicherheit für die Unternehmen.“ Mittelfristig sei aber eine handlungsfähige Regierung nötig, sagte Bayer. Die Erwartungen an diese seien klar: eine Steuerreform und erheblich mehr Investitionen in die Wirtschaft.