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Eschweiler: Umschläge tragen Eschweiler Leim in die Welt

Eschweiler : Umschläge tragen Eschweiler Leim in die Welt

Es gibt sie noch, die kleinen Spezialfirmen, deren Produkte wir jeden Tag in der Hand halten, ohne es zu wissen.

Die Eschweiler Firma Eukalin GmbH gehört zu diesem Kreis der geheimen Riesen. Das fast 100 Jahre alte Unternehmen stellt Spezial-Klebstoffe für die Papier verarbeitende Industrie her.

Das mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro gehört zu den drei großen in Europa, die Klebstoffe für Briefumschläge anbieten.

Die Wahrscheinlichkeit, Eukalin-Klebstoff zu schmecken, wenn man an der Gummierung eines Briefumschlages leckt, ist relativ groß. Dennoch ist der Firmenname nur Eingeweihten ein Begriff.

Die aber sichern den Produkten des Eschweiler Familienunternehmens eine weltweite Verbreitung: „Über die Firmen, die Briefumschläge herstellen, liefern wir inzwischen in 102 Länder bis in die Mongolei, nach La Reunion oder Neuseeland”, sagt Geschäftsführer Dr. Joachim Schulz.

Sein Großvater hat 1904 in Aachen mit der Herstellung von Spezial-Klebstoffen begonnen. 1992 zog das Familienunternehmen aus Platzgründen in ein Industriegebiet in Eschweiler-Weisweiler. 35 Mitarbeiter beschäftigte Eukalin damals.

Heute sind es 52, zehn davon Vertriebsmitarbeiter außerhalb Eschweilers - vor allem im europäischen Ausland. Der Umsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 20 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

„Wir streben im Schnitt ein Wachstum von zehn Prozent pro Jahr an”, betont Schulz. Dabei wachse das Unternehmen ganz bewusst nicht mit Blick auf die verkaufte Menge, die sich derzeit auf 7500 Tonnen im Jahr belaufe. „Für Marktanteile kann man sich nichts kaufen”, sagt Geschäftsführer Timm Koepchen.

Eukalin strebt nicht die billigste, sondern die technisch beste Lösung an. Dazu gehört die Fließeigenschaft des Leims, denn sie entscheidet darüber, ob die - immer schneller laufenden - Maschinen des Kunden eine Schicht überstehen, ohne gereinigt werden zu müssen.

Deswegen investiert das Eschweiler Unternehmen neben dem Vertrieb stark in die Entwicklung. Elf der 52 Mitarbeiter sind in der Forschungsabteilung beschäftigt. Sie arbeiten eng mit Maschinenherstellern zusammen und testen für Kunden auch Probeklebungen an neuen Materialien.

950 verschiedene Klebstoffe produziert Eukalin. An einem Briefumschlag können drei verschiedene nötig sein: einer für die Falz, einer für das Sichtfenster und einer für die Gummierung. Dabei reichen 100 Kilo Klebstoff aus, um eine Million Briefumschläge mit einer Gummierung zu versehen.

40 Prozent des Umsatzes macht Eukalin im Bereich der Briefumschläge. Mit Blick auf den elektronischen Briefverkehr räumt Koepchen ein: „Das ist kein Wachstumsmarkt mehr.”

Doch die Bandbreite für Spezial-Klebstoffe ist groß: Faltschachteln von Pralinen, Backmischungen oder Fischstäbchen müssen ebenso verklebt werden wie Buchrücken, Werbedrucke und Etiketten von Marmeladengläsern und Konservendosen.

Erfreulich entwickele sich der Markt für eingeklebte Warenproben in Zeitschriften, so Schulz. Auch der Trend zum Discounter komme der Klebstoffindustrie zugute. „Dort wird mehr verpackt.”