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Essen: Trotz Insolvenzverfahrens: Hertie prüft neue Standorte

Essen : Trotz Insolvenzverfahrens: Hertie prüft neue Standorte

Ungeachtet des eigenen Insolvenzverfahrens prüft die Warenhauskette Hertie die Übernahme von Fialen der Textilketten SinnLeffers und Wehmeyer.

Das Warenhausunternehmen Hertie will auch in der Insolvenz weiter wachsen und prüft die Übernahme von Standorten der angeschlagenen Textilketten. Über mögliche Einschnitte im eigenen Netz von derzeit 72 Filialen werde frühestens zum Jahresende entschieden, kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr am Mittwoch in Essen an.

Derzeit werde auch mit mehreren Interessenten über einen möglichen Einstieg als Investor verhandelt. Gespräche würden dabei über einen Einstieg ins operativen Geschäfts des Warenhausunternehmens und auch über eine Übernahme der Warenhaus- Immobilien geführt. Hertie war im Jahr 2005 von britischen Finanzinvestoren von dem ums Überleben kämpfenden damaligen KarstadtQuelle-Konzern (heute Arcandor) übernommen worden.

Im kommenden Monat sei zunächst die Eröffnung eines neuen Warenhauses in Straubing geplant, sagte Bähr. Ziel sei es, möglichst noch im kommenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückzukehren und den Umsatz zu steigern. Aktuelle Zahlen zu Umsatz und Ergebnis nannte er jedoch nicht. Ein weiterer Personalabbau unter den derzeit noch rund 3400 Mitarbeitern sei derzeit nicht vorgesehen.

„Jede Filiale, die wir dichtmachen, wird unseren Umsatz schmälern. Die Schließung von Filialen ist grundsätzlich kontraproduktiv”, sagte Bähr. Geplant sei die Umsetzung einer neuen Strategie, mit der das Unternehmen insbesondere in kleinen und mittleren deutschen Städten vor allem auf die Bedürfnisse der weiblichen Kundschaft im Alter zwischen 30 und etwa 50 Jahren abzielen werde.

Vorgesehen sei dabei eine stärkere Anpassung des Sortiments an die jeweiligen lokalen Bedürfnisse. Geplant sei auch die Hereinnahme von Markenshops, die durch die Lieferanten auf eigene Rechnung betrieben würden. Bis Ende 2010 sei vorgesehen, den Anteil dieses sogenannten „Shop-in-Shop”-Geschäfts auf rund die Hälfte des Umsatzes zu erhöhen, kündigte Geschäftsführer Mark Rahman an.

Bei der Suche nach neuen Standorten habe man bereits Kontakt mit den Verantwortlichen der Konkurrenten SinnLeffers und Wehmeyer aufgenommen. Die Hagener Textilhandelskette SinnLeffers hatte zum Beginn dieser Woche angekündigt, sich bis zum Frühjahr 2009 bundesweit von 24 ihrer derzeit 47 Filialen trennen zu wollen. Die Aachener Kette Wehmeyer will 16 von 39 Läden schließen.

Alle drei Ketten sind ehemalige Töchter des früheren KarstadtQuelle-Konzerns und hatten in den vergangenen Monaten Insolvenz anmelden müssen.