Aachen: Tradition und Innovation sind bei Brammertz ideal verknüpft

Aachen: Tradition und Innovation sind bei Brammertz ideal verknüpft

Leicht verstaubt wirkt die Werbung in eigener Sache. Das Plakat jedenfalls, das in einer Ecke der Schreinerei Brammertz hängt, hängt dort schon sehr lange. „Innovation + Tradition” ist darauf zu lesen. Die gelungene Kombination von beidem ist ein Merkmal, das den Betrieb auszeichnet.

Das ist schon lange so. Dem Plakat ist das anzusehen. Aber seine Botschaft ist hochaktuell. Sie wird gelebt in der Schreinerei Brammertz. Tag für Tag.

Erste Homepage vor 16 Jahren

Die Innovationsfreudigkeit des Fachbetriebs wurde jüngst sogar ausgezeichnet. Brammertz wurde in den Kreis der „Best-Practice-IT- Unternehmen” aufgenommen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vergab die Auszeichnung an die mittelständische Schreinerei, weil sie deren Internetauftritt als besonders gelungen ansieht. Andere Handwerksbetriebe tun sich schwer mit dem Weg ins Netz, viele sind dort bis heute nicht präsent. Brammertz stellte bereits vor 16 Jahren die erste eigene Homepage online. Innovation hat in der Schreinerei Tradition.

Es ist eine Philosophie, die das Unternehmen sehr erfolgreich werden ließ. „2009 war das beste Jahr unserer Firmengeschichte”, sagt Eduard Brammertz, geschäftsführender Gesellschafter, der an diesem Vormittag gemeinsam mit Frau Alice, der Prokuristin der Schreinerei, durch die Räume führt. Natürlich sind beide stolz auf das, was sie erreicht haben. Viel wichtiger ist ihnen aber, wie sie es erreicht haben. „Unsere Mitarbeiter”, sagt Eduard Brammertz „sind unser wichtigstes Kapital.” Ein Satz, für den ihm sicher niemand einen Innovationspreis verleihen würde. Aber das Unternehmen handelt tatsächlich danach. Das soll später deutlich werden. Zunächst einmal geht es jedoch um die Firmengeschichte.

Im Jahr 1912 meldete Eduards Großvater Josef Brammertz einen Schreinereibetrieb an. In einem Haus, erbaut 1789, im Herzen Kornelimünsters wird seitdem gearbeitet. Bis heute.

Wie fest seine Familie tatsächlich mit dem südlichen Aachener Vorort verwurzelt ist, wurde Eduard Brammertz erst 1964 bewusst. Da führte sein Vater Hubert die Firma bereits seit neun Jahren und er hatte den Auftrag bekommen, die Orgel der Pfarrkirche zu restaurieren. In ihrem Inneren fanden die Handwerker eine Wachsrolle mit dem Namen desjenigen, der sie 1773 gefertigt hatte: Johann Jakob Brammertz. Eduard Brammertz machte seine Meisterprüfung in der Fachakademie für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen, vor 30 Jahren übernahm er es.

Wie wird es eines Tages weitergehen in dem Familienunternehmen? Brammertz zieht die Decke von dem ovalen Holztisch. Es soll das Meisterstück seines Sohnes Max werden. „Amerikanisches Walnussholz, sehr schwer zu bearbeiten”, sagt der Vater stolz. Drei Wochen habe der 23-jährige Filius Tag und Nacht am Meisterstück gefeilt, sagt Alice Brammertz.

Die Schreinerei, die sich in den letzten Jahren erfolgreich auf Herstellung und Restaurierung von Fenstern, Türen und Toren spezialisiert hat, zählt mittlerweile 25 Mitarbeiter, darunter sechs Meister und ein Meisterdesigner. „Eigengewächse” nennt Eduard Brammertz sie, weil sie alle im Betrieb ausgebildet wurden. Und sie sollen bemerkenswert viel Verantwortung übernehmen. Die Mitarbeiter machen Angebote, schreiben Rechnungen und entscheiden selbst, wie viele Überstunden sie machen.

Selbstständiges Handeln sieht Eduard Brammertz als eine Kernkompetenz. Anders sei zum Beispiel die Restaurierung der Villa Massimo, für die die Handwerker rund zwei Jahre in Rom verbrachten, gar nicht möglich gewesen.

Der Tag in der Schreinerei beginnt mit der Begrüßung jedes Mitarbeiters per Handschlag. Das Unternehmen möchte ihnen mehr bieten als einen monatlichen Gehaltscheck. Sicherheit, Vertrauen, Lob, Anerkennung und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung zum Beispiel. Das Ehepaar Brammertz betont, dass sich seine Art, ein Unternehmen zu führen, an der christlichen Soziallehre orientiert. Eine Auffassung, die alles andere als verstaubt wirkt.