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Auch Lambertz zieht Bilanz: Süßwarenproduktion stabil, Einbußen beim Export

Auch Lambertz zieht Bilanz : Süßwarenproduktion stabil, Einbußen beim Export

Die Süßwarenbranche ist bisher glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Allerdings wurden weniger Produkte im Ausland abgesetzt. Der Aachener Hersteller Lambertz zieht eine vorsichtig positive Bilanz.

Die deutsche Süßwarenindustrie ist halbwegs stabil durch das Corona-Jahr 2020 gekommen. Mit rund 3,9 Millionen Tonnen habe die Produktion von Süßwaren und Knabberartikeln nach ersten Berechnungen ziemlich genau das Vorjahresniveau erreicht, berichtete der Branchenverband BDSI am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz. Der Wert der Produktion habe mit rund 12,7 Milliarden Euro ein halbes Prozent unter dem Vorjahresergebnis gelegen.

Auch die Aachener Lambertz-Gruppe konnte in der Herbst- und Weihnachtssaison ein Gesamtergebnis erzielen, das auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. „Die Corona-Krise hat natürlich auch in Bezug auf das Saisongeschäft mit Herbst- und Weihnachtsgebäcken zu einer Ausnahmesituation geführt“, sagt Hermann Bühlbecker, Alleininhaber der Lambertz-Gruppe. „Negative Begleiterscheinungen waren sicherlich die Reduzierung von adventlichen Anlässen, der Ausfall der Weihnachtsmärkte, die geringeren Besucherfrequenzen in den Innenstädten und die Umsatzrückgänge an Verkaufsstellen im Traveller-Markt, etwa an Bahnhöfen und Flughäfen.“ Die Umsatzausfälle in diesen Vertriebskanälen, so Bühlbecker, könnten aber durch die gestiegene Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel kompensiert werden.

Einbußen hatten die deutschen Hersteller vor allem beim Export, auf den traditionell mehr als die Hälfte ihrer gesamten Produktion entfällt. Der Umsatz im Auslandsgeschäft sank im Jahr 2020 um 3,3 Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro. Insgesamt seien schätzungsweise 2,2 Millionen Tonnen exportiert worden. Neben der Coronavirus-Pandemie und der Unsicherheit durch den Brexit hätten den Herstellern auch die US-Strafzölle auf gesüßte Kekse und Waffelprodukte zu schaffen gemacht, sagte der BDSI-Vorsitzende Bastian Fassin.

Weniger Gebäckmischungen

Auch Lambertz verzeichnete im Exportgeschäft Verluste, etwa durch den strengen Lockdown in Spanien und Frankreich. Die Reduzierung sozialer Kontakte habe zudem zu Absatzrückgängen bei Gebäckmischungen geführt, die normalerweise vor allem im familiären Kreis und bei Konferenzen verzehrt würden.

Die Aussichten für die viertgrößte Branche der Ernährungsindustrie seien nicht günstig, betonte Fassin. Die in der Corona-Krise erheblich gestiegenen Kosten stellten die über 200 industriellen Hersteller vor enorme Herausforderungen. 65 Prozent der Unternehmen beurteilten die Geschäftslage zu Jahresbeginn 2021 schlechter als vor einem Jahr. Das spiegele sich auch bei den Beschäftigtenzahlen wider. Sie seien erstmals seit Jahren zurückgegangen, um etwa 800 auf rund 49.000.

Neue Produkte auf den Markt zu bringen, werde in diesem Jahr schwieriger, sagte Fassin. Messen und Kundenbesuche fielen weg: „Zudem reduzieren die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Einkaufszeit im Lebenseinzelmittelhandel und greifen eher zum Klassiker.“

Für den Aachener Hersteller soll die Entwicklung neuer Produkte trotzdem weitergehen. Bühlbecker: „Stillstand oder gar Rückschritt sind dies-bezüglich keine probaten Mitteln. Gerade auch, wenn es gilt, angesichts der allgemein schwierigen Wirtschaftslage unsere Arbeitsplätze zu sichern.“ Den Ausfall der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) will Lambertz mit einer digitalen Alternative kompensieren. In einem animierten Showroom will das Unternehmen rund 200 Produkte virtuell ausstellen, Hintergrundinformationen und Fachgespräche bieten. Nur das Probieren der Leckereien muss am digitalen Messestand ausfallen.

(dpa/red)