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Frankfurt/New York: Stunde der Wahrheit: Banken bilanzieren dramatisches 3. Quartal

Frankfurt/New York : Stunde der Wahrheit: Banken bilanzieren dramatisches 3. Quartal

Es naht die Stunde der Wahrheit - schon wieder. In den nächsten Wochen bilanzieren Deutschlands Banken das dritte Quartal 2008, das eines der dramatischsten in der Krise an den internationalen Finanzmärkten war.

Die US-Finanzhäuser im Auge des Sturms lieferten bereits durchwachsene Vorgaben und offenbarten teils neue tiefe Milliardenlöcher. Die Hoffnung, die Offenlegung der Zahlen werde die Märkte beruhigen, ist schon lange dahin. Die Pleite der Wall-Street-Legende Lehman Brothers sorgte für weltweite Schockwellen und erstickte das langsam wieder aufkeimende Vertrauen von Anlegern und Bankern in das Finanzsystem im Ansatz.

Die Deutschen Bank legt an diesem Donnerstag (30.10.) als erste deutsche Großbank ihren Quartals-Bericht vor, ein Woche später (5.11.) kommt die Commerzbank. Die Erwartungen an die Deutsche Bank sind hoch, nachdem Vorstandschef Josef Ackermann schon kurz nach Verabschiedung des 500-Milliarden-Rettungspaketes der Bundesregierung vollmundig erklärt hatte, sein Institut werde in der Krise kein Staatsgeld annehmen und stehe trotz Einbußen gut da.

„Die Deutsche Bank wird am Donnerstag alles andere als Jubelzahlen präsentieren, aber sicher solide Ergebnisse, sonst hätte Ackermann sich nie zu solchen Aussagen hinreißen lassen”, meint der Finanzwissenschaftler Dirk Schiereck. Zum Jahresauftakt war das DAX- Schwergewicht in die roten Zahlen gerutscht. Mit den Halbjahreszahlen präsentierte der Branchenprimus zwar wieder Gewinne, musste aber auch weitere Milliardenbelastungen wegen der Krise verkraften.

Die Belastungen der Deutschen Bank aus der Finanzkrise gab Ackermann Anfang September mit insgesamt gut sieben Milliarden Euro an. Weltweit mussten Finanzhäuser durch die Kreditkrise bisher rund 650 Milliarden Dollar (514 Mrd Euro) abschreiben und für faule Kredite zurücklegen. Sie verschafften sich zudem dringend benötigte Kapitalspritzen von mehr als 600 Milliarden Dollar.

In den USA legte gerade erst der Finanzkonzern Citigroup für die vergangenen drei Monate den vierten Quartalsverlust in Folge vor: 2,8 Milliarden Dollar diesmal und damit bisher 20 Milliarden Dollar Minus insgesamt. Auch andere Häuser lieferten blutrote Bilanzen - wenn sie auch zumeist nicht ganz so schrecklich ausfielen wie von Analysten befürchtet. Einige Großbanken hielten gar ihre Serie schwarzer Zahlen durch: J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs und Wells Fargo erlitten im dritten Quartal zwar Gewinneinbrüche, blieben aber deutlich im Plus.

Eine Ursache für die gigantischen Löcher bei vielen Instituten sind nach Einschätzung etlicher Experten die starren Vorschriften der internationalen Bilanzierungsregeln IFRS. Die legen zum Beispiel fest, dass Banken Wertpapiere regelmäßig nach jeweiligen Börsenkursen neu bewerten müssen („mark-to-market”-/„fair value”-Prinzip). „Das funktioniert nur, wenn es einen Markt gibt - der Markt ist derzeit aber tot”, klagt ein führender Frankfurter Banker.

Weltweit versucht die Politik den Flächenbrand einzudämmen und den Banken zum Beispiel mehr Freiraum bei der Bewertung fauler Kreditpapiere zu geben. „Das kann eigentlich nicht zu mehr Transparenz beitragen”, sagt Schiereck. Der Bilanzexperte des Privatbankenverbandes BdB, Dirk Jäger, widerspricht solchen Befürchtungen: „Die Banken können auch jetzt nicht beliebig buchen. In den Quartalsberichten muss alles transparent dargestellt werden.”

Der Geschäftsführer des Bereichs Bankenaufsicht und Bilanzierung beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) sagt zwar auch, über „mark-to- market” müsse nochmals diskutiert werden: „Aber eine wirkliche Alternative sehe ich nicht: Wie soll denn ein Handelsbestand anders bewertet werden als mit fair value?”, fragt Jäger.

In den USA steigt indes der Staat mit allein 250 Milliarden Dollar direkt bei Banken ein. Das frische Kapital soll die Institute auch für Zukäufe stärken. Zehntausende von Bank-Angestellten werden davon nichts mehr haben: Sie verlieren durch Krise und Fusionen ihre Jobs. Bis zu 20.000 waren es seit vergangenem Jahr allein in New York City. In Deutschland kostet allein die Fusion der Commerzbank mit der durch die Krise angeschlagenen Dresdner Bank 6500 Jobs.

Unterdessen rollt womöglich bereits die nächste Lawine auf die globalen Finanzmärkte zu: Neben den millionenfach geplatzten Hausdarlehen haben sich in den Vereinigten Staaten gigantische Berge von Kreditkartenschulden aufgetürmt. Die Quoten nicht bezahlter Monatsraten erreichen bereits Rekordstände.