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Dortmund: Strom wird teilweise teurer: Politiker rufen zu Anbieterwechsel auf

Dortmund : Strom wird teilweise teurer: Politiker rufen zu Anbieterwechsel auf

Deutschlands Stromverkäufer rüsten zur nächsten Preisrunde. Vom 1. Juli an müssen viele Verbraucher erneut mehr für den spannungsgeladenen „Saft” aus der Steckdose hinblättern. Rund 100 der insgesamt 1000 Energieversorger werden die Preise erhöhen, schätzt der Branchendienst Verivox.

Kritik kommt von allen Seiten. Verbraucherschützer und Politiker protestieren, fordern mehr Wettbewerb und rufen zum Wechsel des Anbieters auf. Die Industrie verweist unter anderem auf gestiegene Strombezugskosten.

Vor allem in Berlin und Hamburg gab es Ärger über die Ankündigung von Vattenfall Europe, die Preise um bis zu 7,2 Prozent anzuheben. Deutschlands viertgrößter Stromversorger verlor zahlreiche Kunden an die Konkurrenz - wie viele genau, ist noch unklar. Konkurrent Nuon will seit Anfang Mai in beiden Städten Vattenfall insgesamt 30.000 Kunden abgejagt haben. Das Unternehmen will nun die Verbraucher besser informieren und die Kunden zurückgewinnen.

39 Millionen Haushaltskunden gibt es nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) in Deutschland. Zwölf Millionen davon haben seit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 günstigere Verträge abgeschlossen - rund zehn Millionen davon bei ihrem bisherigen Versorger. Nur etwas über zwei Millionen haben den Anbieter gewechselt - sechs Prozent.

Zu wenig, findet der Bundesminister für Wirtschaft, Michael Glos (CSU): „Mein Appell: Vergleichen Sie Stromtarife und wechseln Sie zu dem für Sie günstigsten Anbieter.” Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) geht noch weiter und will gar mit einem Zwangsverkauf von Kraftwerken für mehr Wettbewerb sorgen. Der VDEW schlägt dagegen vor, sich vor einem Wechsel doch zunächst beim angestammten Versorger nach günstigeren Tarifen zu erkundigen.

Die Deutschen mussten in den vergangenen Jahren immer mehr für ihren Strom ausgeben. Bezahlte ein durchschnittlicher Drei-Personen- Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch 2002 noch 46,99 Euro im Monat, waren es im laufenden Jahr monatlich 59,38 Euro, also rund 26 Prozent mehr. Die Industrie betont, dass dafür auch die gestiegenen Steuern und Abgaben verantwortlich sind. Neben der Mehrwertsteuer sind dies etwa die Ökosteuer sowie Abgaben für umweltschonendere Energieerzeugung. Der Staatsanteil macht mittlerweile rund 40 Prozent des Strompreises aus.

Die meisten Unternehmen hatten bereits zum Jahresanfang im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung ihre Preise erhöht, darunter auch die beiden größten Stromversorger E.ON und RWE. Die beiden Unternehmen, die 2005 etwa einen Marktanteil von jeweils knapp 17 Prozent besaßen und zusammen knapp 18 Millionen Haushalte mit Strom beliefern, wollen zum 1. Juli nicht erhöhen. Deutschlands Nummer drei, EnBW, plant bis März 2008 nur bei Nachtspeicherstrom-Beziehern eine Erhöhung. Sie müssen am 1. Juli mit bis zu 16 Prozent Preisaufschlägen rechnen.

Bei der bevorstehenden Preisrunde sehen viele einen Zusammenhang mit dem Wegfall der Genehmigungspflicht für Stromversorger zum gleichen Datum. Die Unternehmen sind künftig nicht mehr verpflichtet, ihre neuen Preise zuvor vom zuständigen Landeswirtschaftsministerium genehmigen zu lassen. Darauf hatte sich eine Mehrheit der Länder mit der Begründung geeinigt, dass die entsprechende Verordnung ein untaugliches Mittel gegen steigende Preise sei.

Der Bund der Energieverbraucher spricht dagegen vom Missbrauch einer Gesetzeslücke durch die Unternehmen. „Während die Aktionäre zufrieden die gestiegenen Dividenden einstreichen, verdummt man die Öffentlichkeit mit dem Märchen von den gestiegenen Kosten”, hieß es. Die Verbraucherschützer empfahlen neben dem Anbieterwechsel, schriftlich Widerspruch gegen die Erhöhung einzulegen und sie nicht zu bezahlen. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt”, meinte der Vorsitzende des Bundes, Aribert Peters.