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Streetscooter: E-Mobil-Hersteller aus Aachen expandiert in die USA

Neue Pläne : Streetscooter expandiert in die USA

Streetscooter will die USA erobern. Zunächst ist ein Pilotprojekt in zwei Städten geplant. Die Idee ist nicht neu – doch nun ändert der Mutterkonzern, die Deutsche Post AG, seine Haltung zur Internationalisierung von Streetscooter.

Der Aachener E-Mobil-Hersteller Streetscooter expandiert schneller als bislang erwartet in die USA. Chefentwickler Ulrich Stuhec erklärte Anfang der Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Streetscooter plane, „schon im Frühjahr 2020 (...) ihre elektrischen Lieferwagen auch in den USA auf den Markt“ zu bringen. Die Deutsche Post AG, die das RWTH-Start-up Streetscooter 2014 gekauft hatte, bestätigte am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung eine entsprechende Planung.

Erst Anfang September hatte der neue Streetscooter-Chef Jörg Sommer mitgeteilt, gemeinsam mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery einen Streetscooter speziell für den Markt in China entwickeln zu wollen.

Schon diese Nachricht kam im September eher unerwartet, weil die Deutsche Post frühere Expansionspläne ihrer Aachener Tochter nach Recherchen unserer Zeitung noch abgelehnt hatte. Erst als Jörg Sommer vergangenes Frühjahr den RWTH-Professor und Mitgründer Achim Kampker als Geschäftsführer bei Streetscooter ablöste, änderte die Deutsche Post AG offenbar ihre Haltung zur Internationalisierung des E-Mobil-Herstellers.

Und noch bevor die Expansion nach China richtig begonnen hat, gibt Streetscooter seine USA-Pläne bekannt. Auch dieser Schritt ist keine Erfindung der derzeitigen Geschäftsführung, sondern waren schon vorher wiederholt Thema bei Streetscooter. Doch auch die Expansion in die USA hatte die Deutsche Post in der Vergangenheit noch abgelehnt.

Wie Post-Sprecher Alexander Edenhofer am Dienstag erklärte, würden die in Aachen und Düren produzierten Modelle zunächst bei DHL-Express in zwei amerikanischen Städten zum Einsatz kommen und getestet. Auch DHL Express ist eine Tochter der Deutschen Post AG. Um welche Städte es sich handelt, wollte Edenhofer nicht sagen. Eine Stadt soll an der Ost-, die andere an der Westküste der USA liegen.

Doch bevor das Pilotprojekt „im Laufe des Jahres 2020“ starten könne, müssten noch „behördliche Genehemigungen“ eingeholt werden. Nach entsprechenden „Gesprächen in den kommenden Wochen und Monaten“ werde die Testphase „wahrscheinlich eher gegen Ende des Jahres“ beginnen.

Anders als in China sei zunächst nicht geplant, ein neues Modell eigens für den US-amerikanischen Markt zu entwickeln, sagte Edenhofer. Die Deutsche Post AG bleibt damit Hauptkunde von Streetscooter: Von knapp 12.000 bisher produzierten Fahrzeugen fahren mehr als 10.000 für die Deutsche Post oder ihre Tochterunternehmen.