Aachen: Streetscooter dementiert Probleme mit der Zustellerflotte

Aachen: Streetscooter dementiert Probleme mit der Zustellerflotte

Schon im August hatte die ZDF-Sendung „Wiso“ über die Probleme mit dem umweltfreundlichen Streetscooter berichtet. „Wir sind am Ende mit unseren Nerven, das Fahrzeug geht mehrfach am Tag einfach aus, das führt zu brenzligen Situationen“, hatte einer der Zusteller anonym geklagt.

„Wir sind die Versuchskaninchen, und ich fürchte um mein Leben, weil das Auto nicht straßentauglich ist.“ Das war im Sommer. Die Deutsche Post, die Streetscooter vor ein paar Jahren übernommen hat, sprach damals eher von „Bedienungsfehlern“. Keinesfalls sei da ein noch nicht entwickeltes Produkt vorzeitig auf den Markt beziehungsweise auf die Straßen gelassen worden.

Inzwischen ist es Winter, die Probleme mit dem Streetscooter in der kalten Jahreszeit nehmen zu — so berichtet es jedenfalls die „Welt“ in ihrer Ausgabe am Donnerstag unter dem Titel: „Post-Zusteller haben Angst, den Streetscooter zu nutzen.“ Ziemlich deckungsgleich wurden die bekannten Vorwürfe wieder aufgegriffen.

Das Dementi der Post kam am Donnerstag schneller als der Weihnachtsmann. „Wir können die Kritik nicht ansatzweise nachvollziehen und weisen die Vorwürfe in aller Deutlichkeit zurück“, trat Sprecher Alexander Edenhofer aufs verbale Gaspedal. Die „Welt“ hatte berichtet, dass Fahrer abwägen, ob sie die Standheizung nutzen oder lieber zur Schonung der Batterie darauf verzichten müssten. Fahrzeuge blieben mitten auf der Strecke liegen, mehr als 70 Kilometer Fahrstrecke sei mit einer Batterieladung nicht möglich.

Mitarbeiter müssten sich intensiver auf den Ladestand der Batterie als ihre eigene Zustellarbeit konzentrieren. Komme es zu Ausfällen, müssten Spezialwerkstätten kontaktiert werden. Die Folge: stundenlange Wartezeiten, aus denen wiederum Probleme bei der Postzustellung resultierten.

Entwicklung mit Hilfe der Basis

Edenhofer ärgert sich über die anonym vorgetragene Kritik. „In Workshops holen wir regelmäßig die Rückmeldung unserer Zusteller ein.“ Auch Achim Kampker, der Geschäftsführer von Streetscooter, spricht davon, dass man das Fahrzeug aufgrund solcher Basis-Hinweise permanent weiterentwickelt würden.

Die Post hat vor ein paar Tagen das 5000. emissionsfreie Fahrzeug in Betrieb genommen. Eine weitere Produktionsstätte eröffnet bald in Düren, der Umbau der gesamten Zustellerflotte ist beschlossen und verkündet. Bislang haben die umweltfreundlichen Transporter 13 Millionen Kilometer zurückgelegt. „Wir sagen nicht, dass es keine Kritik gibt, aber generell fällt das Fazit sehr positiv aus, sonst wäre es auch betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, dass wir so entschlossen auf die E-Mobilität setzen“, bilanziert Edenhofer.

Die Jahreszeiten würden sich nur minimal auf die Fahrstrecken auswirken. Die Fahrzeuge seien in Schweden durchaus bei eisigen Bedingungen getestet worden. Selbst im Winter liege die Reichweite einer Batterieladung bei 85 Kilometer - „die durchschnittliche tägliche Fahrtstrecke liegt bei etwa 30 Kilometern.“ Bundesweit seien Wartung und Reparatur in 1500 Werkstätten möglich.

Rückendeckung bekommt das Unternehmen von Verdi. „Es ist schon lange bekannt, dass es in der ersten Generation die Kinderkrankheiten eines je nach Witterung zu schwachen Gebläses und Schwierigkeiten mit der Akku-Reichweite gab oder gibt“, sagt Günter Isemeyer, Pressesprecher des Bundesvorstands. „Bei den nachfolgenden Modellen sind diese Probleme aber inzwischen behoben.“