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Stolberg: Stolberger Medizintechniker Medos kauft in den USA ein

Stolberg : Stolberger Medizintechniker Medos kauft in den USA ein

Der Medizintechniker Medos AG, Stolberg, hat ehrgeizige Wachstumsziele. Gerade ist das US-Unternehmen Gish Biomedical Inc. gekauft worden, weitere Akquisitionen sind geplant.

Der Standort Stolberg wird ausgebaut, das Personal aufgestockt - kurzfristig um 15 bis 20 Mitarbeiter, kündigt der neue Vorstand - Thomas Theisen und Joachim Pelz - an. Auch eine Arbeitnehmervertretung soll gewählt werden: „Wir wollen einen starken Betriebsrat.” Alleinvorstand Hans Peter Inger ist seit Ende April von dannen.

Für den Wachstumskurs sei das Unternehmen finanziell „ausreichend ausgestattet”, sagt Pelz.

Denn der Alleinaktionär und Finanzinvestor Ventizz Capital Partners, Düsseldorf, hat mit einer Kapitalerhöhung die Kriegskasse gefüllt, derzeit liegt die Eigenkapitalquote bei 70 Prozent.

Die Medos Medizintechnik AG ist Entwickler und Hersteller von High-Tech-Produkten für die Herzchirurgie wie extrakorporalen Membran Oxygenatoren (ECMO), Ventricle Assist Devices (VAD), Pumpkammern zur Herzunterstützung, und Blutpumpen.

Der Bedarf steigt: In Deutschland, so Mediziner Theisen, werden im Jahr etwa 90.000 Operationen am offenen Herzen ausgeführt, in den USA 450.000.

Die Zahl wird sich angesichts der Alterung der Bevölkerung erhöhen. Dies erfordert auch eine ausgefeiltere Apparatur, bei Medos steht mittlerweile die 3. Geräte-Generation vor der Zulassung. Die neuen Systeme bedeuten höhere Umsatzerlöse und bessere Margen.

Sortiment erweitert

In Stolberg und Radeberg bei Dresden beschäftigt Medos 160 Mitarbeiter, Gish Biomedical hat rund 90 Beschäftige. Medos dürfte, so der Vorstand, im laufenden Jahr 20 Millionen Euro umsetzen, Gish 16,5 Millionen US-Dollar. Die Tochter, so Theisen und Pelz, verfüge über Produkte, die das Medos-Sortiment abrundeten, und sei zudem Sprungbrett auf den großen US-Kardiotechnik-Markt.

Ventizz hat mit Medos große Pläne: die Zielgröße für den Umsatz liegt bei 100 Millionen Euro. „Wir wollen internationalisieren und expandieren”, so Pelz.

Medos, so Michael Eßers von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Aachen, unterstreiche damit die Bedeutung dieses Life-Sciences-Standortes.

Zu Ventizz Capital - Managing Partner Reinhard Löchner ist Medos-Aufsichtsratschef - gehören drei Fonds, die 220 Millionen Euro investiert haben. Die Fonds sind an 28 Unternehmen aus Jung-Industrien beteiligt. Das bekannteste Engagement ist der Photovoltaik-Spezialist Ersol Solar Energy AG, Erfurt.

An dem TecDax-Wert hält Ventizz 50,41 Prozent. Medos war Anfang 2006 für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag übernommen worden. Verkäufer waren Familiengesellschafter, die Sparkassen-Tochter S-UBG AG, Aachen, und die genossenschaftliche WGZ Initiativkapital, Münster.