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Stolberg: Stolberger Dalli-Werke trotzen der Konsumflaute

Stolberg : Stolberger Dalli-Werke trotzen der Konsumflaute

Auch in der Konsumflaute im 1. Halbjahr haben die Stolberger Dalli-Werke noch einmal zulegen können. Der Umsatz stieg um fünf Prozent und auch für das Gesamtjahr dürfte das Ergebnis - ebenso wie im Vorjahr - im schwarzen Bereich bleiben.

2001 lag der Umsatz der Dalli-Werke bei rund 400 Millionen Euro. Dabei wird nur ein Bruchteil der Produkte unter eigenem Namen vertrieben.

Während der deutsche Einzelhandel in diesem Jahr nicht auf die Beine kommt, verbuchten Discounter wie Aldi, Lidl oder Norma deutliche Wachstumsraten.

Davon profitierten auch die Stolberger Dalli-Werke, deren Angebot von Wasch- und Geschirrspülmitteln über Haushaltsreiniger bis zu Haar- und Körperpflegeprodukten reicht. 85 Prozent der Jahresproduktion werden als Handelsmarken abgesetzt.

Wer in Aldi-Regalen zu „Tandil” greift, weiß meist nicht, dass es aus Stolberg stammt. In den Läden sämtlicher deutscher Einzelhandelsketten sind die Dalli-Produkte unter einer Vielzahl von Namen vertreten.

Dennoch wird auch die Eigenmarke gepflegt: 15 Prozent werden unter der Bezeichnung „dalli” oder „Evidur” vertrieben. Bei einer Jahresmenge von 400 000 Tonnen und sechs Produktionsstandorten in Deutschland und den Niederlanden sind die Dalli-Werke der größte Handelsmarkenhersteller in Deutschland und Nummer 2 in Europa.

Ende der 90er Jahre lief das Geschäft zeitweilig mit stark gebremstem Schaum. Bei einem Umsatzanwachstum brachen die Margen ein und unter dem strich standen rote Zahlen. In einem Gespräch skizziert Albrecht Wirtz, einer der fünf Geschäftsführer, die Strategie, die Dalli damals aus der Krise herausführte:

Vom reinen Waschmittelhersteller wandelte sich Dalli zum „Partner des Handels”, mit dem bereits im Vorfeld die Entwicklung und Vermarktung neuer Produkte geplant wird.

Die Halbierung der Artikelzahl und eine größere Leistung in einzelnen Standorten sorgt für eine höhere Produktivität.

Ein Personalabbau im Verwaltungsbereich um 200 Stellen garantiert eine schlanke Organisation.

Zugleich sorgten die übrigen Teile des Familienkonzerns Wirtz mit einer Finanzspritze von 50 Millionen Mark für die erforderlichen Investitionen.

Wenn Albrecht Wirtz in die Zukunft blickt, gibt er sich optimistisch: „Wir werden aus eigener Kraft wachsen und durch Kostenmanagement und Innovationen die Rolle des Preisführers in der Branche übernehmen.” Das ist angesichts des knallharten Wettbewerbs und der Konzentration im Einzelhandel nicht leicht.

Aber Wirtz setzt auf die Kooperation mit dem Handel bei der Entwicklung neuer Produkte und die Pflege der Eigenmarken. Jüngstes Produkt der auf 60 Mitarbeiter am Standort Stolberg aufgestockten Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist „dalli-med”, ein neuartiges Flüssigwaschmittel für Allergiker, das jetzt in den Handel kommt.

Mit den alten Seifensiedern hat die moderne Waschmittelherstellung nichts mehr zu tun. „Dreischichtige Tabs für Geschirr-Reiniger sind High-Tech-Produkte”, erläutert Wirtz. Nur der technologische Vorsprung bei den Rezepturen und der Fertigung sei auch ein Garant für die Dalli-Standorte in Deutschland.

Sollten in zukunft große Konzerne anklopfen, um den Mittelständler in Stolberg zu schlucken, hält Albrecht Wirtz dem entgegen: „Wir haben unternehmerische Freude am Geschäft und bestehen auf unserer Eigenständigkeit.”

Der mittelständische Stolberger Familienkonzern Wirtz ruht auf drei Säulen: Neben den Dalli-Werken (Umsatz 2001: 400 Millionen Euro) mit 1400 Mitarbeitern - davon 750 in Stolberg - sind dies das Pharmaunternehmen Grünenthal und der Haar- und Körperpflegeanbieter Mäurer + Wirtz.

Die drei Gesellschaften erwirtschafteten 2001 mit mehr als 6000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Mäurer + Wirtz kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro.

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