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Aachen: Statt Fusion mehr Kooperation angestrebt

Aachen : Statt Fusion mehr Kooperation angestrebt

Ein engagiertes Plädoyer für den Erhalt des dreigliedrigen deutschen Bankenwesens lieferte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen, Jochen Bräutigam, bei der Vorlage der Bilanzzahlen.

Damit schaltete er sich in die aktuelle Diskussion über die Zukunft der deutschen Bankenlandschaft ein und bezog eindeutig Position: „Wir sind der Auffassung, dass das ,Drei-Säulen-System seine Berechtigung hat.”

Im Nebeneinander von Großbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen komme den Kommunal-Instituten eine wichtige „Korrekturfunktion” zu.

Wer stehe mittelständischen Unternehmen zur Seite und ermögliche allen Bürgern den Zugang zu einem Konto?, stellte Bräutigam heraus und verwies zugleich auf die wirtschaftsfördernde Funktion seines Instituts, das sich an einer Vielzahl von Technologie- und Gründerzentren in der Region beteilige.

Angesichts der jüngsten Übernahmebemühungen der Großsparkassen an der Rheinschiene gab Bräutigam für sein Institut die Losung aus: Kooperation ja - Fusion nein. Auf dieser Schiene liegt auch die neue Service-Gesellschaft der Sparkassen Region Aachen mbH, an der sich die Institute aus Düren, Heinsberg und Aachen beteiligen.

Ab 1. Mai soll die Gesellschaft am Standort Düren den beleghaften Zahlungsverkehr der Sparkassen Aachen und Düren abwickeln. „Das ist nur der erste Abschnitt einer praktischen Kooperation, und wir stellen Überlegungen an, welche weiteren Schritte folgen werden”, kündigte Bräutigam an, ohne Details preiszugeben.

Das Jahr 2003 wurde mit einem „zufriedenstellenden Geschäftsergebnis” abgeschlossen. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 1,3 Prozent auf rund 9,2 Milliarden Euro. Damit rangiert das Haus unter den Top Ten der deutschen Sparkassen.

Das Kreditvolumen wuchs „moderat” um 1,4 Prozent auf 5,35 Milliarden: der Wertberichtigungsbedarf bei Wackelkrediten fiel niedriger aus, bei den Konsumentendarlehen sind jetzt 70 Prozent mit einer Restschuldversicherung abgesichert. Das neue Produkt S-Kredit-Schutz - es bezieht neben Todesfall auch Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit ein - „erfreut sich großer Beliebtheit”.

Der Einlagenbestand war mit minus 0,3 Prozent auf 6,61 Milliarden leicht rückläufig, da Anleger erhebliche Mittel in Investmentfonds anlegten. Es waren fast 100 Millionen Euro.

Der Wertpapierumsatz insgesamt stieg um 18 Prozent auf 672 Millionen Euro. Wiederum überdurchschnittlich war die Rentabilität, berichtete Bräutigam. Deutlich besser war der Provisionsüberschuss (flotter Wertpapierabsatz, größeres Verbundgeschäft mit Provinzial und LBS).

Unter dem Strich stand ein Ergebnis der operativen Geschäftstätigkeit von 126 Millionen Euro - ein Plus von fast sieben Prozent. Vom Jahresüberschuss in Höhe von 35,8 Millionen gehen insgesamt 3,2 Millionen an die Gewährsträger Stadt und Kreis Aachen, das Eigenkapital wird auf 476 Millionen Euro angehoben.