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Aachen: Starkes Ego, spektakuläre Erfolge

Aachen : Starkes Ego, spektakuläre Erfolge

Die Zahlen stimmten, die Chemie nicht: Der Vorstandschef des Versicherungskonzerns AMB Generali, Aachen, Walter Thießen (56), geht Ende Juni - vier Jahre vor Vertragsende und auf Druck des italienischen Großaktionärs Generali, Triest.

Der Abgang erfolgt nach offizieller Darstellung „in gegenseitigem Einvernehmen”. Intern heißt es, das Verhältnis zwischen dem selbstbewusstem Thießen und Generali-Boss Sergio Balbinot sei nachhaltig gestört.

Ein weiterer Grund ist, dass der Triester Traditionskonzern - wie derzeit in der europäischen Assekuranz üblich - die deutsche Tochter enger an sich binden will.

So rückt der bisherige AMB-Generalbevollmächtigte Lorenzo Kravina in den Vorstand auf, er ist der erste Triester in der Konzern-Spitze. Und der derzeitige Finanzvorstand Dietmar Meister wird nur Sprecher des zweiköpfigen Vorstands, nicht Vorsitzender.

Im März 2006 hatte Generali den freien Aktionären ein Abfindungsangebot gemacht - 98 Euro je Aktie. Das war vielen Anteilseignern zu wenig, 115 Euro kursierten damals als Richtgröße. Daher konnte Generali ihre AMB-Beteiligung von knapp 71 Prozent nur auf gut 85 Prozent aufstocken.

Gemessen an den Zielvorgaben des Dreijahresplans der Triester - bis 2008 will Generali den Gewinn um 50 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro steigern und die Dividende verdoppeln - liegt der AMB-Konzern offenbar im Plan. Der Jahresüberschuss 2007 soll auf mindestens 380 Millionen Euro steigen, das Beitragswachstum über dem Durchschnitt der Branche liegen, dies bedeutet weitere Marktanteilsgewinne in Deutschland.

2006 war der Gewinn um 44 Prozent auf 451 Millionen hochgeschnellt - dank eines steuerlichen Sondereffekts, der 105 Millionen in die Kasse brachte. Damit war aber - auf dem Papier - die Zielvorgabe für 2008 erreicht.

In den fünf Jahren als Vorstandschef hat Thießen Spektakuläres geleistet. Früher als Konkurrenten vereinheitlichte er die IT-Architektur des Mehr-Marken-Konzerns (AachenMünchener, Volksfürsorge, Central, Generali, Cosmos), was zugleich eine Stärkung des IT-Standorts Aachen beudetete. Allerdings wird der Konzernsitz von Aachen nach Köln verlagert - das verkürzt die Wege nach Triest.

Zugleich straffte er die Hauptstandorte Aachen, Köln, Hamburg und München durch Personalabbau und Ausgründung von Dienstleistungen wie Rechnungswesen, Steuern, Einkauf und Gebäudemanagement.

Schlagzeilen machte die Entscheidung, den kompletten Vertrieb der AachenMünchener in die (einflussreiche) Konzern-Halbtochter Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG), Frankfurt, auszulagern, die bereits den größten Teil des Neugeschäfts akquiriert.

Darüber regte sich zwar Unmut, doch zu Protesten wie beim Branchenführer Allianz AG, München, kam es nicht.

Unbeschadet überstand Thießen auch die Schrottimmobilien-Affäre bei der Tochter Badenia Bausparkasse und - inzwischen eingestellte - Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen des Verdachts der Bestechlichkeit durch ein Wuppertaler IT-Unternehmen.