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Aachen: Stahlbranche: Sanierungsstau bei Verkehrs-Infrastruktur

Aachen : Stahlbranche: Sanierungsstau bei Verkehrs-Infrastruktur

Trotz der noch relativ günstigen Konjunktur beklagt die deutsche Stahlbranche die „starke Zurückhaltung” der öffentlichen Hand bei Investitionen - woran ebenfalls deren aktuell sprudelnden Steuereinnahmen nichts änderten.

Beim 36. Deutschen Stahlbautag, der noch bis zum heutigen Freitag im Aachener Eurogress stattfindet, diskutieren rund 750 Branchenvertreter gemeinsam bewegende Themen.

Wie Bernhard Hauke, Sprecher der Geschäftsführung des veranstaltenden Bauforums Stahl, am Donnerstag vor der Presse bekräftigte, gerate angesichts dessen insbesondere „die dringend benötigte Erneuerung der Verkehrs-Infrastruktur weiter in Verzug”. Allein in Nordrhein-Westfalen seien selbst nach Einschätzung des Landesverkehrsministeriums mehr als 300 Bauwerke an Autobahnen und Bundesstraßen kurzfristig sanierungsbedürftig, müssten für den wachsenden Verkehr ertüchtigt oder neu gebaut werden. Mittelfristig kämen weitere 700 Brücken aus den sechziger und siebziger Jahren hinzu, listete Hauke zudem auf. „Ein moderner, umweltverträglicher Brückenbau mit Stahl- und Stahlverbundbrücken könnte Abhilfe schaffen”, fügte er an. Mit Stahl ließen sich auch alte, sanierungsbedürftige Spannbetonbrücken problemlos ersetzen. Dabei könne die alte Unterkonstruktion der Fundamente und Stützen weiter genutzt werden, ergänzt um einen leistungsfähigeren Oberbau in Stahlverbund mit breiterer Fahrbahn. Dies sei möglich, weil Stahl im Vergleich zu Beton leichter sei, eine höhere Tragfähigkeit bei kleinen Querschnitten aufweise.

Akute Sicherheitsprobleme bei den Brücken angesichts des Sanierungsstaus fürchtet der Verband allerdings noch nicht. Wohl hätten die Verkehrsteilnehmer bereits vielfach die Folgen zu spüren, weil die Höchstgeschwindigkeit reduziert werden müsse, wodurch die Nutzung der Straße für die Autofahrer eingeschränkt werde.

Der deutsche Stahlbau konnte mit einer Produktion von einer Million Tonnen im ersten Halbjahr 2012 an das „überaus gute Baujahr” 2011 anknüpfen. Insgesamt habe sich ein Zuwachs von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergeben. Volumensteigerungen habe es speziell im Bereich Masten gegeben, worunter auch Teile für Windkraftanlagen fielen, ferner im klassischen Industriebau. Für das Gesamtjahr 2012 wird mit rund zwei Millionen Tonnen im Kernbereich des konstruktiven Stahlbaus eine Produktion in der Größenordnung der letzten Jahre erwartet.

Das Bauforum Stahl, das Anfang des Jahres mit dem Deutschen Stahlbau-Verband fusionierte, repräsentiert rund 500 Unternehmen entlang der gesamten Prozesskette des Stahlbaus, von den Stahlherstellern und -händlern, Stahlbaufirmen sowie Feuerverzinkungsbetrieben bis zu Planern und Vertretern der Wissenschaft. Bei der Aachener Tagung wurden mit Blick auf die Energiewende insbesondere das nachhaltige Bauen und der Vorrang für regenerative Recycling-Baustoffe bekräftigt.

Heute werden traditionelle Stahl-Architekturpreise verliehen.