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Gesetzesänderung: Sprunghafter Anstieg der Privatpleiten in NRW zu Jahresbeginn

Gesetzesänderung : Sprunghafter Anstieg der Privatpleiten in NRW zu Jahresbeginn

Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt zu Jahresbeginn in NRW deutlich. Experten führen dies vor allem auf eine Gesetzesänderung zurück. Im Laufe des Jahres dürfte aber auch die Corona-Krise durchschlagen.

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist in Nordrhein-Westfalen einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel zufolge im ersten Quartal drastisch gestiegen. Insgesamt hätten zwischen Januar und März im bevölkerungsreichsten Bundesland 8142 Personen Privatinsolvenz angemeldet. Das bedeute eine Steigerung von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtete die Wirtschaftsauskunftei.

Grund für den Anstieg ist laut Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein hauptsächlich eine Gesetzesreform, die viele Betroffene abgewartet hätten. Demnach können Verbraucher inzwischen einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von den Restschulden befreit werden. „Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet“, erläuterte Schlein. Bundesweit gab es Crifbürgel zufolge im ersten Quartal 31 821 Privatinsolvenzen. Das waren 56,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die nördlichen Bundesländer waren dabei weiterhin stärker betroffen als der Süden Deutschlands. So führte Bremen die Statistik mit 76 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgte Hamburg mit 57 Insolvenzfällen je 100.000 Einwohner. Der Bundesdurchschnitt lag in den ersten drei Monaten des Jahres bei 38 Privatpleiten je 100.000 Einwohner. Über diesem Schnitt rangierten auch die Länder Niedersachsen (52), Schleswig-Holstein und das Saarland (je 49), Mecklenburg-Vorpommern (47) sowie Nordrhein-Westfalen (45). Am wenigsten Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner wurden den Angaben zufolge in Bayern (26), Hessen (29) und Thüringen (30) gemeldet.

Nach zehn Jahren sinkender Zahlen erwartet Crifbürgel im Gesamtjahr 2021 bundesweit in etwa eine Verdoppelung der Privatpleiten auf bis zu 110.000 Fälle. Die unmittelbar von der Coronavirus-Pandemie verursachte Insolvenzwelle wird nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei ab wohl dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich zum Beispiel durch Kurzarbeit deutlich spürbar. Auf Dauer führe weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz. Verbraucher haben vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Behörden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften.

(dpa)