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Steigende Energiepreise: Sprit sparen im Selbstversuch

Steigende Energiepreise : Sprit sparen im Selbstversuch

Mit einem Spritspar-Trainer kann die eigene Fahrweise optimiert werden. Bis zu 20 Prozent des Verbrauchs kann eingespart werden. So schont man Geldbeutel und Umwelt.

Erste Lektion, wenn es ums Spritsparen geht: Rollen ist besser als Fahren. Wer rollt, braucht weniger Kraftstoff. Was es nicht einfacher macht. „Rollen lassen“, ermahnt mich Rainer Kiauka denn auch zum wiederholten Mal, als es darum geht, seine Tipps am Steuer umzusetzen. Der 67-Jährige ist Fahrschullehrer und vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat zertifizierter Spritspar-Trainer. Als solcher versucht er, eingeschliffene Fahrstile so zu verändern, dass sich das an der Tankstelle und für die Umwelt auszahlt.

Wegen der stark gestiegenen Benzinpreise sei die Nachfrage für solche Trainings derzeit besonders hoch, erzählt er. Bis zu 20 Prozent betrage das Sparpotenzial. „Selbst bei denen, die sich mit dem Gasfuß bereits zurückhalten, ist noch viel rauszuholen“, verspricht der Gelsenkirchener. Aber wie viel ist tatsächlich drin? Und klappt das Sparen auf Anhieb? Wir haben es ausprobiert.

Das Training läuft immer nach demselben Schema ab: Nach einer Route durch die Stadt, bei der sich der Fahrer so verhält wie immer, analysiert ein Coach die Fehler und erklärt, wie es besser geht. Danach wiederholen beide die Runde, nur versucht der Fahrer nun, die Tipps anzuwenden und Benzin zu sparen. So weit die Theorie. In der Praxis verlangt es allerdings derart viel Konzentration, das eigene Verhalten umzustellen, dass manches buchstäblich auf der Strecke bleibt.

Nach zehn Kilometern durch Düsseldorf verzeichnet der Bordcomputer des von mir an diesem Tag pilotierten Audi Q3, einem Diesel mit Handschaltung, einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern. Kiauka erklärt daraufhin die fünf goldenen Regeln des Spritsparens: 1. Durch vorausschauendes Fahren Schwung nutzen, anders gesagt: Rollen lassen. 2. Mit niedrigen Drehzahlen fahren. 3. Früh hochschalten. 4. Reifenluftdruck überprüfen. 5. Keinen Kraftstoff über elektrische Verbraucher verschwenden. Auf geht’s.

Speziell mit dem erwähnten Rollen hapert es. Vor allem, weil der Blick ständig zum Drehzahlmesser geht, um beim schnellen Hochschalten nicht über 2000 und nicht unter 1000 Umdrehungen zu fallen. Da erinnert Kiauka schon wieder angesichts einer roten Ampel in mittlerer Distanz ans Auskuppeln und natürlich – ans Rollenlassen. Ausgekuppelt deshalb, weil der Wagen so nur verbraucht, was er im Leerlauf benötigt.

Von der Ampel weg heißt es schnell hochschalten, als Faustregel in den zweiten Gang bei 20, in den dritten bei 30, in den fünften bei 50 km/h. „Hohe Drehzahl bedeutet hoher Verbrauch und hoher Schadstoffausstoß“, erklärt Kiauka. Es müsse niedertourig gefahren werden, darauf seien heute alle Autos ausgelegt. Untertourig dagegen, also unter Leerlaufdrehzahl, sollte vermieden werden. „Deshalb nicht weich Gas geben, sondern hart und flott hochschalten, auch mal vom dritten in den fünften Gang springen“, sagt Kiauka. Spritsparen bedeutet also zumindest am Anfang viel Arbeit. Als Lohn winkt von ferne das Plus im Portemonnaie.

Damit argumentiert auch Tarek Nazzal, Geschäftsführer der Kölner Firma Allegium, die sich unter anderem auf Spritsparkurse für Großkunden mit Dienstwagenflotte spezialisiert hat. Kiauka ist einer der Trainer, die Allegium vermittelt. „Wichtig ist es aus unserer Sicht, das Sparpotenzial der Mitarbeiter auf die Straße zu bekommen“, sagt Nazzal. „Dazu muss die Verhaltensänderung belohnt und in die Unternehmenskultur eingebunden werden.“

Er beziffert den erreichbaren Spareffekt auf zwölf bis 20 Prozent, betont aber, dass sich alte Gewohnheiten nach einer gewissen Zeit wieder durchsetzen und das Erlernte deshalb regelmäßig aufgefrischt werden müsse. Ziel sei es, nachhaltig auf das Fahrverhalten einzuwirken. Würde das im großen Stil geschehen, müsste das Kassen und Umwelt entlasten: Für die Schweiz und Österreich geht etwa die Initiative Quality Alliance Eco-Drive pro Jahr von einer Ersparnis von 500 Millionen Liter Treibstoff aus.

Bei mir schlägt am Ende der Fahrt knapp ein Liter weniger im Durchschnittsverbrauch zu Buche: 5,9 statt 6,8 Liter. Immerhin. Ich habe gelernt, dass es im Stadtverkehr wichtig ist, mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand zu halten plus eine Pufferzone von einer Wagenlänge. So gelingt es auch besser, das Fahrzeug, na was schon, rollen zu lassen. Schnelles Hochschalten, niedrigtouriges Fahren sind gewöhnungsbedürftig, weil der Wagen so schwerfällig wirkt.

Aber es gibt ja noch die silbernen Sparregeln – etwa den Reifendruck um 0,2 bar zu erhöhen, um den Rollwiderstand zu verringern, und die Start-Stopp-Automatik zu nutzen, sofern vorhanden. „Drei Minuten Leerlauf bedeuten so viel Verbrauch wie ein Kilometer Fahrt bei 50 km/h“, sagt Kiauka.

Das Spritsparen im Do-it-yourself-Verfahren funktioniert also, sofort und ohne Vorkenntnisse. „Man muss es nur wollen und zulassen“, sagt Kiauka. Welche Effekte erzielt werden, hängt auch von äußeren Faktoren ab, der Temperatur zum Beispiel, der Topografie, dem Verkehrsaufkommen. Im Stau zum Beispiel steigt der Verbrauch um rund 30 Prozent. Auf der Autobahn ist die Geschwindigkeit die maßgebliche Größe: Jenseits der 120 km/h schießt der Verbrauch in die Höhe, laut Greenpeace verringert ein Tempolimit von 100 km/h den Treibstoffbedarf um 3,8 Prozent.

Nebenbei führt das spritsparendere Fahren auch zu mehr Sicherheit auf den Straßen. Laut Untersuchungen hätten bei den Firmenflotten, bei denen bewusst sparsam gefahren werde, die Kaskoschäden abgenommen, sagt Kiauka. „Das ist auch auf die höheren Sicherheitsabständen und die größere Gelassenheit der Fahrer zurückzuführen.“

Entspannt bin ich nach der Sparrunde zwar nicht, dafür aber Besitzer einer Urkunde, die mir bescheinigt, erfolgreich am Eco-Driving-Kurztraining nach Maßgabe des europäischen Projekts Ecowill teilgenommen zu haben. Erzielte Einsparung: 14 Prozent. Dafür kann man es auch mal rollen lassen.