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Aachen: Sparkasse Aachen: „Gift des billigen Geldes“ schlägt mit Macht durch

Aachen : Sparkasse Aachen: „Gift des billigen Geldes“ schlägt mit Macht durch

Die Zahlen sind durchweg gut, doch Hubert Herpers macht keinen Hehl aus seinen Sorgen. Angesichts von Niedrigzinsen und der Flut an billigem Geld, mit der die Europäische Zentralbank die Märkte „beglückt“, angesichts steigender Personal- und Sachkosten, auch um den strengen Aufsichtsregeln nachkommen zu können, muss sich der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen intensiv damit beschäftigen, wie er sein Haus in Zukunft aufstellen soll.

Schließungen von Geschäftsstellen sind weiter kein Thema, aber man werde sich etwa die Gebühren zum Jahresende „ganz genau anschauen“. Kosten müssten „mehr als bisher verursachergerecht in Dienstleistungen eingepreist werden“. Es wird also in einigen Bereichen teurer. Auch beim Personal wird auf jeden Fall bis 2019 sachte abgebaut — durch Fluktuationen und Ruhestand.

Die Kennziffern der Sparkasse Aachen für das erste Halbjahr:

Der Einlagebestand der privaten Kunden erhöhte sich um 55 Millionen Euro (plus 1,0 Prozent) auf 5,51 Milliarden Euro. Der Bestand der gesamten Kundeneinlagen liegt zur Jahresmitte bei knapp 7,7 Milliarden Euro — ein Plus von 1,1 Prozent. Dabei standen vor allem kurzfristige Anlagen auf Geldmarkt- oder Termingeldkonten im Fokus — die Kunden spekulieren darauf, später von wieder steigenden Zinsen profitieren zu können.

Auffällig: Privatkunden legen wieder mehr in Wertpapieren an — Investmentfonds und Aktien. Der Wertpapier-Nettoabsatz betrug im ersten Halbjahr 47 Millionen Euro — im ersten Halbjahr 2015 stand hier noch ein Minus von neun Millionen. Das Anlagevolumen der Privaten insgesamt stieg somit um gut 102 Millionen Euro, im Vorjahr waren es nur 56 Millionen Euro — das beste Ergebnis der letzten Dekade. Das Kreditgeschäft der Sparkasse Aachen nennt der Vorstandschef „dynamisch“.

Das Volumen wuchs um 118 Millionen Euro auf gut 7,93 Milliarden Euro — nach Darlehenstilgungen über 497 Millionen Euro. Die Sparkasse sagte 709 Millionen Euro als Darlehen zu — davon 329 Millionen an Unternehmen/Selbstständige und 274 Millionen an Privatpersonen. Klar, dass angesichts der niedrigen Zisen Immobilienfinanzierungen weiter zunehmen.

Für das laufende Jahr erwartet Herpers ein Betriebsergebnis von 1,22 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS, 2015: 1,45 Prozent). Die Cost/Income-Ratio, also das Verhältnis von Aufwand und Ertrag, veranschlagt er bei 56 Prozent (2015: 52 Prozent). Die Aussichten seien aufgrund der Niedrigzinsphase bescheiden: Der Zinsüberschuss soll von 2,33 Prozent 2015 auf 2,14 Prozent der DBS sinken, der Zinsertrag von 2,88 auf 2,58 Prozent.

All das zeigt: Auch die Sparkasse Aachen kann sich „dem rückläufigen Trend nicht entziehen“, das Zinsergebnis als größte Ertragsquelle geht zurück. Das „Gift des billigen Geldes“ schlägt durch. Diese Entwicklung könne duch Provisionserträge und Einsparungen „allenfalls ansatzweise kompensiert werden“.

(hjd)