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Köln: Sony, Gerling, Ford: Schwarze Tage für Köln

Köln : Sony, Gerling, Ford: Schwarze Tage für Köln

Die Spekulationen gibt es seit langem - jetzt sind sie innerhalb weniger Wochen Gewissheit: Der Wirtschaftsstandort Köln wird in den kommenden Monaten bluten.

Erst kündigt der Kölner Autobauer Ford an, nach dem Personalabbau der vergangenen Jahre in Deutschland erneut Stellen zu streichen.
Dann meldet sich das Traditionsunternehmen Gerling zu Wort: Nach jahrelangen Spekulationen über einem neuen Mehrheitsaktionär verkündet der Versicherer nun die Übernahme durch den Talanx-Konzern mit Sitz in Hannover.
Dann gibt Sony Deutschland bekannt: Umzug von Köln nach Berlin.

Und mit diesen Entwicklungen ist eine Sache klar: Köln droht ein erheblicher Stellenabbau in den kommenden Wochen und Monaten. Bei den Kölner Ford-Werken geht es um bis zu 1300 der 19.000 Stellen. Zwar soll der Abbau vor allem mit Abfindungen und Vorruhestand erreicht werden, aber das schon bis zum Jahresende.
Der Betriebsrat wirft dem Ford-Management „Hilf- und Strategielosigkeit” vor. Das Unternehmen hatte in den vergangenen drei Jahren bereits 1500 Stellen mit Hilfe von Vorruhestand und Abfindungen abgebaut.

Völlig ungewiss ist die Lage beim Kölner Traditionsunternehmen Gerling. Derzeit dringt nichts von dem nach außen, was sich hinter der edlen Fassade der Zentrale im Herzen Kölns abspielt. Nur eines ist sicher: Wenn alle Genehmigungsbehörden zustimmen, wird der Versicherer nach mehr als 100 Jahren Eigenständigkeit von Deutschlands Nummer drei aus Hannover übernommen.
Das Resultat: Die Zukunft der 6800 Gerling-Beschäftigten ist unklar. Am Gerling-Traditionsstandort Köln arbeiten derzeit 4000 Beschäftigte. Wie viele Menschen das Unternehmen verlassen werden oder auch möglicherweise in die niedersächsische Landeshauptstadt wechseln müssen, bleibt der Öffentlichkeit noch verborgen.

Und nun kündigt Sony Deutschland an: Wir gehen von Köln nach Berlin. Diese Spekulationen hatten sich über Jahre gehalten und wurden immer wieder dementiert. Doch nach mehreren Verlustjahren der Sony Deutschland scheint kein Weg mehr an der Bündelung der Aktivitäten in die Zentrale von Sony Europe in Berlin vorbei zu gehen.
Die Konsequenz: Die Zukunft der rund 650 Beschäftigten in Köln ist ungewiss. Sony-Deutschland-Chef Martin Gerdes hüllte sich dazu am Dienstag beharrlich in Schweigen.

Von Seiten der Stadt war in dem Zusammenhang zu hören: „Die Entscheidung bei Sony war eine, die nicht in Deutschland, sondern im fernen Japan gefallen ist”, sagte der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) auf Anfrage. In einem Gespräch mit Gerdes habe sich herausgestellt, dass das Elektronikunternehmen „Hauptstadt konzentriert sein wolle”.

Bei Gerling jedoch hat die Stadtspitze noch nicht ganz aufgegeben. Man hoffe, dass der Kern der Beschäftigten in Köln bleibe, sagte Schramma. Eines sei allerdings klar: „Jedes Unternehmen, das zu macht oder weggeht, ist immer ein Verlust.”

Und das nicht zuletzt für die hoch verschuldete Kommune, der damit empfindliche Steuereinbußen ins Haus stehen. Der Experte der Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK), Detlev Sachse, befürchtet noch einen anderen Effekt: „Wenn solche symbolträchtigen Unternehmen eine Stadt verlassen, entsteht immer ein Imageschaden für den Wirtschaftsstandort.”