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Alsdorf: Siemens muss bei Cycos neuen Anlauf nehmen

Alsdorf : Siemens muss bei Cycos neuen Anlauf nehmen

Der Siemens-Konzern muss einen neuen Anlauf zur vollständigen Übernahme des Software-Herstellers Cycos unternehmen.

Durch Kaufverträge mit Großaktionären habe man sich zwar eine Mehrheit von rund 54 Prozent gesichert, teilte die Siemens AG am Freitag in München mit.

Auf ein freiwilliges Übernahmeangebot gingen aber nur gut 90 Prozent ein. Für die geplante vollständige Übernahme hatte Siemens aber mindestens 95 Prozent als Marke gesetzt.

Jetzt wird ein Pflichtangebot vorbereitet: Das Angebot von 5,50 Euro je Aktie bleibt. Die Kaufsumme liegt bei 42 Millionen Euro.

Cycos-Vorstandsvorsitzender Klaus Pfleiderer hob am Freitag im Gespräch mit der AZ vor allem die positiven Seiten hervor.

„Definitiv ist, das Siemens jetzt kauft und auch den Preis von 5,50 Euro je Aktie bezahlt. Die einzige Zitrone ist, dass der ein oder andere Aktionär sein Geld etwas später bekommen wird”, so Pfleiderer.

Die Siemens-Mehrheit beziehungsweise die spätere Übernahme sei für die Cycos AG, für die Mitarbeiter und die Kunden jedenfalls eine zukunftssichere Lösung und gut für den Standort Alsdorf und die gesamte Region.

Nach Microsoft komme mit Siemens einer der großen Branchenkonzerne in den hiesigen Wirtschaftsraum und sichere Arbeitsplätze.

Vorstand und Aufsichtsrat würden auf jeden Fall den freien Aktionären empfehlen, das Siemens-Angebot im Laufe des zweiten (Pflicht-)Übernahmeverfahrens anzunehmen.

Der Münchener Konzern hielt bisher bereits rund zwei Prozent der Cycos-Aktien. Die jetzt zusätzlich übernommenen knapp 52 Prozent wurden vorwiegend von den Großaktionären gehalten.

Cycos zählt zurzeit 143 Mitarbeiter an mehreren Standorten. Allein in Alsdorf sind 100 Mitarbeiter beschäftigt. Im letzten Jahr wurde ein Umsatz von rund 15 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 10,8 Millionen Euro im Jahr davor.

Pfleiderer erwartet nach der Übernahme der Mehrheit durch Siemens „zumindest kurzfristig keine Änderungen”, wobei er allerdings „im Rahmen von späteren Umstrukturierungen oder wegen des wirtschaftlichen Umfeldes” Auswirkungen nicht ausschließen will.

Standortwechsel oder Stellenabbau seien „momentan” nicht in der Diskussion, sagte am Freitag ergänzend auch eine Siemens-Sprecherin.

Die beiden Unternehmen arbeiten schon seit mehreren Jahren bei der Produktentwicklung und im Vertrieb zusammen.

Ziel des neuen Angebotes sei es, den Hersteller von Software-Lösungen für Unified Messaging durch eine vollständige Übernahme möglichst schnell in den Siemens-Bereich ICN zu integrieren, hieß es am Freitag bei Siemens weiter.

Die Cycos-Software ermöglicht es den Angaben zufolge dem Anwender, elektronische Nachrichten wie Fax, SMS, Sprachnachrichten oder E-Mail auf unterschiedlichen Endgeräten zu empfangen und zu bearbeiten.

Eine Sprecherin von Siemens erklärte auf AZ-Anfrage, dass man optimistisch sei, die vollständige Übernahme von Cycos im zweiten Anlauf perfekt zu machen.

Das Angebot zur freiwilligen Übernahme sei gescheitert, da Siemens nur knapp über 90 Prozent der Anteile hätte erwerben können, so die Sprecherin.

95 Prozent hätte man aber gebraucht, um das so genannte „Squeeze-Out-Verfahren” anzuwenden. Dann nämlich hätten die Besitzer der restlichen fünf Prozent ihre Anteile gegen eine Zwangsabfindung abgeben müssen.

Dass der erste Versuch fehlschlug, liegt nach Einschätzung des Siemens-Konzerns ausschließlich daran, dass nicht alle Aktionäre richtig informiert gewesen seien.

Da das Übernahme-Angebot von 5,50 Euro pro Aktie also nicht der Grund des Scheiterns gewesen sei, werde man die Offerte beim zweiten Anlauf, dem „Pflichtangebot”, nicht erhöhen.

Dieses Angebot wird nun der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (Bafin) in Berlin vorgelegt, die es prüft.

Dann werde, so die Siemens-Sprecherin, eine Frist von in der Regel vier bis sechs Wochen festgesetzt, binnen der das Verfahren zur Übernahme ablaufen kann.