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Aachen: Schumag will 200 Stellen streichen

Aachen : Schumag will 200 Stellen streichen

Der Aachener Automobilzulieferer Schumag kommt nicht zur Ruhe. Nachdem das vergangene Jahr durch die Auseinandersetzungen auf der Kapitalseite bestimmt war, wer denn eigentlich Eigentümer des Unternehmens sei, kommen jetzt massive wirtschaftliche Probleme hinzu.

Die Absatzkrise in der Automobilindustrie, von der die Präzisionsteilefertigung der Schumag zu über 50 Prozent abhängig ist, führt zu einem massiven Streit zwischen dem Vorstand des Unternehmens und dem Betriebsrat.

Während der Vorstand angesichts des erwarteten niedrigeren Produktionsniveaus in der Autoindustrie langfristig für die Schumag mit einer geringeren Fertigung rechnet und die Entlassungen von 200 der 668 Mitarbeiter plant, beharrt der Betriebsrat auf der Verlängerung der Kurzarbeit, bis sich bessere Zeiten einstellen.

Dreh- und Angelpunkt ist die hohe Liquidität des Unternehmens, das sich im Herbst von seiner Maschinenbausparte trennte, die an die weltweit operierende SMS-Gruppe in Düsseldorf ging. Die Verkaufserlöse sollten im Aachener Unternehmen bleiben, hieß es damals, und nicht an den damaligen Großaktionär Kazinakis fließen.

Aus diesem Topf soll nach Ansicht des Betriebsrates jetzt auch die Durststrecke mitfinanziert werden, während der Vorstand eher an Verbesserungen auf der Vertriebsseite denkt, um neue Aufträge hereinzuholen.

Für den Bevollmächtigten der IG Metall Aachen, Franz Peter Beckers, scheint der Liquiditätstopf, den er auf 20 Millionen Euro schätzt, „Begehrlichkeiten” im Umfeld der Eigner auszulösen: „Da strecken offenbar die Heuschrecken ihre Fühler aus”, vermutet er.

Für Schumag-Vorstandssprecher Rainer Kiechl dürfte sich im unmittelbaren Vorfeld der Hauptversammlung am 19. Mai Klarheit über die Eigentumsverhältnisse herausstellen. Dann müsse „der Nachweis über die Verfügungsgewalt der Stimmrechte” erbracht werden, erklärte er am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung.

Seit Wochen herrscht Unklarheit, wem das Unternehmen gehört. Zwei Parteien streiten vor Gericht um das Anrecht auf Aktien. Außerdem hatte die bisherige Eigentümerin, die Schumag Holding, unlängst Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte es undurchsichtige Aktiengeschäfte gegeben. 2007 hatte der Investor Kazinakis das Unternehmen aus der Insolvenzmasse von Babcock Borsig gekauft und den Kauf über Hedge Fonds finanziert.

Als der Investor bei den Fonds nicht mehr zahlte, wollten die Fonds die zur Sicherheit an sie verpfändeten Aktien versteigern. Zum Schluss behauptete ein Aufsichtsrat, neuer Mehrheitsaktionär zu sein.