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Aachen: Schienennetz der Region „muss ertüchtigt werden”

Aachen : Schienennetz der Region „muss ertüchtigt werden”

Die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) sieht einen erheblichen Ausbaubedarf beim Schienennetz in der Euregio.

Um den Personen- und -Güterverkehr bewältigen zu können, seien erhebliche Investitionen nowendig, erläuterte HWK-Geschäftsführer Jürgen Drewes am Donnerstag in Aachen.

Insgesamt hat die IHK in ihrer Bedarfsanalyse 157 Projekte ausgelistet. Insbesondere der Transitverkehr zwischen den Häfen Antwerpen und Rotterdam sowie Osteuropa und Südeuropa „geht drastisch nach oben”. Das Asiengeschäft über die Schiene gehe durch die Aachener Innenstadt, verdeutlichte Drewes die transkontinentalen Güterströme durch die Region.

Die Zuwächse seien zwar bisher überwiegend durch die Straße aufgenommen worden, „ohne die Schiene wird es aber künftig nicht mehr gehen”.

Sehr dringlich sei daher die Ertüchtigung der Bahnstrecke Brüssel-Köln für Hochgeschwindigkeitszüge und Gütertransporte, aber auch für den regionalen Personenverkehr. Diese Verkehre müssten „entmischt” (getrennt) werden. Erforderlich seien etwa im Buschtunnel zwei Röhren mit jeweils zwei Gleisen. Zwingend sei auch der Bau eines dritten und vierten durchgängigen Schienenstrangs zwischen Aachen und Düren, davon sollte einer als „Güter-Freeway” genutzt werden.

Die Strecke Aachen-Düren sei ein Flaschenhals, sie „ist chronisch überlastet und stößt - auch weil wichtige Überholungsmöglichkeiten demontiert wurden - täglich an ihre Belastungsgrenzen”. Wichtig sei auch die Neugestaltung des Hauptbahnhofs Aachen, um diesen TGV-Haltepunkt „nicht zu gefährden”, betonte Drewes.

Eiserner Rhein

Auch sollte der „Eiserne Rhein” (Antwerpen-Roermond-Duisburg) reaktiviert werden, denn er sei ein wichtiges Rückgrat des internationalen West-Ost-Güterverkehrs. Die topographisch schwierige Montzen-Route (Antwerpen-Hasselt-Aachen) sei mit einer Transportzeit von sieben Stunden nur halb so schnell wie der „Eiserne Rhein”. Gleichwohl sei auch eine „Ertüchtigung” der Montzen-Route, des Bahnhofs Aachen-West und des Knotens Düren nötig.

Der Rückbau von Gleisinfrastruktur müsse rückgängig gemacht werden. Erneut brach die Kammer eine Lanze für eine „Euregio Circle Line” als „einheitliches System” mit den in Aachen produzierten Triebzügen des Bombardier-Talents. Die „Circle Line” müsse mit Direktverbindungen zwischen den großen Städten der Euregio die Region abdecken als auch den Anschluss an das überregionale Streckennetz gewährleisten.

Den derzeitigen Kurs der Deutschen Bahn halte er „nicht für klug und vernünftig”, sagte Drewes. „Gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse kann man nur mit einem guten Produkt einfahren.” Derzeit sei die Politik weit von dem Ziel entfernt, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen.