„OxyContin“-Klagen: Schadenersatz in Milliardenhöhe

„OxyContin“-Klagen : Schadenersatz in Milliardenhöhe

Die sich abzeichnende Einigung in dem Opium-Prozess von Ohio dürfte Signalwirkung haben. Purdue Pharma ist bei weitem nicht der größte Spieler auf dem Pharma-Markt für Schmerzmittel, aber symbolisch der wichtigste. Denn dem Familienunternehmen gehören seit 1996 die Patente für das Medikament „OxyContin“, das bei seiner Markteinführung als Wundermittel angepriesen wurde.

Purdue-Vertreter versprachen Ärzten und Patienten, mit diesem Opiumprodukt werde die Schmerztherapie revolutioniert. Durch die langsame Abgabe des Wirkstoffs werde die Gefahr einer Abhängigkeit erheblich reduziert. Tatsächlich passierte das Gegenteil. „Oxy“, wie die Abhängigen das Medikament kurz nennen, spielt eine zentrale Rolle bei der Opiate-Krise, die in den USA bereits das Leben von 200.000 Menschen gekostet hat.

Einigungen zeichnen sich ab

Im Juli verklagten mehr als 2000 Bundesstaaten und Kommunen Purdue sowie andere Hersteller, Distributoren und Drogeriemärkte vor einem Bundesgericht in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Bundesrichter Dan Aaron Polster ermutigte die Beteiligten, vor dem im Herbst beginnenden Musterprozess zu außergerichtlichen Einigungen zu gelangen.

Genau das zeichnet sich nach Medienberichten nun im Fall des Pharma-Konzerns Purdue ab. Demnach scheint die Eigentümer-Familie Sackler bereit, die Kontrolle über das Unternehmen aufzugeben und drei Milliarden Dollar aus dem Privatvermögen dem Vergleich beizusteuern, dessen Gesamtwert auf rund zwölf Milliarden Dollar veranschlagt wird.

Außerdem verpflichtete sich der Konzern, Medikamente, die helfen, Suchtsymptom zu bekämpfen, kostenlos abzugeben. Ein Teil dieser Präparate wird zurzeit von der Gesundheitsbehörde FDA in einem Eilverfahren für eine Zulassung geprüft. Purdue bestätigte die Verhandlungen über einen Vergleich. Der Konzern sehe wenig Sinn darin, Jahre vor Gericht zu verschwenden.

Kürzlich veröffentlichte Daten der Anti-Drogenbehörde DEA zeigen, dass Purdue und andere Hersteller vor allem die Appalachen-Region an der Ostküste und die alten Industriegebiete im Rost-Gürtel Amerikas mit Opiumpillen überschwemmt haben. Zwischen 2006 und 2012 fluteten Hersteller und Distributoren den amerikanischen Markt mit insgesamt 76 Milliarden Pillen. Das entspricht 36 Opium-Pillen für jeden Amerikaner.

Bis zur Veröffentlichung der Daten stand Purdue, die der Familie Sackler gehört, als Hauptverantwortlicher für die Opiumkrise am Pranger. Nun ist klar, dass der Pharma-Konzern in dem Berichtszeitraum nach Ablauf des Patents nicht einmal einer der drei größten Hersteller war.

Eine Schlüsselrolle spielte auch Johnson&Johnson, das mit seinen Mohn-Plantagen in Tasmanien der Hauptlieferant für die Rohstoffe des Schmerzmittel-Marktes in den USA ist. Am Montag hatte ein Bundesgericht in Oklahoma dem Konzern zu einer Strafzahlung von 572 Millionen Dollar verurteilt.

Der Kurs der Aktie ging anschließend in die Höhe, weil Analysten mit einem sehr viel härteren Urteil gerechnet hatten.  Johnson&Johnson setzte 2018 Produkte für 81,6 Milliarden Dollar um.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung