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RWTH Wissenschaftler nominiert für Deutschen Zukunftspreis

Verleihung in Berlin : Deutscher Zukunftspreis für neue Software

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Mittwochabend den Deutschen Zukunftspreis verliehen. Auch der RWTH-Chemiker Walter Leitner und seine Partner waren mit einem CO2-Projekt unter den Nominierten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Mittwochabend den drei Münchener Unternehmern Alexander Rinke, Martin Klenk und Bastian Nominacher den Deutschen Zukunftspreis verliehen. Das Team hat eine Software entwickelt, die betriebliche Prozesse umfassend analysiert und effizienter gestalten kann. Sie schufen ein Tool, mit dem sich Unternehmensprozesse über alle Abteilungen, Hierarchie-Ebenen, Regionen und IT-Umgebungen hinweg untersuchen, visualisieren und verbessern lassen.

Diese Innovation wertet aus digitalen Geschäftsabläufen generierte Daten aus und kann so Engpässe oder Abweichungen von Zielvorgaben erkennen, bevor sie eintreten. Die Basis für diese neuartige Technologie entwickelten die drei Sieger als Studenten an der TU München und gründeten dort die heutige Celonis AG als Start-up. Das Unternehmen beschäftigt jetzt etwa 800 Mitarbeiter in Europa, den USA und Asien.

Die Auszeichnung gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftspreise der Republik und ist mit 250.000 Euro dotiert. Sie richtet sich an Wissenschaftler und deren Innovationen, die wirtschaftliches Potenzial entfalten und Arbeitsplätze schaffen.

Unter den drei Nominierten waren auch der Aachener RWTH-Chemiker Walter Leitner sowie dessen Partner Christoph Gürtler und Berit Stange. In ihrer Covestro Deutschland AG in Leverkusen haben die drei ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kohlendioxid (CO2) aus Abgasen als Ausgangsmaterial für die chemische Industrie nutzen lässt – und zwar zu marktfähigen Kosten. Die Idee des Teams: Das für den Klimawandel mitverantwortliche Treibhausgas gelangt nicht mehr in die Atmosphäre, sondern wird verwendet, um Alltagsprodukte – bis hin zu Kleidung – herzustellen.

Leitner ist Professor für Technische Chemie an der RWTH Aachen, Co-Sprecher des RWTH-Exzellenzclusters „The Fuel Science Center“, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Mülheim an der Ruhr und Koordinator des vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Projekts „Power-to-X“. Mit seinem Forschungsprojekt gibt er ein markantes Beispiel praxisorientierter Wissenschaft. „Es war großartig, im Finale zu sein“, sagte er nach der Verleihungsfeier unserer Zeitung. „Wir haben so viel positives Echo und so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen, dass wir sehr motiviert sind.“

Professor Walter Leitner von der RWTH Aachen macht CO2 nutzbar und war deshalb für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Foto: Andreas Steindl

Nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit ist es Leitner und seinen beiden Partnern in Kooperation von universitärer und industrieller Forschung (von RWTH und Covestro) gelungen, CO2 in Kunststoffen zu binden. In einer Pilotanlage in Dormagen wird das Produkt mit dem Namen Cardyon angefertigt und hat seine Eignung für den Einsatz in industriellem Maßstab bereits unter Beweis gestellt. CO2 gilt als schädliches Abfallprodukt von Verbrennungsprozessen. Leitner begreift es als Substanz, die fossile Rohstoffe wie Erdöl ersetzen und verwendet werden kann, um Textilfasern, Matratzenschäume oder Bindemittel für Sportböden herzustellen.