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Bergheim: RWE Power steigert die Braunkohlen-Förderung

Bergheim : RWE Power steigert die Braunkohlen-Förderung

Es war seine Abschiedsvorstellung: Zum 1. Januar 2013 wechselt Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG, nach Berlin und Brüssel. Den Begriff „Lobbyist“ hört der promovierte Ingenieur nicht so gerne. Seine Aufgabe werde die Herausforderung in Zeiten der Energiewende sein, den Politikern zu vermitteln, „wie Energietechnik funktioniert“. Sein Nachfolger wird Matthias Hartung, der „lange im Tagebau gearbeitet hat und das rheinische Revier kennt“.

Kurz vor seinem Wechsel ins Amt des „Konzernbeauftragten für energie- und wirtschaftspolitische Fragen“ erläuterte Lambertz ein dickes Zahlenwerk. „Das Geschäft in der Braunkohle läuft stabil“, fasste er seine Bilanz bei der Jahres-Pressekonferenz von RWE Power auf Schloss Paffendorf in Bergheim zusammen, ohne detaillierte Umsatz- und Ertragszahlen zu nennen.

Der Anteil des Konzerns an der Gesamtstromerzeugung in NRW liegt bei rund 45 Prozent. Die Fördermenge in diesem Jahr steigt auf gut 101 Millionen Tonnen Braunkohle, gegenüber 2011 ein Plus von etwa sieben Millionen Tonnen. Nach aktuellem Stand werden 2012 76 Terawattstunden Strom auf Braunkohlebasis produziert — gegenüber 68,3 TWh im Vorjahr ein Plus von elf Prozent.

Personell will der Konzern wie angekündigt weiter „behutsam schrumpfen“. Ende 2011 waren 16600 Menschen bei RWE Power beschäftigt, im dritten Quartal dieses Jahres waren es 390 weniger. Dieser Prozess gehe weiter, fügte Lambertz an. Dennoch setzt das Unternehmen auch künftig auf Ausbildung, 913 junge Menschen werden derzeit auf ihren Job vorbereitet. 2013 sollen zusätzliche Azubis wegen des doppelten Abiturjahrgangs eingestellt werden.

RWE Power vergibt in diesem Jahr Aufträge über eine Milliarde Euro, die überwiegend an rund 3500 Firmen aus der Region gehen. Investitionsschwerpunkte sind Modernisierung und Instandhaltung von Tagebauen und Kraftwerken. Lambertz sieht den Konzern „ganz eng mit der Region verankert“. Basis dafür sei „immer Dialogbereitschaft“, kartete er dabei bezüglich der jüngsten Proteste im Hambacher Forst nach.

Bei den Kritikern habe „kein Interesse an einem konstruktiven Dialog bestanden. Dass es zahlreiche Übergriffe auf Mitarbeiter gegeben hat, zeigt ebenfalls, dass es nicht um demokratisches Ringen um Positionen geht.“ Vielmehr hätten „einige Wenige mit radikalen Mitteln Stimmung gegen die Braunkohle machen wollen“.

Bezüglich der Energiewende lautet seine Forderung, dass sie „nur gelingen kann, wenn auch neue konventionelle Kraftwerksprojekte in Angriff genommen werden“. RWE Power engagiert sich derzeit lediglich für Ersatzmaßnahmen.