Ende des Insolvenzverfahrens: Rund 80 Oebel-Standorte wurden gerettet

Ende des Insolvenzverfahrens : Rund 80 Oebel-Standorte wurden gerettet

Oebel in der Region ist Geschichte, zum 1. November wurden die letzten Filialen, die nicht übernommen wurden, geschlossen. Am Ende des Insolvenzverfahrens konnten 340 der einst knapp 1000 Mitarbeiter von anderen Bäckereien übernommen werden, etwa 80 Standorte bleiben erhalten.

In der Oebel-Filiale in der Eschweiler Innenstadt ist ein Schild angeklebt worden. Das Schild ist aus Pappe, zu anderen Zeiten wurden hierauf Kuchenteile transportiert. Die Belegschaft bedankt sich für das jahrelange Vertrauen und teilt die finale Schließung mit. Das Lokal ist bereits ausgeräumt. Oebel in der Region ist Geschichte, zum 1. November wurden – wie angekündigt – die letzten Filialen, die nicht übernommen wurden, geschlossen.

Als das Insolvenzverfahren bei dem Unternehmen im Sommer eröffnet wurde, gab es 153 Filialen mit knapp 1000 Mitarbeitern, in denen die reine Verkaufskette ihre Backwaren anbot. Am Ende des Verfahrens steht fest, dass etwa 80 Standorte gerettet und 340 Mitarbeiter übernommen werden können. 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde gekündigt, weil sich kein neuer Eigentümer fand. Etwa 200 haben von sich aus dem Unternehmen in Schieflage den Rücken gekehrt.

Viele haben einen neuen Job

In den letzten Tagen der über 100 Jahre alten Firmengeschichte wurden noch einmal zehn Filialen übernommen. „Es stimmt mich zuversichtlich, dass viele Mitarbeiter aus Standorten, die leider geschlossen wurden, bereits neue Stellen im Einzelhandel oder in Wettbewerbsbäckereien gefunden haben“, sagt Dirk Wegener. Der Jurist von der Bonner Wirtschaftskanzlei dhpg wurde Mitte Juli zum vorläufigen Insolvenzverwalter für Oebel berufen.

Rentabel war das Unternehmen da längst nicht mehr, Oebel hatte große Außenstände zum Beispiel bei Kronenbrot. In dem Würselener Familienunternehmen waren Wolfgang und Lothar Mainz federführend, ehe sie nach dessen Insolvenz weiterzogen zu Oebel, einer ehemaligen Kronenbrot-Tochter. Bis zuletzt war Wolfgang Mainz der Geschäftsführer, der nach der Insolvenz auch vom Ehrenamt als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen sofort zurücktrat.

Wegener verschaffte sich einen Überblick über die Misere, am liebsten hätte er die Kette komplett verkauft. Schnell sei aber erkennbar gewesen, dass sich auf dem umkämpften Markt kein Käufer dafür finden würde, sagt er. Also musste Wegener für jede Filiale eine eigene Lösung finden. Schon vor der eigentlichen Insolvenzeröffnung am 1. Oktober wurden rund 30 Filialen von neuen Betreibern übernommen.

In den letzten Tagen, bevor Oebel nun aus der Region verschwindet, hat Wegener noch zehn Übernehmer für verschiedene Standorte gefunden, teilt er mit. Die neuen Betreiber sind die Bäckereien Brinker, Schneider, Klein’s Backstube, Merzenich, Achim Lohner, Hardt, Oehme, Leo, Westerhorstmann und Horsthemke. Der Jurist wertet das als Erfolg. „Wir haben um jede Filiale gekämpft und auch in den letzten Tagen nicht nachgelassen, weitere Gespräche mit Interessenten zu führen“, sagt er am Ende.

Gespräche mit Mainz gescheitert

Für die umsatzschwachen Filialen in Aachen fand sich kein Interessent. Der Name Oebel wird hier verschwinden, lediglich im Großraum Düsseldorf-Wuppertal wird er weiter von der Bäckerei Brinker verwendet, die die ehemaligen Oebel-Filialen hier übernommen hat. In einigen Fällen, so hat es Wegener berichtet, sei die Übernahme auch an den Verhandlungen mit der Familie Mainz gescheitert. Die habe die Einrichtung der Ladenlokale in einer anderen Gesellschaft untergebracht, eine Einigung mit Interessenten sei nicht immer möglich gewesen. „Mein Problem war, dass ich nicht mit der Ausstattung disponieren kann, sondern jeweils einzelne Vereinbarungen mit den Eigentümern treffen musste“, hatte der Insolvenzverwalter bereits vor ein paar Tagen festgestellt.

Eine Entschädigung für die Gläubiger, für Lieferanten und Mitarbeiter, wird es am Ende des Insolvenzverfahrens nicht geben. Die vorhandene finanzielle Masse werde für laufende Verpflichtungen gebraucht, sagt Wegener. Unter anderem hat nach Informationen dieser Zeitung die Familie Mainz als Vermieter des ein oder anderen Oebel-Ladenlokals noch Anspruch auf Mietzahlungen.

Mehr von Aachener Zeitung